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(1906 – 1990) LUSTIGE MUSIKGESCHICHTE - helmut …

helmut Bornefeld (1906 1990) LUSTIGE MUSIKGESCHICHTE erstmals vorgetragen am 6. Januar 1967S. 1 Verehrtes Auditorium,ich bitte um Silentium,wenn ich in dieser D mmerstundevor dieser klugen Kennerrundeaus meinen Studien zur Geschichteder l blichen Musik bringe, wie ich sicher hoffe,manch neuen Beitrag zu dem Stoffe,hab' ich mich doch seit Kindertagenmit der Musik Musik macht, wie jede Frau,im Lauf der Zeit die Haare grau,doch die sich lichtende Behaarungist stets ein Zeichen von muss ich zu Beginn noch nennen:wer singen will, muss lachen k nnen!Wer glaubt, dass ihm bei solchem Schalleein Stein aus seiner Krone falle,dem fehlt, wie ich ganz sicher glaube,an seiner Krone eine Schraube!Schon Doktor Luther sagte frei,dass Ernst ein Bad des Teufels sei;es macht ein herzliches Gel chteruns arme S nder auch nicht muss, um andern wohl zu g nnen,sich selbst zum besten haben k nnen:Man nennt die andern Leute K lber,und meint dabei doch nur sich selber!

S. 1 Verehrtes Auditorium, ich bitte um Silentium, wenn ich in dieser Dämmerstunde vor dieser klugen Kennerrunde aus meinen Studien zur Geschichte

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1 helmut Bornefeld (1906 1990) LUSTIGE MUSIKGESCHICHTE erstmals vorgetragen am 6. Januar 1967S. 1 Verehrtes Auditorium,ich bitte um Silentium,wenn ich in dieser D mmerstundevor dieser klugen Kennerrundeaus meinen Studien zur Geschichteder l blichen Musik bringe, wie ich sicher hoffe,manch neuen Beitrag zu dem Stoffe,hab' ich mich doch seit Kindertagenmit der Musik Musik macht, wie jede Frau,im Lauf der Zeit die Haare grau,doch die sich lichtende Behaarungist stets ein Zeichen von muss ich zu Beginn noch nennen:wer singen will, muss lachen k nnen!Wer glaubt, dass ihm bei solchem Schalleein Stein aus seiner Krone falle,dem fehlt, wie ich ganz sicher glaube,an seiner Krone eine Schraube!Schon Doktor Luther sagte frei,dass Ernst ein Bad des Teufels sei;es macht ein herzliches Gel chteruns arme S nder auch nicht muss, um andern wohl zu g nnen,sich selbst zum besten haben k nnen:Man nennt die andern Leute K lber,und meint dabei doch nur sich selber!

2 Nun aber Schluss mit den Pr ludien,wir fangen an mit unsern Anfang, als die Welt erschaffenund es nicht Menschen gab noch Affen,gab's f r die Engel was zu staunen:Sie kriegten riesige Posaunen!S. 2'S ist leider kein Bericht vorhanden,in welchem Grundton die gestanden,ich nehme aber an, in D,denn das klingt besser in der H h .So spielten sie vor Gott, dem Herrn:"Wie sch n leuchtet der Morgenstern"!Mit vielem Kochen, Brauen, Knetenschuf Gott der Herr dann die Planeten;er kugelte die Fixstern-Kn delund r delte Kometen-Wedel,bis er zum Schluss 'ne Riesenplattevon Erd pfeln und Kn pfle sprach Gott, der Herr: "Was nun?Man muss auch was f r's Inn re tun!"Er lernte, etwas m d vom vielenGekoche, das Klavier zu spielen,und bte t glich, wie man soll,die Tonleitern durch Dur und brauchte kaum ein halbes Jahr,da spielte er schon wunderbardurch aller Himmel weite Fernesein Leiblied "Heimat, deine Sterne".

3 S. 3 Ein Lied, wenn es auch noch so sch n,kann schlie lich auf die Nerven geh n;so ist vermutlich zu erkl ren,dass Gott der Herr wollt' and res h hat den Menschen sich erschaffensamt V geln, Katzen, Rindern, Affen,und er verlieh, teils mehr, teils minder,des Singens Kunst an seine sagt ja nun, zu Gottes Ehre,dass er durchaus allwissend w glaube das nat rlich auch,weil's unter Christen so der ber eines, ganz im Stillen,komm ich nicht weg beim besten Willen:H tt' n mlich Gott geahnt beizeiten,dass T ne manchmal Qual bereiten,und w a s f r Qualen sie auf Erdender Menschheit noch bereiten werden - :Er h tte uns, das ist mir sicher(ganz ohne R cksicht auf Gekicherund sch pferisch ganz ungeniert)betr chtlich anders glichen stummen Fischen ganz:Es fehlt das Ohr, doch nicht der Schwanz!Doch dazu ist es jetzt zu sp t:Es l rmt der Mensch, solang er kr ht!

