Transcription of C.Veltrup MotivationalInterviewing:Einebersicht
1 Motivational Interviewing: Eine bersichtJ. K rkel1C. Veltrup2 MotivationalInterviewing:AnOverviewInsti tutsangaben1Ev. Fachhochschule N rnberg, Fachbereich Sozialwesen2 Therapieverbund Ostsee, L beckKorrespondenzadresseProf. Dr. Joachim K'rkel Ev. Fachhochschule N rnberg, Fachbereich Sozialwesen B*renschanzstr. 4 90429 N rnberg E-mail: 2003; 4: 115 124 6 Georg Thieme Verlag Stuttgart New Yor k ISSN 1439-9903 ZusammenfassungMotivational Interviewing (MI) ist ein sowohl klientenzentrierterals auch direktiver Ansatz der Gespr*chsf hrung zur Erh'hungder Eigenmotivation von Menschen, ein problematisches Verhal-ten (z.)
2 B. Suchtmittelabusus) zu *ndern. Dieser Ansatz ist vonWilliam R. Miller (Albuquerque, USA) und Steven Rollnick(Wales) entwickelt worden und mittlerweile international vor al-lem in der Suchtbehandlung weit verbreitet. MI geht davon aus,dass Menschen in der Regel nicht unmotiviert, sondern ambiva-lent sind ( Soll ich etwas *ndern oder nicht? ). Dementsprechendvollzieht sich die Motivationsarbeit entlang der Exploration undReduzierung von Ambivalenzen des Klienten. Neben einem spe-zifischen Geist (Grundannahmen) sind es vier Prinzipien (Em-pathie, Entwicklung von Diskrepanzen, geschmeidiger Umgangmit Widerstand, F'rderung von Ver*nderungszuversicht) undsieben Methoden (bzw.
3 Gruppen von Methoden, wie z. B. offeneFragen stellen, aktiv zuh'ren, Klienten*u erungen w rdigenund zusammenfassen), welche MI charakterisieren. Der Ablaufvon MI umfasst zwei Phasen. In der ersten Phase steht der Aufbauvon Hnderungsbereitschaft im Vordergrund. Phase 2 widmet sichder Erarbeitung und Vereinbarung pers'nlich verbindlicher Zieleund Wege zur Ver*nderung, die in einen konkreten Hnderungs-plan m nden. Empirische Studien belegen die Wirksamkeit vonMI zur Einleitung von Verhaltens*nderungen. Ausbildungen inMI versprechen eine deutliche Kompetenzsteigerung im Umgangmit Sucht- und anderen sselw rterMotivational Interviewing Sucht Grundannahmen Ver*nde-rungsmotivation Widerstand AusbildungAbstractMotivational Interviewing (MI) is a client-centered, directivemethod for enhancing intrinsic motivation to change problembehavior ( substance abuse) by exploring and resolving ambi-valence.
4 This therapeutic approach has been developed by Wil-liam R. Miller (Albuquerque, USA) and Steven Rollnic k(Wales).Meanwhile it is used all over the world, especially in the treat-ment of addictive behaviors. The premise of MI is that peopleare not unmotivated but ambivalent to change their problembehavior ( Should I change it or not? ). So treatment centers onexploring and resolving ambivalence of clients. Besides a specific spirit , four principles (express empathy, develop discrepancy,roll with resistance, support self-efficacy), and seven groups ofmethods (like asking open questions, reflective listening, affir-mation and summing up important arguments of clients)cha-racterize the approach of MI.
5 MI is applied in two phases. Phase 1involves building motivation for change. Phase 2 ( commitmentto change ) centers around goal setting and ways to achieve thegoal, ending in a clear plan for change. Empirical studies confirmthe efficacy of MI to change problem behavior. Trainings in MI forprofessionals seem promising for increasing expertise in hand-ling addiction and other Interviewing addiction spirit motivation tochange resistance trainingSchwerpunktthema115 Lber Jahrzehnte hinweg galten bzw. gelten noch heute in derSuchtarbeit das Leugnen oder Bagatellisieren eigener Suchtpro-bleme und fehlende Ver*nderungsmotivation quasi als Pers'n-lichkeitsmerkmale Suchtmittelabh*ngiger.
