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1. Spielentwicklung

Praxis der Motop die - Soziomotorik Spielentwicklung Manfred Bechstein 5 1. Spielentwicklung Im Spiel wird das Spiel gespielt und nicht mit den Menschen gespielt. F r das Spiel braucht das Kind keinen Lehrer, keine Unterweisung (Largo 1993) Allgemein Die menschliche Entwicklung ist eine Beziehungsentwicklung. So ist der kindliche Reifungsprozess der Pers nlichkeit immer im Zusammenhang mit den sozialen Bez gen zu sehen, in denen sich die Person befindet. Die Menschwerdung dr ckt sich in dem Verlangen aus, mit anderen Menschen das eigene Lernen zu entwickeln und Menschen f r das eigene Lernen zu nutzen. Kinder entwickeln sich in ihrer sozialen Umgebung nicht durch gezielte Erziehungsma nahmen oder ein bestimmtes Training, sondern vielmehr durch ihre eigenen Erfahrungen, die sie in ihrem Umfeld und vor allem im Zusammenleben mit anderen machen.

Praxis der Motopädie - Soziomotorik Spielentwicklung Manfred Bechstein 8 Dieses direkte, funktionelle Funktionsspiel wird aufgebaut über die Nachahmung. Bezugspersonen haben hier eine große Bedeutung. Der Umgang mit Gegenständen fördert auf der motorischen Ebene die Entwicklung des Greifens.

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1 Praxis der Motop die - Soziomotorik Spielentwicklung Manfred Bechstein 5 1. Spielentwicklung Im Spiel wird das Spiel gespielt und nicht mit den Menschen gespielt. F r das Spiel braucht das Kind keinen Lehrer, keine Unterweisung (Largo 1993) Allgemein Die menschliche Entwicklung ist eine Beziehungsentwicklung. So ist der kindliche Reifungsprozess der Pers nlichkeit immer im Zusammenhang mit den sozialen Bez gen zu sehen, in denen sich die Person befindet. Die Menschwerdung dr ckt sich in dem Verlangen aus, mit anderen Menschen das eigene Lernen zu entwickeln und Menschen f r das eigene Lernen zu nutzen. Kinder entwickeln sich in ihrer sozialen Umgebung nicht durch gezielte Erziehungsma nahmen oder ein bestimmtes Training, sondern vielmehr durch ihre eigenen Erfahrungen, die sie in ihrem Umfeld und vor allem im Zusammenleben mit anderen machen.

2 In verschiedenen Lebenssituationen lernen sie im Umgang mit anderen Kindern und /oder Erwachsenen sich zu streiten und wieder zu vers hnen, Kompromisse zu schlie en, zu teilen, sich unterzuordnen oder sich gezielt durchzusetzen und auch, sich gegenseitig abzulehnen und zu akzeptieren. Das Spiel als Medium der Sozialentwicklung Das Kind hat ein genuines Interesse am Spiel, es handelt aus einem inneren Bed rfnis heraus, im zweckfreien Spielen seine Lebenswelten zu begreifen, zu ordnen und zu lernen sich selbst in diesen Welten zu kalibrieren. Das Spiel ist eine soziale Aktivit t die Partner zun chst die Erwachsenen, dann zunehmend Gleichaltrige bzw. ltere sind. Im Spielen wird das eigene Potential in Denken, F hlen und Handeln zum Ausdruck gebracht. ber Versuch und Irrtum werden Lernerfahrungen erm glicht und hierbei aus Fehlern Konsequenzen gezogen und darauf aufbauend, mutig neue Herausforderungen angenommen.

3 Das vorhandene Repertoire wird so erweitert und zur Anwendung gebracht. Unbeobachtet von den Reglementierungen der Erwachsenenwelt werden eigene Handlungsspielr ume kennengelernt und erweitert. Das Kind tritt im Spiel der Ohnmacht entgegen, an vielen kulturellen und technischen Handlungswelten der Erwachsenen nicht teilhaben zu k nnen. Real erfahrene Situationen aus der Lebenswelt werden nachgespielt und kognitiv-emotional verarbeitet. So er ffnen sich Kinder im Spielen eine Art fiktive Welt, in der sie so tun als ob , um sich die Erwachsenenwelt n her zu bringen. Bedrohliche Konfliktsituationen k nnen durchlebt, Regeln und Grenzen berschritten, Personen imitiert und reale Situationen nachgespielt werden. Im Spiel ist alles denkbar und umsetzbar. Das Lernen im Spiel verl uft st rungsfrei.

