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48 - gesis.org

Form der Kinderbetreuung stark sozial selektivEin europ ischer Vergleich der Betreuung von unter 3-j hrigen KindernEuropaweit wird der Betreuungssituation von Kleinkindern verst rkt Bedeutung zugemessen, zum einen im Hinblick auf die Integration von M ttern in das Erwerbsleben, zum anderen im Hinblick auf das Wohlergehen der Kinder im Sinne ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung wie auch sozialen Integration. Die gesellschaftspolitische Relevanz der Kin-derbetreuung kommt in den vom Europ ischen Rat im Jahr 2002 in Barcelona formulierten Zielen zum Ausdruck, mit denen die EU-Staaten aufgefordert werden, nach Ma gabe der Nachfrage nach Kinderbetreuungseinrichtungen und im Einklang mit den einzelstaatlichen Vorgaben (..) bis 2010 f r mindestens 90% der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und f r mindestens 33% der Kinder unter drei Jahren Betreuungspl tze zur Verf gung zu stellen (KOM (2008) 638: 2).

Form der Kinderbetreuung stark sozial selektiv Ein europäischer Vergleich der Betreuung von unter 3-jährigen Kindern Europaweit wird der Betreuungssituation von Kleinkindern …

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1 Form der Kinderbetreuung stark sozial selektivEin europ ischer Vergleich der Betreuung von unter 3-j hrigen KindernEuropaweit wird der Betreuungssituation von Kleinkindern verst rkt Bedeutung zugemessen, zum einen im Hinblick auf die Integration von M ttern in das Erwerbsleben, zum anderen im Hinblick auf das Wohlergehen der Kinder im Sinne ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung wie auch sozialen Integration. Die gesellschaftspolitische Relevanz der Kin-derbetreuung kommt in den vom Europ ischen Rat im Jahr 2002 in Barcelona formulierten Zielen zum Ausdruck, mit denen die EU-Staaten aufgefordert werden, nach Ma gabe der Nachfrage nach Kinderbetreuungseinrichtungen und im Einklang mit den einzelstaatlichen Vorgaben (..) bis 2010 f r mindestens 90% der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und f r mindestens 33% der Kinder unter drei Jahren Betreuungspl tze zur Verf gung zu stellen (KOM (2008) 638: 2).

2 W hrend das Betreuungsangebot f r Kin-der zwischen drei und sechs Jahren in den meisten europ ischen L ndern zwischenzeitlich relativ gut ausgebaut ist, variiert das Angebot f r die unter 3-j hrigen Kinder zwischen den L ndern erheblich. Die Ursachen hierf r liegen sowohl in den finanziellen Rahmen-bedingungen als auch der jeweils nationalen familienpolitischen Ausrichtung. Wird die Betreuung von Kleinkindern als eine origin re Aufgabe der Familie gesehen, sind die familienpolitischen Leistungen vorwiegend auf die Unterst tzung der Betreuung durch die Eltern ausgerichtet, sei es in Form einer ausgedehnten Freistellung erwerbst tiger Eltern und/oder in Form von finanziellen Beihilfen. SozialberichterstattungGesellschaftliche TrendsAktuelle InformationenEine PublikationISI48 InhaltForm der Kinderbetreuung starksozial selektiv 1 Nicht einmal jeder Dritteempfindet soziale Unterschiedein Deutschland als gerecht 6 Unsicherheit des Arbeitsplatzesmindert Arbeitszufriedenheitbesonders in Deutschland 11 European Conference onMeasuring Well-Being andFostering the Progress ofSocieties 167.

3 Konferenz Social Monitoringand Reporting in Europe 16 Ausgabe 48 Juli 2012 Informationsdienst Soziale IndikatorenIm vorliegenden Beitrag wird skizziert wie die Betreuungsform der unter 3-j hrigen Kinder in Abh ngigkeit von der Erwerbst tigkeit, dem Bildungsabschluss und dem Armutsrisiko der Mutter variiert und inwieweit hier charakteris-tische, l nder bergreifende Muster erkennbar sind. Als Datenbasis dient die Erhebung ber Einkommen und Lebensbedingungen der Haushalte in der europ ischen Union (EU-SILC 2009)1. EU-SILC wird seit 2004 j hrlich erhoben. Gegenw rtig nehmen neben den 27 EU-Staaten auch Norwegen, Island, die T rkei und die Schweiz teil. Im Fokus von EU-SILC stehen Haushalte und die darin lebenden Per-sonen ab 16 Jahren. F r im Haushalt lebende Kinder unter 13 Jahren wird die Betreuungssi-tuation2 erfragt.