6 Bereits die verwendeteBegrifflichkeit (z. B. fehlender Leidensdruck , fehlende Mitwir-kungsbereitschaft [compliance]) verweist auf diese daran ankn pfende Motivierungsdevise lautet nicht selten:Konfrontieren, Druc kmachen oder Lberzeugungs- und Lber-redungsk nste walten lassen. Es folgen daraus Kraft zehrendeund frustrierende Interaktionssequenzen im Stile der Konfronta-tions-Leugnungs-Falle , bei der der Therapeut immer mehr Argu-mente f r eine Ver*nderung vorbringt und der Klient sich immergeschickter gegen eine Ver*nderung str*ubt ( Reaktanz ; ).
7 Hhnliche Effekte zieht der Versuch, den Klienten auf eine Diag-nose (z. B. Alkoholiker ) festzunageln , nach sich ( Etikettie-rungs-Falle ).Eine v'llig andere Sichtweise von Motivation und Motivations-f'rderung wird in dem von William R. Miller (Albuquerque,USA) und Steven Rollnic k(Wales) entwic kelten Konzept des Motivational Interviewing (MI; meist als Motivierende Ge-spr*chsf hrung bersetzt) vertreten [1, 2]. eine Lbersicht ber die Bestandteile, die in den MI-Ansatz einflie Abbildung ist zu entnehmen, dass mit MI zwei grundlegendeZiele verfolgt werden.
8 Zur Erreichung dieser Ziele kommen sie-ben Methoden (bzw. Methodengruppen), die auf vier fundamen-talen Prinzipien der Intervention beruhen und von einem be-stimmten Geist beseelt sind, zum Bestandteile des MI-Ansatzes werden im Folgenden ge-nauer ausgef und Rollnic kdefinieren MI als a client-centered, directivemethod for enhancing intrinsic motivation to change by einer Gespr chssequenz im Sinne der Konfronta-tions-Leugnungs-Falle (mod. nach [1, S. 57])Therapeut: Sie haben offenbar ein schweres :Was meinen Sie damit?Therapeut: Sie hatten einen ,Filmriss , verlieren leicht die Kontrolle berden Alkohol und bekommen Entzugserscheinungen, wenn sienichts :Aber viele Leute, die ich kenne, trinken auch nicht weniger als : Das mag ja sein.
9 Aber wir sprechen im Moment nicht ber dieanderen, sondern ber :Ich denke nicht, dass alles so schlimm ist, wie Sie es : Nicht so schlimm?! Es ist purer Zufall, dass Sie noch niemandenzu Tode gefahren :Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass ich ein sehr sichererFahrer bin. Ich habe mit dem Autofahren keine :Und wie steht es mit Ihrer Familie? Ihre Frau hat mir doch gesagt,dass Sie viel zu viel trinken und damit sollten!Klient:Ach, meine Frau stammt aus einer Familie, in der berhaupt keinAlkohol auf den Tisch kommt. Die denken doch, dass jeder, derdrei Bier getrunken hat, schon ein Alkoholiker ist.
10 ! "# # $ % ## &#' & ( ) ' * # "# # + , - . #/ 0 , 1/ 2 - # 1/ 2 des rkel J, Veltrup C. Motivational Interviewing: Eine .. Suchttherapie 2003; 4: 11 5 124 Schwerpunktthema116ring and resolving ambivalence [1, S. 25; 3]. Das hei t: Durch MIsollen zielgerichtet ( directive ) die positiven und negativen Sei-ten des Suchtmittelkonsums hinsichtlich einer potenziellen Kon-sumver*nderung erkundet werden, und zwar so, wie sie sich f rden Klienten subjektiv darstellen ( client-centered ). Es wird da-von ausgegangen, dass durch die respektvolle, nicht wertendeErkundung auch der sinnhaften Seiten des derzeitigen Konsum-verhaltens eine Offnung f r die Nachteile des bisherigen Kon-sums erfolgt: Der Klient wird bereit, selbst ber die in ihm be-reits schlummernden Beweggr nde f r eine Ver*nderung zusprechen ( intrinsic motivation ), und er wird zunehmend offe-ner f r eine Konsumver*nderung, wenn er erlebt, dass sein Kon-sum mit wichtigen Zielen oder Werten in seinem Leben nichtvereinbar ist.