Transcription of Predigt über 1.Kor 6,9-14.18-20, 8. Sonntag nach ...
1 Predigt ber 6, , 8. Sonntag nach Trinitatis ( ), Dattingen Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Liebe Schwestern und Br der! Macht mir keine Schande! Mit diesen Worten hat sich in der Spielszene der Konfirmandinnen und Konfirmanden am letzten Sonntag das Schaf Luis von seinen Kolleginnen und Kollegen verabschiedet. Und nat rlich war da ein kleines Augenzwinkern dabei. Macht mir keine Schande! das k nnte auch die berschrift ber den Predigttext f r heute sein. Paulus allerdings ist Humor eher fremd.
2 Ich lese aus dem 6. Kap. des 1. Korintherbriefes: Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irref hren! Weder Unz chtige noch G tzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabensch nder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, L sterer oder R uber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes. Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.
3 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichte machen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft. ( ). Flieht die Hurerei! Alle S nden, die der Mensch tut, bleiben au erhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der s ndigt am eigenen Leibe. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst geh rt? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.
4 Na prima! wird man sich denken. So ein Text, so richtig passend zum Beginn der Ferien. Aber vielleicht sollte das vielleicht ja eine Art Leitfaden sein. Zum Beispiel f r die Urlaubsreisenden. So wie man's nicht machen soll. Da ist von Knabensch ndern und Lustknaben die Rede. Nebenbei bemerkt: Um Homosexualit t geht s da nicht wirklich, sondern darum, dass Kinder missbraucht werden. Also das, was modern Sextourismus oder Kinderpornographie ist. Dass das verwerflich ist, da sind wir uns sicher alle einig. 1. Aber es gibt ja auch noch andere Dinge, die da aufgez hlt werden. Vielleicht ist das ja auch ein Leitfaden f rs Winzerfest.
5 Trunkenbolde werden das Reich Gottes nicht ererben. Ich habe jetzt noch keine Pegelst nde aus der Bar von gestern Abend geh rt, aber ich k nnte mir vorstellen, dass beim Thema Alkoholkonsum die Einigkeit schon gar nicht mehr so gro . ist. So k nnte man Schritt f r Schritt diese Aufz hlung durchgehen. Alles erl utern, was gemeint ist, und sagen: So sollt ihr es nicht machen! Aber die Rolle des Moralapostels steht mir nicht besonders gut. Und eine solche Art der Pre- digt ginge auch am Predigttext vorbei. Dann w rde ich n mlich jeden einzelnen Baum wun- derbar beschreiben aber den Wald aus dem Blick verlieren.
6 Das, was da aufgez hlt wird, ist ein sogenannter Lasterkatalog. Davon gibt es jede Menge in den Briefen des Paulus und auch sonst in der Bibel und in der Antike. Und da geht es gar nicht so sehr um die einzelnen Dinge, die aufgez hlt werden, sondern um das, was der Apostel eigentlich sagen m chte. Um das zu verstehen, ist es n tig, den ganzen Text in den Blick zu bekommen. Das ist in diesem Fall nicht ganz einfach, weil der Predigttext komisch ausgeschnitten ist. Der erste Abschnitt geh rt eigentlich noch zu den vorangehenden Versen, denn er begr ndet, was da gesagt wird. Der zweite Abschnitt schneidet ein neues Thema an und in dessen Mitte ist dann auch noch ein Loch ausgeschnitten.
7 Aber es geht trotzdem. Denn in beiden Abschnitten wird der gleiche Grundgedanke auf zwei verschiedene Arten und Weisen ausgedr ckt. Es geht um den Zusammenhang zwischen dem Zuspruch Gottes und seinem Anspruch an uns. Der Zuspruch vom ersten Mal hei t: Ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden . Da klingt die Taufe mit an. Das ist bereits so. Und der Anspruch hei t: Wenn euch das alles geschenkt ist, dann sind be- stimmte Verhaltensweisen eben ausgeschlossen. Die sind unvereinbar damit. Anders gesagt: Gott befreit euch von dem Zwang Laster zu tun.
8 Der Zuspruch im zweiten Abschnitt hei t: Ihr seid teuer erkauft. Euer Leib ist ein Tempel f r den Heiligen Geist. Ihr werdet Anteil an der Auferstehung bekommen. Also verhaltet euch auch danach. Paulus nimmt Bezug auf zwei Missverst ndnisse dar ber, wie das christliche Leben auszusehen habe, die es im Korinth gab. Die einen meinten, auch nach Christus m ssten sie jeden Buchstaben des Gesetzes, jedes einzelnen Gesetzes, bis aufs i-T pfelchen einhalten. Die Gesetzlichen. Und die anderen meinten genau das Gegenteil. Sie k nnten sich jede sexuelle Perversion erlauben, k nnten alles tun und das w re genau ein Zeichen daf r, dass sie frei seien.
9 Ein Zeichen f r ihre evangelische Freiheit. Paulus setzt dagegen: Alles ist mir erlaubt . In der Tat: Wir sind befreit, wir m ssen nicht mehr gesetzlich sein. Aber nicht alles dient zum Guten. Wir sind nicht davon befreit, uns Gedanken zu machen, welches Verhalten gut und richtig ist. Worum es Paulus in diesem Abschnitt geht, ist der Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung. Und damit ist dieser Text, der beim ersten H ren so angestaubt klingt, ein sehr moderner Text. Weil in Korinth diejenigen die Tonangebenden waren, die die falsch verstandene Freiheit auszuleben meinten, deshalb liegt der Schwerpunkt dieses Textes auf der Verantwortung.
10 2. Im ersten Abschnitt geht es um die Verantwortung f r andere Menschen. Die Verhaltensweisen, die da in diesem Lasterkatalog aufgez hlt werden, sind berwiegend solche, die anderen Menschen schaden. Die Maxime Schade anderen Menschen nicht! die werden wohl wieder alle gut unterschreiben k nnen. Auch wenn es im Detail manchmal schwierig ist, wie das denn konkret aussieht, und noch schwieriger ist, das dann tats chlich auch umzusetzen. Aber der Grundsatz Schade niemandem! das ist fast ein Allgemeinplatz geworden. Google hat sich das Motto gegeben: Don't be evil . Im zweiten Abschnitt geht es dann um die Verantwortung f r sich selbst.