Transcription of Das 1x1 der Gefühle - c.wgr.de
1 Autorin: Michaela Sit 2008 Verlag E. dorner , WienSeite 1 Das 1x1 der Gef hle1 Themen-Motivation und Einleitung2 Unterrichtspraxis3 bungseinheiten4 Hier steht's geschrieben 1 Themen-Motivation und Einleitung Kinder sollen stark und einf hlsam, durchsetzungsf hig und sozial sein. Und gleichzeitig sollen sie Toleranz lernen und zu ihren Gef hlen stehen. Gar nicht so einfach, was Kindern heute abverlangt wird in einer Gesellschaft, die ihnen t glich Leistungsdruck und Konkurrenz, Vereinzelung und Aggressivit t vorlebt. Wie l sst sich Selbstwertgef hl und soziales Verhalten von Kindern st rken? Und wie k nnen wir sie unterst tzen zu lernen, mit ihren Gef hlen umzugehen? Der amerikanische Psychologe Daniel Goleman pr gte mit seinem Buch Emotionale Intelligenz einen v llig neuen Begriff.
2 Ihm ist es zu verdanken, dass neben dem IQ (Intelligenzquotient) nun auch der EQ (Emotionaler Quotient) mit Erziehung und Lernen in Verbindung gebracht wird. Goleman beschreibt die emotionale Intelligenz als eine bergeordnete F higkeit, von der es abh ngt, wie gut man seine sonstigen F higkeiten - darunter auch den eigenen kognitiven Intellekt - sinnvoll einsetzen kann. Wozu sind Emotionen da?Als Fachbegriff wurde Emotion vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler (1857-1939) gepr gt. Die Wurzel des Wortes Emotion ist movere, lateinisch f r bewegen; die Vorsilbe e bedeutet herausbe-wegen, was darauf hinweist, dass jeder Emotion eine Tendenz zum Handeln typische Emotionen sind Aggression, Angst, Antipathie, rger, Besorgnis, Freude, Liebe, Trauer, Wut und Zorn.
3 Die bewegende Erfahrung der Emotion umfasst sowohl k rperliche Reaktionen als auch aufgew hl-te Gef hle. Personen, die eine bestimmte Emotion haben, erleben dies selbst innerlich als ein bestimmtes Gef hl, zeigen bestimmte k rperliche Ver nderungen, zeigen bestimmte charakteristische Verhaltensweisen in der Folge der Emotion. Emotionen steuern unsere Aufmerksamkeit und treiben uns zum Handeln an. Sie koordinieren die unterschiedlichen biologischen Systeme unseres K rpers: Gesichtsausdruck, Spannungsgrad der Muskeln, Nerven und Hormone, um uns so in optimale Reaktionsbereitschaft zu versetzen. Diese biologischen Handlungsbereitschaften werden zus tzlich durch unsere Lebenserfahrung und unsere Kultur geformt. Autorin: Michaela Sit 2008 Verlag E.
4 dorner , WienSeite 2 Die zwei Ebenen unseres Verstandes - Denken und F hlenDaniel Goleman beschreibt sehr eindrucksvoll, mit welcher Macht das emotionale Denken den Verstand au er Kraft setzen kann. Er bedient sich dabei einer vereinfachten schematischen Darstellung, die die komplexen Abl ufe im Gehirn veranschaulicht: Einpr gsam spricht er vom emotionalen W chter und vom Manager der Gef hle . Der emotionale W chterDer Mandelkern wird als Zentrum des emotionalen Denkens im Gehirn angesehen, er ist Teil des limbischen Systems. Ein sen-sorisches Signal vom Auge oder vom Ohr wird ber den Thalamus direkt zum Mandelkern geleitet. Ein zus tzliches Signal wird ber einen l ngeren Weg zum Neokortex, dem Sitz des Denkens, geleitet. Die k rzere Bahn erlaubt es dem Mandelkern, Inputs direkt von den Sinnesorganen zu empfangen und vor dem Neokortex zu reagieren.
5 Der Mandelkern als Sitz unseres emotionalen Ged chtnisses erlaubt uns, den allt glichen Ereignissen pers nliche Bedeutung beizumes-sen und mit entsprechenden Gef hlen wie Freude, Mitleid, Angst oder Wut zu reagieren. Der Mandelkern spielt dabei die Rolle des emotionalen W chters: Er tastet Ereignisse nach Anzeichen von Schwierigkeiten ab und leitet Impulse an den Neokortex Manager der Gef hle Der Neokortex ist der Sitz des Denkens. Insbesondere die Pr frontallappen direkt hinter der Stirn kontrollieren unsere Gef hle, indem sie den Mandelkern und andere limbische Bereiche d mpfen, um Situationen neu einzusch tzen und um effektiver mit ihnen umzugehen. Wird ein Gef hl ausgel st, analysieren die Pr frontallappen innerhalb kurzer Zeit m gliche Verhaltensweisen und w hlen die beste Alternative K mpfeDie Zusammenarbeit von Mandelkern und Neokortex scheint perfekt zu sein: Der emotionale W chter signalisiert Gefahr, w hrend der Manager der Gef hle eine besonnene Verhaltensweise w emotionalen Notf llen jedoch erkl rt der Mandelkern den Ausnahmezustand und zieht das brige Gehirn f r sein Krisenprogramm heran.