4 Erhoben werden die jeweiligen Typen der Betreuung und ihr Umfang (in Stun-den pro Woche). Im Einzelnen wird zwischen sechs Betreuungstypen unterschieden, wobei die konkrete l nderspezifische Umsetzung im Detail variieren kann: (1) Vorschulen oder quivalent; (2) Pflichtschulen; (3) Betreu-ungseinrichtungen au erhalb des Unterrichts; (4) Kindertagesst tten, Krippen, Kinderg rten oder quivalent; (5) Betreuung durch nicht institutionell eingebundene Personen (z. B. Tagesmutter, Au-Pair)3; (6) Betreuung durch Gro eltern, andere Haushaltsmitglieder (au- er Eltern), Verwandte, Freunde etc. Eine differenzierte Ausweisung dieser sechs Typen ist aufgrund der geringen Fallzahlen nicht m glich. Im Weiteren wird daher maximal zwischen folgenden Betreuungsarrangements differenziert: I. Institutionelle Betreuung: Diese umfasst die Typen (1)-(4).

5 II. Private Betreuung: Hierunter f llt die bezahlte oder unbezahlte informelle Unterst tzung (5)-(6). III. Nur elterliche Betreuung, d. h. es werden weder institutionelle noch externe private Be-treuungsformen genutzt. Verk rzt umschreiben wir die exklusiv elterliche Betreuung im Text auch als betreut selbst . Wenngleich wir hier nur M tter betrachten, bezieht sich diese For-mulierung auch auf V ter. Um Doppelz hlun-gen zu vermeiden, werden des Weiteren Kinder, Seite 2 ISI 48 - Juli 2012die sowohl institutionell (I) als auch privat (II) betreut werden, nur unter der institutionellen Betreuung die Analysen werden alle Frauen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren einbezogen, deren j ngstes Kind j nger als 3 Jahre ist. Betrach-tet wird nur die Betreuungssituation dieses j ngsten Kindes4. Mit insgesamt F llen stellen Frauen mit unter 3-j hrigen Kindern eine sehr kleine Population dar, zugleich sind die drei Betreuungsarrangements l nderspezi-fisch zum Teil sehr schief verteilt.

6 Jede weitere Differenzierung f hrt rasch zu Zellbesetzun-gen unterhalb der gerade noch akzeptablen Schwelle von 20 F llen. Deshalb werden bei der Betrachtung der m tterlichen Einflussfak-toren Bildungsabschluss und Armutsrisiko die institutionellen und privaten Betreuungsformen im Typ externe Betreuung die SILC-Daten aus der Schweiz und der T rkei f r die Wissenschaft bislang nicht ver-f gbar sind und die Daten aus Portugal und Malta nicht ber cksichtigt werden konnten, bezieht sich der L ndervergleich auf die ver-bleibenden 25 EU-Staaten sowie Norwegen und Island. Zudem kann bei den deutschen EU-SILC Daten nicht zwischen Ost- und Westdeutschland unterschieden werden. Mit Blick auf den hier interessierenden Sachver-halt der Kinderbetreuung schr nkt dies die Aussagekraft der deutschen Befunde erheblich ein, denn nach wie vor unterscheidet sich das Betreuungsangebot und seine Nutzung in den beiden Teilen Deutschlands deutlich (Steiber/Haas 2010; Kreyenfeld/Krapf 2010).

7 Markante Unterschiede in den Betreuungs-arrangements der j ngsten KinderBetrachtet man zun chst, wie sich die Inan-spruchnahme von institutioneller und privater Betreuung f r die unter 3-j hrigen Kinder in Europa gestaltet, zeigen sich markante Un-terschiede zwischen den L ndern (Grafik 1). Es berrascht wenig, dass die institutionelle Betreuung in L ndern mit einem gut ausge-bauten fr hkindlichen Betreuungsangebot am st rksten verbreitet ist. Hierzu z hlen D ne-mark (72%) und Schweden (61%), gefolgt von den Niederlanden (45%), Frankreich (42%), Norwegen (39%) und Island (38%). Innerhalb der nordischen L nder f llt Finnland aus dem Rahmen. hnlich wie in D nemark, Schweden und Norwegen besteht f r Kinder in Finnland sp testens ab dem ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz und zugleich eine umfangreiche Betreuungsinfra-struktur.

