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Das Auerhuhn im Toggenburg

177 Das Auerhuhn im ToggenburgDas Auerhuhn gilt als Schirmart f r den Bergwald. Wo es vor-kommt, sind in diesem Lebensraum auch andere Arten noch zahlreich pr sent. In W ldern des mittleren und oberen Toggen-burgs finden wir die n rdlichsten Vorkommen dieses imposan-ten Vogels im RudmannUrt mliche T neEs t nt, als ob jemand zwei d rre Holzst be aneinander schl gt weder dumpf noch voll, weder laut noch leise. Es klingt eher schwach, und doch kann es noch aus beachtlicher Entfernung wahrgenommen werden: Pell p, pell p, pell p klikop. Mit diesen merkw rdigen, schwer zu beschreibenden Lauten be-ginnt etwas vom Einmaligsten und Erregendsten, was der Na-Das Auerhuhn im ToggenburgFr hlingsstimmung Balzender Auerhahn im ersten Morgenlicht. Foto: Ren G Auerhuhn im ToggenburgDas Auerhuhn im Toggenburgturfreund im Bergwald belauschen kann: die Balz der Auer-h hne.

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1 177 Das Auerhuhn im ToggenburgDas Auerhuhn gilt als Schirmart f r den Bergwald. Wo es vor-kommt, sind in diesem Lebensraum auch andere Arten noch zahlreich pr sent. In W ldern des mittleren und oberen Toggen-burgs finden wir die n rdlichsten Vorkommen dieses imposan-ten Vogels im RudmannUrt mliche T neEs t nt, als ob jemand zwei d rre Holzst be aneinander schl gt weder dumpf noch voll, weder laut noch leise. Es klingt eher schwach, und doch kann es noch aus beachtlicher Entfernung wahrgenommen werden: Pell p, pell p, pell p klikop. Mit diesen merkw rdigen, schwer zu beschreibenden Lauten be-ginnt etwas vom Einmaligsten und Erregendsten, was der Na-Das Auerhuhn im ToggenburgFr hlingsstimmung Balzender Auerhahn im ersten Morgenlicht. Foto: Ren G Auerhuhn im ToggenburgDas Auerhuhn im Toggenburgturfreund im Bergwald belauschen kann: die Balz der Auer-h hne.

2 Die Rufe des Waldkauzes sind verstummt, noch h llt die Dunkelheit alles ein. Obwohl dem Beobachtenden allm h-lich die K lte in die Knochen kriecht, werden die Augendek-kel schwer. Doch was war das? Augenblicklich munter, horcht man angestrengt in die schwarze Nacht hinaus. Ert nt da nicht das langersehnte Pell p , nach einer Weile nochmals pell p, pell p ? Doch, da ist es ganz deutlich von rechts zu vernehmen. Da nochmals, aber nein, diesmal von links: Pell p. Pell p kli-kop, tschi teschite schi te schi. Wieder Stille und Dun-kelheit. Dann ein Fl gelpoltern, und schon ist der erste Ritter am Boden, als schwarze Silhouette im weissen Schnee auszuma-chen. Den Schwanz f cherf rmig gespreizt, die etwas gesenkten Fl gel vom Leib abstehend, verharrt er mit erhobenem Kopf, stolziert einige Schritte, dreht sich um die eigene Achse, hebt den Kopf noch mehr und beginnt wieder mit pell p, pell p und steigert sich vom Knappen ber den Triller zum sogenannten Hauptschlag, welchem das Schleifen und Wetzen, Worgen und R cheln folgt.

3 Die Balz der Auerh hne hat begonnen!Steckbrief Die Natur hat das Auerhuhn mit Spitzeneigenschaften aus-gestattet. Es ist der gr sste eurasische H hnervogel. Der Hahn erreicht ein Gewicht von vier bis f nf Kilogramm, die Henne bloss die H lfte. Das Auerhuhn beherrscht trotz seinem Gewicht den Blitzstart und das Bremsr tteln. Es kann auf kurze Distanz eine Fluggeschwindigkeit von 95 Kilometer pro Stunde errei-chen. Obwohl sein Flug meistens linear verl uft, kann es mit-hilfe des Schwanzes beim Flug durch den Wald recht geschickte Man ver vollziehen. Als Alternative zu den Z hnen verf gt das Auerhuhn ber eine Art M hle, um die teilweise harte Nahrung zu zerkleinern: Im Magen wird die z he, holzartige Winternah-rung mittels hornartiger Reibplatten und kleiner geschluckter Steinchen zerrieben und anschliessend im ber zwei Meter lan-gen D nndarm mit Hilfe der fast gleich langen Blindd rme wie-der aufgeschlossen und verdaut.

