Transcription of Stilles Örtchen Plumpsklo, Abort,
1 Plumpsklo, Abort, Stilles rtchen :a Plumpsklo, Abort, Stilles rtchen Mila Schrader anderweit EDITION : Impressum Inhalt 2003. Edition :anderweit Verlag GmbH 6 Zum Geleit Hinter den H fen 7. D 29556 Suderburg-H sseringen 9 Die Not mit der Notdurft: Hygiene und Sanit rtechnik im R ckblick e-mail 9 Der t gliche Umgang mit dem Notwendigen Das Werk einschlie lich aller sei- 23 Sanit rtechnik in alten Hochkulturen: ner Teile ist urheberrechtlich Vom Zweistromland und gypten bis zum Indus gesch tzt. Jede Verwendung au er- 26 Sanit rtechnik in der griechischen und r mischen halb der engen Grenzen des Urhe- Antike: Vasen und Cloaca Maxima berrechtsgesetzes ist ohne Zustim- 31 Sanit rtechnik vom Mittelalter bis heute: mung des Verlages unzul ssig und Vom Heymelich Gemach zum Wasserklosett strafbar. Das gilt insbesondere f r die Vervielf ltigungen, bersetzun- gen, Mikroverfilmungen und die 47 Nachtgeschirr, Plumpsklo und WC: Einspeicherung und Verarbeitung Standort, Bauweise und Entsorgung in elektronischen Systemen.
2 47 Wo geht's denn hier zum Klo: Lektorat Drinnen oder Drau en? Julia Schrader 54 Das Plumpsklo: Herz, Brille, Eimer, Grube? 62 Das Wasserklosett: Komfort im Haus Gestaltung Kommunikationskontor_D sseldorf 65 Das Klo im ffentlichen Raum: Station r oder mobil? Satz DTP Apple Macintosh 70 Plumpsklos heute: Relikte fr herer Alltagskultur oder kologische Alternative? Lithografie Edition :anderweit Verlag, 70 Plumpsklos heute: Relikte fr herer Alltagskultur Suderburg-H sseringen 72 Das Kompostklo: Ein kologischer Ansatz Druck und buchbinderische 74 R ckblick und Ausklang: Klo und So Verarbeitung Bosch Druck GmbH, Cover: B uerliches Plumpsklo in 76 Anhang: Literatur und Adressen Landshut-Ergolding Mecklenburg-Vorpommern 76 Plumpsklo-Vokabular Printed in Germany Frontispiz: Translozierter 77 Literatur Doppelsitzer des Br mmerhofes, 79 Bildnachweis ISBN 3-931824-25-X Museumsdorf H sseringen Zum Geleit Dieser f nfte Band in der Reihe Historische Bauvielfalt im Detail.
3 Widmet sich all jenen Hilfsmitteln und baulichen Konstruktionen, die im Verlauf der Menschheitsgeschichte entwickelt und ge- nutzt wurden, um der Notdurft des Leibes, die tagt glich ihr Recht verlangt, einfacher, komfortabler, am santer, diskreter, ge- selliger, hygienischer, kurzum, den jeweiligen Umst nden ent- sprechend gerecht zu werden. Die Auswahl der Bezeichnungen auf dem Titel Plumpsklo, Abort, Stilles rtchen ist nur ein klei- ner Ausschnitt aus der Vielzahl der Namen, die es f r diese Bau- lichkeiten und Ger tschaften der Alltagskultur gibt. In diesem Zusammenhang habe ich mehr als 220 Bezeichnungen im An- hang zusammengetragen, die diesen f r viele peinlichen und un- aussprechlichen Ort und die damit zusammenh ngengenden Einrichtungen und Verrichtungen beschreiben. Es gibt zu diesem Thema mehr kulturgeschichtliche, volks- und heimatkundliche, wissenschaftliche, literarische und kolo- gische Ver ffentlichungen als man spontan glauben m chte.
4 Stets haben die Intimit t des Vorgangs einerseits und die Unausweich- lichkeit und Notwendigkeit der Verrichtung andererseits Litera- ten, Journalisten, Architekten, Baumeister, rzte und andere Wissenschaftler herausgefordert, einige der anstehenden Fragen zu beantworten und die daraus resultierenden Probleme durch bauliche Konstruktionen in den Griff zu bekommen. Ist die Erfin- dung des Wasserklosetts wirklich die des Engl nders Sir John Harrington im 16. Jahrhundert? Gab es nicht schon bei antiken Hochkulturen Hygienekonzepte, die sanit rtechnische und mo- derne Komfortl sungen vorweggenommen haben? Wie sah das Plumpsklo mit Herz wirklich aus? Das H uschen rechts aus H sseringen war zur Bauzeit 1911 mit seiner Grube sehr modern. Dieses und vieles mehr ist Thema der folgenden Ausf hrungen. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit f r diesen R ckblick und ver- gessen Sie Ihre Vorbehalte, sofern Sie solche besitzen.
5 Ein Leit- spruch der R mer kann Ihnen dabei behilflich sein: Nat rliche Dinge sind nicht unanst ndig . Mila Schrader, Suderburg-H sseringen, im M rz 2003. 6 |. Die Not mit der Notdurft: Hygiene und Sanit rtechnik im R ckblick F r viele geh rt das Thema Essen und Trinken zum Sch nsten und Wichtigsten im Leben, und die Zahl der Kochb cher und Getr nkef hrer f r Genie er ist heute gro . Beides sind kulturel- ler Genuss in ihrer h chsten Vollendung und mehr als nur reine Nahrungsaufnahme. Dies wird durch blumige Wortsch pfun- gen, durch zauberhafte Textkompositionen und durch exquisite Fotos in opulenten Bildb nden dokumentiert. Doch wie steht es mit dem, was man kurz als Verdauung und Ausscheidung bezeichnet? Badezimmer sind heute keine kargen rtlichkeiten mehr, sondern Oasen der Entspannung und des Wohngef hls.