4 Es ist abgekoppelt von realen Lebensereignissen. St renden Einfl sse durch andere Individuum-Umwelt Systeme kommen nicht zu Geltung. Die Spielhandlungen besitzen sinnstiftende Aktivit ten, die aus der Haltung des Individuums gegen ber der Umwelt resultieren; Kinder entfalten ihre sozialen Erfahrungen und Erlebnisse im selbst gew hlten, eigenst ndigen, kreativen Spielhandeln. Sie entscheiden, wo, mit wem und was sie spielen wollen, sie bestimmen, wie lange und wie intensiv das Spiel gespielt wird. In ihrer fiktiven Spielwelt erleben sie sich als autonom und bestimmen den Spielablauf. Sie m ssen sich mit ihren Spielpartnern auseinander setzen, sich durchsetzen oder nachgeben. Im gemeinsamen Spiel treten die Kinder miteinander in Kontakt, sie kommunizieren untereinander. Das gemeinsame Spielen erleichtert es, neue Kontakte zu kn pfen, Kinder kennen zu lernen und sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen.

5 Das dem Spiel zugrunde liegende Menschenbild betrachtet das Kind als singul res Individuum, das Kompetenz, Selbst ndigkeit und Kreativit t durch eigenst ndiges Spielhandeln erwirbt. Ziele, Bedeutung Spielhandlungen erm glichen die unmittelbare Befriedigung der Bed rfnisse und die unverz gerte Wunscherf llung; das relativ problemlose Erreichen von Zielen; Praxis der Motop die - Soziomotorik Spielentwicklung Manfred Bechstein 6 stellvertretend die Verwirklichung von entfernt liegenden Zielen; die Freisetzung der puren Lust am eigenen Wissen und dessen Umsetzung; die Erholung, Entlastung und das Sammeln neuer Kr fte. die Entwicklung von Selbstst ndigkeit und Autonomie; die Reduzierung von ngsten und die Darstellung von realen bedrohlichen Konfliktsituationen; das gefahrlose berschreiten von Grenzen; das Bluffen; die Kontrolle ber Vorg nge in der Umwelt, die in Spielhandlungen imitiert werden; die Erarbeitung von Strategien f r Probleml sungen; Lernerfahrungen, die auf die sp tere Arbeit in der Erwachsenenwelt mit den Handlungselementen Planung, Vorbereitung, Ausf hrung, Bewertung, Neugestaltung vorbereiten.

6 Entwicklung der Spielhandlungen Die Spieldauer w hrend der Wachphase im ersten Lebensjahr nimmt sprunghaft zu: 3. bis 4. Monat ca. 9 %, 7. bis 8. Monat ca. 51%, 11. bis 12. Monat ca. 75 %. Die Spielhandlungen erm glichen die Entwicklung der kognitiven Prozesse und entfalten sich nach Piaget auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen Funktionelles Spiel Sich der Welt n hern Sich selbst und die Dinge greifen und ber hren Sich wahrnehmen in der Welt Der Schwerpunkt der Spielhandlung liegt im ersten und Beginn des zweiten Lebensjahres. Spiel mit den H nden1 Alter in Monaten Hand-Mund-Koordination Hand-Auge-Koordination Hand-Hand-Koordination Beidh ndiges Greifen Beginn in Schwangerschaft Ab 2-3 Monate Ab 3-4 Monate Ab 5-6 Monate Die fr heste Form der Spielhandlung wird auch Funktionsspiel ( bungsspiele) genannt. Das nicht zielgerichtete, zuf llige Ber hren von sich selbst und Greifen nach den Dingen hat die Funktion, sich wahrzunehmen, die Sinne zu verfeinern, die K rpermotorik zu differenzieren und weiterzuentwickeln, als Basis f r die Entwicklung des Denkens, des Prinzips von Ursache-Wirkungs-Zusammenh ngen zu dienen.