6 Goleman nennt diesen Zustand emotionalen berfall , da er sich so schnell vollzieht, dass der Neokortex keine Gelegenheit bekommt zu erfassen, was passiert ist, und keine geeignete Ma nahmen veranlassen kann. Aus diesem Grund k nnen wir nicht klar denken, wenn wir aufgebracht sind. Emotionale Bahnen und die automatischen Reaktionen, die sie ausl sen, werden bereits in der Kindheit geformt. Autorin: Michaela Sit 2008 Verlag E. dorner , WienSeite 3 Was ist emotionale Intelligenz?Unter emotionaler Intelligenz wird das geistige Fassungsverm gen verstanden, mit dem Informationen emotioneller Art aufgenommen und verarbeitet werden und auf Grund dessen wir emotional empfin-den und reagieren k nnen. Emotionale Intelligenz beschreibt also die mehr oder weniger ausgepr gte F higkeit, Gef hle zu erfahren und produktiv mit ihnen Intelligenz kann ohne emotionale Erfahrungen nicht optimal funktionieren.
7 Arbeiten rationale Intelligenz und emotionale Intelligenz effektiv zusammen, entfalten sich sowohl emotionale als auch intellektuelle F higkeiten. Emotionale F higkeiten sind bestimmte Verhaltensmerkmale und pers nliche Eigenschaften wie Selbsterkenntnis, Einf hlungsverm gen, Impulsbeherrschung, Entschlusskraft und Umgang mit der emotionalen Intelligenz nach Goleman Selbstbewusstsein - Gemeint ist die realistische Einsch tzung der eigenen Pers nlichkeit, also das Erkennen und Verstehen der eigenen Gef hle, Bed rfnisse, Motive und Ziele ebenso wie das Bewusstsein ber die pers nlichen St rken und Schw chen. Es geht darum, sich selbst gut zu ken-nen, um einsch tzen zu k nnen, wie man in bestimmten Situationen reagiert, was man braucht und wo man noch an sich arbeiten muss.
8 Selbstmotivation - Sich selbst motivieren zu k nnen hei t, immer wieder Leistungsbereitschaft und Begeisterungsf higkeit aus sich selbst heraus entwickeln zu k nnen. Diese F higkeit ist beson-ders hilfreich in Phasen, in denen ein Projekt schwierig wird, oder wenn die Dinge anders laufen als geplant. Wer sich selbst motivieren kann, findet immer wieder Kraft zum Weitermachen und verf gt auch ber eine h here Frustrationstoleranz, also dem Verm gen, Frust auszuhalten und trotzdem weiterzumachen. Selbstmanagement - Als Selbstmanagement oder Selbststeuerung wird die F higkeit bezeichnet, die eigenen Gef hle und Stimmungen durch einen inneren Dialog zu beeinflussen und zu steuern. Mit dieser F higkeit sind wir unseren Gef hlen nicht mehr nur einfach ausgeliefert, sondern k nnen sie konstruktiv beeinflussen.
9 Ein Beispiel: Wenn uns etwas w tend macht, k nnen wir uns durch unseren inneren Dialog selbst beruhigen, um dann viel angemessener zu reagieren, als wenn wir nicht in Lage w ren, uns selbst zu steuern. Engagement in Gruppen - Darunter versteht man die F higkeit Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen zu kn pfen und solche Beziehungen auch dauerhaft aufrechterhalten zu k nnen. Gemeint ist also ein gutes Beziehungs- und Konfliktmanagement, aber auch F hrungsqualit ten oder das Verm gen, funktionierende Teams zu bilden und zu leiten. Empathie - Empathie hei t Einf hlungsverm gen, also das Verm gen, sich in die Gef hle und Sichtweisen anderer Menschen hineinzuversetzen und angemessen darauf zu reagieren. Es geht darum, Mitmenschen in ihrem Sein wahrzunehmen und zu akzeptieren.
10 Dabei hei t Akzeptieren nicht automatisch Guthei en. Andere Menschen zu akzeptieren hei t ihnen mit Respekt entgegenzutreten und Verst ndnis f r ihr Tun und Denken zu Autorin: Michaela Sit 2008 Verlag E. dorner , WienSeite 42 Unterrichtspraxis Einf hrung ins ThemaEmotionales und soziales Lernen ist eine Methode, mit der die Sch lerInnen lernen, mit Sachthemen, mit sich selbst und mit anderen auf konstruktive Weise umzugehen und sowohl Selbst- als auch Sachkompetenz in einem ausgewogenen Verh ltnis zu entwickeln. Zu dieser emotionalen Erziehung geh rt auch die F rderung der Erlebnisf higkeit - sensibel zu sein f r Sinneseindr cke, den Jahreskreislauf der Natur mitzuerleben und Feste zu feiern wie Geburtstage, Weihnachten und Ostern. Der Unterricht soll lebensnah und praktisch gestaltet werden.