8 Dennoch nehmen nur 23% der M tter in Finnland institutionelle Unterst tzung f r ihr j ngstes Kind in Anspruch. Nahezu drei Viertel der M tter hingegen betreuen ihr Kind aus-schlie lich selbst, d. h. sie verzichten auf jede Form der externen Betreuung, sei es institutio-neller oder privater Art. Eine Erkl rung hierf r ist das finnische parental choice Modell. Parental choice Modelle, die es z. B. auch in D nemark, Schweden und Norwegen gibt, erm glichen es Eltern, zwischen ffentlichen Betreuungsangeboten oder privater Betreuung mit finanziellem Ausgleich zu w hlen. In Finn-land besteht im Unterschied zu den anderen L ndern jedoch nur dann Anspruch auf Be-treuungsgeld, wenn im Gegenzug kein ffentli-cher Betreuungsplatz f r das Kind beansprucht wird (Plantenga/Remery 2009). Dar ber hinaus kann dieses nationale Betreuungsgeld durch ein kommunales Betreuungsgeld aufgestockt werden, da finnische Kommunen bei Verzicht auf einen Betreuungsplatz mitunter ebenfalls finanzielle Beihilfen gew jeweils mehr als 30% nutzen auch Frauen in Spanien, im Vereinigten K nigreich (im Folgenden: UK), Luxemburg, Slowenien und Belgien berdurchschnittlich h ufig eine insti-tutionelle Betreuung f r ihr j ngstes Kind.

9 F r UK ist dieser Befund unerwartet. Denn f r das marktwirtschaftlich organisierte Betreuungs-system in UK sind nicht nur die Geb hren europaweit am h chsten, sondern die ffent-liche Bezuschussung zugleich am geringsten. Allerdings ist in UK auch die bezahlte Freistel-lung (Mutterschutz und Elternzeit) f r Frauen mit etwa 13 Wochen sehr knapp bemessen, so dass sich in der hohen Nutzung der vorhande-nen institutionellen Betreuungsm glichkeiten auch die schlichte konomische Notwendigkeit widerspiegeln kann. Allenfalls von marginaler Bedeutung ist die institutionelle Betreuung der unter 3-j hrigen Kinder in Polen, der Slowakei, Tschechien, Rum nien, sterreich, Litauen, Bulgarien und Griechenland. H chstens eine von zehn Frauen gibt an, eine Krippe oder hn-liches f r ihr j ngstes Kind zu nutzen. Gemes-sen am Anteil der privat betreuten Kleinkinder ist der tats chliche Betreuungsbedarf in den meisten dieser L nder jedoch erheblich gr er.

10 Deutlich ber die H lfte der M tter in Grie-chenland und Rum nien, sowie mehr als 30% der M tter in Tschechien, Polen und sterreich nutzen private Betreuungsm glichkeiten f r ihr j ngstes Kind. Im europ ischen Vergleich von nachgeordneter Bedeutung ist die externe Betreuung institutioneller und privater Art in Deutschland. Knapp zwei von zehn M ttern greifen f r die Betreuung des j ngsten Kindes auf formale Angebote zur ck, nur 10% neh-men private Unterst tzung in Anspruch. Sieben von zehn M ttern geben hingegen an, ihr Kind ausschlie lich selbst zu betreuen. Eine hnlich starke Dominanz der exklusiv elterlichen Be-treuung f r die unter 3-j hrigen Kinder findet sich in Finnland, Lettland, Bulgarien, Litauen, Ungarn und der Slowakei sowie etwas weniger ausgepr gt in sterreich, Irland und von zehn erwerbst tigen M ttern in Deutschland betreuen ihr j ngstes Kind ohne externe Unterst tzung Das Erwerbsverhalten von M ttern, insbeson-dere wenn die Kinder noch im Krippenalter sind, ist das Ergebnis eines vielf ltigen Ent-scheidungsprozesses.


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