7 Kinder beginnen bereits als S uglinge zu spielen und erforschen lustbetont und mit Freude die Funktionen einfacher Bewegungen. Nachahmung: Imitierung von einfachen Mundstellungen, in den Folgemonaten Annahme und Wiederholung von mimischen und k rperlichen Ausdrucksformen von Eltern und Geschwistern Ende des ersten Lebensjahres, Nachahmung von einfachen Handlungen. Die Bewegungen richten sich zun chst auf die eigenen K rperteile Gegenst nde , dann zunehmend auf Gegenst nde aus der Umwelt, mit zun chst wenigen Objekten wie der Rassel, mit Verwendung auf den eigenen K rper bezogen. Mit dem entdeckenden oralen, manuellen und visuellen Erkundungsverhalten ab dem f nften Monat erf hrt das Kind die Festigkeit, Schwere, Gr e, Oberfl chenbeschaffenheit, Farben, Formen, den Klang und Geschmack von Gegenst nden. Der Lernprozess des Unterscheidens gewinnt an Bedeutung.

8 Das Orale Erkunden erfolgt durch Ber hren mit den Lippen und Abtasten mit der Zunge ab dem f nften Monat. Gegenst nde werden in ihrer Festigkeit, Oberfl chenbeschaffenheit, ihrem Klang und Geschmack 1 entnommen: LEYENDECKER, Christoph: Motorische Behinderungen. Grundlagen, Zusammenh nge und F rderungsm glichkeiten. Stuttgart 2005. S. 228 Praxis der Motop die - Soziomotorik Spielentwicklung Manfred Bechstein 7 erfahren. Nach dem neunten Monat wird das orale Erkunden seltener und nimmt nach dem 18. Monat rapide ab. Beim manuellen Erkunden bewegt das Kind den Gegenstand in der Luft hin und her, schl gt ihn auf die Unterlage oder gegen einen anderen Gegentand, reibt ihn auf der Unterlage oder wirf ihn auf den Boden.

9 Dieses Spielverhalten nimmt nach dem 15. Lebensmonat ab. Das visuelle Erkunden begrenzt sich vor dem achten oder neunten Lebensmonat darauf, mit den Augen einen Gegenstand zu lokalisieren und die Hand zum Gegenstand zu f hren. Der Gegenstand wird dann nur fl chtig angeschaut. Mit neun bis zw lf Monaten setzt ein intensives visuelles Erkunden ein, in dem Gegenst nde in ihren Formen und Farben erkannt werden. Durch ein intensives Wenden des Gegenstandes nach allen Seiten wird der Gegenstand betrachtet sowie mit dem Zeigefinger betastet. Dieses Spielverhalten klingt im Verlaufe des zweiten Lebensjahres etwas ab, ist in den folgenden Jahren jedoch das dominierende Explorationsverhalten. Hierzu das Beispiel eines zehn Monate alten Kindes: L ffel wird in den Mund genommen, betrachtet, auf den Tisch geschlagen, wieder in den Mund nehmen und auf den Boden geworfen.

10 Ab dem 6. Lebensmonat spielt der S ugling gezielt mit Gegenst nden und nutzt die zunehmenden K rperfunktionen des Krabbelns, Robbens, Rutschens etc. In den Funktionsspielen werden die Koordination der K rpermotorik ge bt und verbessert sowie die T tigkeit der Sinnesorgane verfeinert. Die Spielhandlungen zeichnen sich durch fortw hrende Wiederholungen und Variationen aus. Die hierdurch gewonnenen Erkenntnisse sind an die unmittelbar wahrgenommenen Situationen gebunden. Die Funktionsspiele sind die Basis f r die Entstehung der F higkeit zum anschaulichen Denken und der Denkstruktur von Ursache-Wirkungs-Zusammenh ngen. Die Funktions- beziehungsweise bungsspiele werden bis ins Erwachsenenalter gezeigt. Praxisangebote Mit den H nden das Gesicht erkunden. Unterschiedliche T cher (Stoff, Chiffon) ausw hlen und diese mit den H nden greifen, fassen, kn ulen, ber die Gesichtshaut und andere K rperstellen streifen.


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