4 S. 4 Seit's Menschen gibt, gilt dieses eine:der Mensch ist nicht sehr gern alleine,und dass ein Mensch sich bereile,dient nichts so sehr wie hat die Menschheit schon erfahrenin ihren ersten Eva sa , jahraus, jahreinmit ihrem Adam ganz allein,weshalb sie, wenn die Zeit ihr lang,zur Kurzweil lange Lieder sang sie laut, mal sang sie leise,dem Adam war dabei ganz hei e;es f hlt' in jeglicher Gestaltdie Riesin Eva die Gewalt,mit der sie Adam Riesen sachtesich unter den Pantoffel brachte,bis er, bezaubert hingerissen,statt ihr den Apfel endete auch dieser Traum,wie immer, unter'm Apfelbaum,und leider war der Lieder Schallder Anlass zu dem S 5So ging's denn still und ohne Fl tenhinaus zum sch nen Garten Eden,und nur der Posten vor dem Torder pfiff sich grad ein Liedchen vor,was diesem hochbetr bten Paarunzweifelhaft recht tr stlich Namen Jubal trug der Enkel,der dann zum Vater aller B nkel-Ten re und - trompeter Bruderherz war andrer Art:es nannte Jabal sich der Knabe,der dann mit aller seiner Habe- nachdem er erst das Zelt erfunden -in weite Ferne ist 6 Woraus man hier bereits ersieht,dass man meist besser ausw rts zieht,als dass mit einem Musensohneman unter einem Dache wohne!

5 Sehr wenig galt die Kunst des Tonsin den Gefilden Babylons,denn au er w sten Knochenr hrengab's nichts Erbauliches zu h war dort mehr Soldat und Schl chterund dieserhalb auch Kunstver chter;es berliefert die Geschichtehierf r bezeichnende Berichte. -Als Juden, die man sich gefangen,am Euphrat ihre Harfen schwangen,da machten diese Musen-Schl chterein kannibalisches Gel chter,sodass die Juden, tiefgekr nkt,die Harfen an die st' geh ngt,ja beinah auch sich selbst daneben,-h tt' es gen gend st' gegeben. -S. 7Im hei en Lande der gypterwar die Musik bereits beliebter:ganz meisterhaft spielt' Nofretetedie sogenannte Liebesfl te,und man begehrte hingerissenihr wenigstens den Fu zu k ssen(dabei versteht sich von alleinedass ich den Fu der Dame meine).In Josef, als er Fl te bte,Frau Potiphar sich prompt verliebte,doch hat er ganz genau gef hlt,dass man da besser nicht mit spieltund lie ihr lieber sein Gewandals seine Fl te in der gern hingegen sp ter mocht' erAsnath, die fromme Priesterstochter;so kriegte er, als Tugendlohn,ein braves Weib und einen 8 Wir gehen weiter jetzt im Textund untersuchen da zun chstdie etwas schwierigen Geschichten,wie sie von David uns David tanzte n mlich gernteils vor dem Heer, teils vor dem Herrn,er tanzt' sogar "mit aller Macht",als man die Bundeslade bracht'[von Baal in Juda ber Gathaus Obeds Haus in Davids Stadt.]

6 ]Der Michal, Davids erster Frau,missfiel indessen diese nannte das, voll Pr derie,geradezu 'ne Nacktrevueund stellte ihren Mann zur Rede,dass vor den M gden er so bl deund unmoralisch sich David sprach: "Zu Ehren kommenwill ich mit eben diesen Maiden!"Und weil er diese mochte leidenund er den Vorfall ernst genommen,hat Michal nie ein Kind 9 Ein andermal, als er alleinedie Harfe spielt im Mondenscheine,sah er vom Dach Urias Frauganz zuf llig, doch ganz genau,und tat von Stund an nur noch sinnen,wie dieses Weib sei zu sagte sich: "Das mach ich so,das mach ich wie die Gestapo:ich schicke ihren Mann zwecks Mordso nebenbei zum Kommiss fort,denn daselbst holt ihn ohne Zweifelin kurzer Frist bereits der Teufel;f r ihn bleibt dann der Kriegerruhm,f r mich sein Weib als Witwen sind darauf erpicht,dass man ihnen Trost zuspricht,und es erfreut gewiss die Arme,wenn ich dann ihrer mich erbarme!