6 Wenn man Bildb nde ber B der durchbl ttert, so entdeckt man, dass in ihnen das Bauelement Toilette oder das Urinal nur h chst selten abgebildet werden. Im Mittelpunkt ste- hen Badewanne modern oder mit L wentatzen und Wasch- becken mit vielf ltigen Armaturen, strahlende und gl nzende W nde und B den aus Fliesen, Naturstein oder auch aus nostal- gisch patiniertem Holz und eine F lle von innenarchitektoni- schen Details zur Aufbewahrung und als Stauraum. F r die Toilette ist optisch kein Platz mehr. Mit dem Rauschen der Was- sersp lung werden heute die Exkremente der Anonymit t preis- gegeben. Schamgef hle verbieten ein geselliges Beisammensein es ist peinlich, dar ber ffentlich zu sprechen und heikel bis l cherlich, wenn man dieses Thema diskutieren m chte. Der folgende Gang durch die Kulturgeschichte der Hygiene und Sa- nit rtechnik wird zeigen, dass dies nicht immer so war.
7 Der t gliche Umgang mit dem Notwendigen Es geh rt zu den Naturgesetzen, dass Mensch und Tier die Re- ste der Nahrung, die vom K rper nicht mehr verwertet werden k nnen, ausscheiden. Diese t glichen Verrichtungen sind eine Notwendigkeit, der sich niemand entziehen kann. Die Fachspra- che bezeichnet dies als Def zieren und Urinieren, die umgangs- Verfallenes b uerliches Plumpsklo, Idylle von Jauche, Mist und Tieren, bei dem die Ger che dieser rtlichkeit ohne Phantasie nachvollziehbar sind. | 9. sprachlichen Begriffe sind hinl nglich bekannt. Die Summe der den Hof hinunter. Goethe fragte: Dove? Und er antwortete: Da Ausscheidungen sind F kalien, die sich aus Kot aus dem Darm per tutto, dove vuol , also berall, wo ich wolle. Etwas anders for- und Urin aus der Blase zusammensetzen. Die Probleme, die als mulieren es die Mecklenburger.
8 Hier kennt man noch heute die Folge der Verdauung entstehen, sind vielf ltig. Zu ihnen geh ren Redensart. Ick b n gliks werrer dor, ick will bloots eis na dei Pier ki- die Themen des Wo und Wie ebenso wie die nach der Entsor- ken. (Bin gleich wieder da, muss nur zum Pier schauen.) Die Ent- gung, die sich auf die schlichte Frage reduziert: Wohin so schnell sorgung in der Natur war jahrhundertelang Normalit t, und dies wie m glich mit dem Dreck? war so lange kein Problem, wie es sich um kleine Mengen han- All diese Fragen beantwortet die Geschichte des Klosetts, in delte. Wenn aber Mensch und Tier auf engem Raum gemeinsam deren Mittelpunkt jahrhundertelang das Plumpsklo stand, ein lebten, wenn Wohnr ume und Gewerbe nebeneinander lagen, Trockenklo ohne Anschluss an Wasserleitung und Kanalisation, wenn es weder Wasserleitungen noch Abwasserkan le gab und bevor es zumindestens in unseren Zivilisationen von dem aller M ll mangels anderer L sungen einfach auf die Stra en ge- Klosett mit Wassersp lung verdr ngt wurde.
9 Kippt wurde, dann wurde Unrat zum Problem. Wenn man heute die Situation in den mittelalterlichen Die Notdurft: Gestank und Unrat Die Peinlichkeit der Ausschei- St dten realistisch beurteilen will, so muss man wissen, dass dung sind neben der Ger uschkulisse vornehmlich der Gestank der Gestank allgegenw rtig war. Die Abwasser- und Abfallproble- und die Entsorgung der berreste. ber erstere konnte Martin me gingen in der vorindustriel- Luther noch derbe Witze machen: Warum r lpset und furzet Ihr len Zeit von den einzelnen nicht? Hat es Euch nicht geschmecket? Heute hilft in vornehmen Haushalten, von dem Gewerbe rtlichkeiten eine dezente Musikkulisse aus dem Lautsprecher. und von der Landwirtschaft Wesentlich bedeutsamer sind jedoch die Ausd nstungen, die aus, die in den St dten bunt unser Sinnesorgan Nase wahrnimmt und die allgemein als Ge- gemischt nebeneinander ange- stank bezeichnet werden.
10 Auch hier hatte Martin Luther das siedelt waren. Jeder erduldete rechte Wort: Schmeckt's gut in der K che, schmeckt's um so bler den Gestank seiner eigenen im Abtritt. Jauchegrube und die seines Doch wie stellt man's an? Als die Erfindung des Wasserklo- Nachbarn ebenso wie den setts noch in weiter Ferne stand, blieb den Menschen nur das L rm, die Ger che, den Rauch Loch in der Erde. Wie die reinlichen Katzen bedeckten sie ihren und den Schmutz von Hand- Kot mit Erde oder Buschwerk, danach tat die Natur ihr briges. werkern und Gewerbetreiben- hnlich formuliert es das Alte Testament (Moses 5, Vers 23): den. Die Tiere wurden auf der Und du sollst drau en vor dem Lager einen Ort haben, wohin du Stra e geschlachtet oder ver- zur Not hinausgehst. Und sollst eine Schaufel haben; und wenn du endeten dort, die Nachtt pfe gesessen hast, sollst du zuscharren, was von dir gegangen ist.