4 Die L nge der Darmabschnitte ver ndert sich mit der jahreszeitlich unterschiedlichen Nah-rung. Das Auerhuhn besitzt als Transportsack einen bergros-sen Kropf, in welchem der Hahn bis 800 Kubikzentimeter Na-deln von F hre, Arve, Weisstanne oder Fichte aufnehmen kann. Hier taut die im Winter oftmals noch eisbedeckte Nahrung auf und wird durch Sekrete der Kropfdr sen aufgeweicht. Nach dem Durchlaufen der Nahrungsbestandteile durch Magen und Darmtrakt wird das unverdauliche Material laufend in einem zeitlichen Abstand von zehn bis f nfzehn Minuten in W rst-chenform ausgeschieden. Die Konturfedern des K rpers mit ih-rem langen, besonders im Winter flaumigen Afterschaft sorgen f r eine gute W rmeisolation. Auch die Nasenl cher und L ufe sind befiedert. An den R ndern der Vorderzehen verbreitern als Zehenstifte umgebildete Federn im Winter die Trittfl che und vermindern das Einsinken im Schnee.

5 Die Hornh llen des Schnabels und der Zehen (Zehenstifte und Krallen) unterliegen wie das brige Gefieder der j hrlichen Anspr che an den Lebensraum Die Henne br tet im Fr hling am Boden ihre f nf bis zw lf Eier aus und f hrt die K ken bis in den Herbst. Beim Schl pfen m ssen diese mit dem Eizahn, einem vor bergehenden H cker am Schnabel, die Eischale selber ffnen, indem sie die Eikappe am stumpfen Ende sch n sauber abtrennen. Den Dottersack, Nahrungsreserve f r die ersten Tage, haben sie bereits in den Bauchraum eingezogen. Auerhuhnk ken sind Nestfl chter und m ssen ihr Anfangsgewicht von weniger als hundert Gramm ber die Nahrungsaufnahme bis zum Herbst auf bis zu neun-zig Prozent des Erwachsenengewichtes bringen. F r den Hahn Auerhenne gut getarnt undweniger auff llig als der Hahn. Foto: Franz mit gut erkenn-barem Afterschaft.

6 Foto: Franz Auerhuhn im Toggenburg180 Das Auerhuhn im Toggenburgbedeutet dies eine Zunahme von bis zu drei Kilogramm innert weniger Monate. Weil die K ken vorerst nur ein Daunenkleid tragen, sind sie gegen K lte nur schlecht und gegen N sse gar nicht gesch tzt. Sie m ssen daher von der Henne h ufig ge-hudert, das heisst im eigenen Federkleid gew rmt, werden. Bei nasskalter Witterung k nnen K ken nur kurze Zeit der Nah-rungsaufnahme nachgehen. Diese besteht zu Beginn haupts ch-lich aus Insekten, welche bei N sse und K lte wenig aktiv und dann nur in reduzierter Menge verf gbar sind. So kann es sein, dass lang andauernde Schlechtwetterperioden im Fr hsommer zum Tod der K ken und damit zum Ausfall ganzer Jahrg nge f hren k nnen. Im Alter von zwei Wochen k nnen die K ken einige Meter weit flattern, nach drei Wochen bereits im Flug kurze Distanzen zur cklegen und auf B ume hochfliegen.