7 " -Der K nig David schrieb im Alterdann seinen sogenannten Psalter,denn - trotz der Kunst- und Sittenrichter -er war ein sehr begabter Dichter!Wer wei , ob er, wenn tugendsamer,so tief erfasst der Menschheit Jammer ?Ob er, bei gr erer Seelen-Gl tte,so seelenvoll gedichtet h tte?S. 10Es braucht halt oft ein wenig S nde,dass sich die Phantasie entz nde;wo blass und flau des Lebens Ader,ist die der Dichtung stets noch fader,und wer ein gro er Tugendbold ist,dem meist die Mu e nicht sehr hold ist,weshalb wir instinktiv verzichten,wenn solche Tugendbolde dichten!Man lasse sich in solchen F llendie Psalmen also nicht verg llen,und wer den Drang f hlt, zu verfluchen,der mag es bei sich selbst Davids letzten Lebensjahren,da wuchsen wieder die Gefahren,weil, zugedeckt bis bers Ohr,ihn dennoch ganz erb rmlich fror .S. 11 Jedoch ein Vorschlag von dem Knechtedes David, war genau das Rechte;Man gab zwei M dchen ihm in'n Armund alsbald war ihm wieder warm!

8 Bei kalten F en, kaltem Kniebleibt meist auch kalt die Phantasie,w hrend, wenn beides warmgeb gelt,sie sich ganz ungemein befl David war das sichtlich n tze;er f hlte neue Geistes-Blitze:War vordem er als Dichter gro und Harfenkammervirtuos,so ward er jetzt Organisator,um nicht zu sagen Kunst-Diktator,und konzipierte mit Geschickdie Reichshochschule f r Musik.(Im ersten Buch der Chronikasteh n alle Personaliader Lehrer, Sch ler, mter, Titelim sechundzwanzigsten Kapitel.)S. 12 Des Davids Sohn, der Salomo,ward langer Friedensjahre frohund baute, dessen zum Exempel,den Juden ihren ersten was ist eines Tempels Sch neohne Versch nerung durch T ne?Der David machte Klang-Projekte,der Sohn erf llte sie perfekteund sprach begl ckt: "Mein lieber Alter,das ist was andres als dein Psalter!" Es gab Trompeten, Trommeln, Flauten,Posaunen, Harfen, Zithern, Lauten,und mit der Gr e der Besetzungward gr er die Gem ts-Erg 13So meldet uns die Heilige Schriftnoch vieles, was Musik meisten mag ich die Geschichtevom Jerichoer Strafgerichte,weil hier ein Beispiel statuiert,wie man humane Kriege f will, f r sp tere Kriegestaten,hier gerne das Rezept verraten:Man nehme sieben Stabstrompeter,von guter Konstitution ein jeder,und gebe ihnen in die H nderecht reingestimmte Instrumente:Dem ersten C, dem zweiten H,dem dritten B, dem vierten A,dem f nften As, dem sechsten G,dem siebten Fis und F und die nun spielen, aus dem Vollen,in sieben ganz verschiednen Mollen,und blasen so, als Dauermusikaus Wagners "Siegfried" die Trauermusikoder, durch sieben ganze Tagevon Beethoven die "Heldenklage".

9 Die dickste Schie - und Schartenmauerwird weich von diesem Martern-Schauer,und ohne alles w ste Mordenzieht dann der Sieger durch die Pforten!S. 14 Gro ist der Anteil der Musikin unserer Bibel letztem St ck,der Offenbarung des Johannes,eines musikverst nd gen liest da fast auf jeder Seitevon Engelhymnen, Siegsgel ute,von Totentrommeln, Gerichtsposaunenund, was gewisslich zum Erstaunen,von ltesten, die sich mit Harfenvoll Demut auf die Knie warfen.(Dies letzt're steht, genau und sch nKapitel 5, Vers 8 bis 10.)Die ltesten, die Harfe spielen,sind M nner, die mir wohl gefielen,und es erscheint mir sehr betr blich,dass dieses nur im Himmel sind zumeist die ltestenbetreffs Musik die K ltesten,und manchem, sonst im Wort so t chtig,ist hier der Wortlaut gar nicht wichtig!"Wer hier nicht e i n e Harfe ehrt,ist dort nicht vierundzwanzig wert!

10 "Dies Sprichwort wird in Gottes Zeltenf r alle Kunstver chter gelten! - - -S. 15 Lernt man Geschichte von der Pike,so f ngt man an mit der gro en, weiten Welttheaterwar immer Zeus, der G ttervater,eine der ulkigsten wandelte auf Liebesspurenin jeder m glichen Gestalt:Bald kam er jung, bald kam er alt,er kam als Stier, als Bock, als Schwan,als Gold und Blitz und Wolke e i n e s hat ihn sehr verdrossen:dass er nicht Unterricht genossenin der Musik! Denn wenn wir sagen:Zum M nnerherz geht's durch den Magen,so geht's erst recht - das ist kein Scherz - nur durch Musik zum Frauenherz!Zeus spielte nur - und zwar blo dienstlich - die Donnerpauke, nicht sehr k 16 Als dieserart bei seinem Flirteer Mangel an Kultur versp rte,sprach er: "Auf, lasst uns T chter zeugen,die tanzen, dichten, singen, geigen!"So hatt' er bald, zwecks besserem Schmusen,neun T chter, die man nennt die Musen:von der Trag die bis zum Tanzef r jeden Kunstzweig eine Pflanze!


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