7 Nun ist auch ihr Gefieder so weit entwickelt, dass es sie gegen K lte und N sse zu isolieren vermag. Der anf nglich von Insekten dominierte Speiseplan wird allm hlich durch pflanzliche Be-standteile erg nzt und ersetzt. Diese Nahrung wird w hrend der schneefreien Zeit vom Boden, bei Fr chte tragenden Holz-gew chsen vom Strauch oder Baum aus aufgenommen. Eine besondere Bedeutung kommt der Heidelbeere zu, welche im borealen Ursprungslebensraum grossfl chig vorhanden ist, bei uns in den Alpen jedoch nur abschnittweise auf torfigen B den in Moorlandschaften, auf sauren B den ber Sandstein sowie auf kristallinem Muttergestein vorkommt. Die H hner finden in dieser bis f nfzig Zentimeter hohen Vegetationsschicht nicht nur Schutz vor Fressfeinden und N sse, sondern vor allem auch eine gut erreichbare Nahrung in Form von Insekten, Knospen, Bl ttern, Bl ten sowie ein riesiges Angebot an energiereichen Beeren.

8 Die Heidelbeeren gedeihen am besten in l ckigen Wald-partien, wo die Sonne den Boden aufw rmen und sich ein hohes Insektenangebot entwickeln kann. Neben Heidelbeeren werden aber zahlreiche andere Pflanzen genutzt. So gibt es Vorkom-mensgebiete, wo Auerh hner auch ohne Heidelbeerstr ucher ihr Auskommen finden. Das Auerhuhn hat zahlreiche Fressfeinde. So gilt es vor allem in der Aufzuchtszeit, gegen Fuchs, Marder, Wildschwein sowie Greifv gel wachsam zu sein. Die f hrende Henne berwacht ih-re Jungmannschaft und warnt beim Auftauchen eines Fressfein-des. K ken, die in dieser Situation rasch lernen, sich sofort unter einen Unterschlupf zu ducken oder auf einen Baum zu retten, berleben eher. Leicht erh hte Warten wie Baumstr nke oder Wurzelteller helfen der Henne, die bersicht zu bewahren. St ndige Ortswechsel sind zudem eine weitere Strategie der Henne, Fressfeinden auszuweichen.

9 Bis zum Herbst haben die jungen Auerh hner bereits ein gutes Winterkleid und gen gend Gewicht angelegt. Jetzt l st sich der Familienverband auf. Die harte Winterzeit steht vor der T r. Wenig energiereiche Konife-rennadeln als Nahrung m ssen bei Schneegest ber und tiefen Temperaturen das berleben erm glichen. Sich m glichst we-nig bewegen und gut gesch tzte Pl tze unter tief beasteten und eingeschneiten Fichten oder gar eigens angelegte Schneeh hlen aufsuchen hilft, extremen Temperaturen auszuweichen. Gerade in dieser Jahreszeit ist es wichtig, dass die gut versteckten Tiere in Ruhe gelassen werden. Denn h ufiges Aufschrecken und Flie-hen, sei es wegen hungriger Fressfeinde oder menschlicher St -Kotw rstchen von Auerh hnen Sommerlosung mit Heidelbeer-resten (dunkel) und Winterlosung mit Nadelbaumresten (hell).Foto: Franz Rudmann.

10 Briggebliebene Federn einesgerissenen : Franz Eierschalen einesAuerhuhngeleges. Foto: Franz Auerhuhn im Toggenburg182 Das Auerhuhn im Toggenburgrungen, zehren an den Energiereserven. Am Ende des Winters steht ja schon wieder die Balz bevor. Wer am Ende des langen Bergwinters geschw cht ist, besitzt im Fr hling geringere Chan-cen, sich in der Balzarena gegen die Konkurrenz durchzusetzen. F r den wichtigsten Lebensabschnitt Balz, Brut und Aufzucht suchen die Hennen die aus ihrer Sicht besten Gebiete in Bezug auf W rme, Nahrung, Schutz vor Witterung und Fressfeinden sowie Komfortanspr che auf, ohne allzu lange Wanderungen oder Fl ge in Kauf nehmen zu m ssen. Wanderungen sind im-mer mit Energieaufwand verbunden. Zudem verr t man sich den Fressfeinden. Untersuchungen an Auerh hnern, die mit einem Miniatursender ausger stet worden waren, haben gezeigt, dass eine f hrende Henne Waldgebiete in der Gr ssenordnung von ein bis anderthalb Quadratkilometern beansprucht.