Transcription of „Churer Modell“ Erfahrungsberichte
1 Das Projekt Churer Modell startete vor zwei Schuljahren mit zwei Klas-sen. Sp ter stiessen neun weitere Klassen dazu. Begleitet wird das Projekt von Arno Ulber von der PH Graub n-den. Dieser hat im Rahmen einer Evaluation sieben Klassenteams zu ihren Erfahrungen mit binnen-differenziertem Unterricht be-fragt. Wie die Antworten zeigen, erfolgte die Teilnahme am Projekt aus unter-schiedlichen Gr nden. Alle befragten Klassenteams haben sich an die definierten Vorgaben ge-halten (Umstellung des Schulzim-mers, kurze Inputs, offene Lernum-gebungen in mindestens Mathematik und Deutsch, freie Platzwahl der Sch lerinnen und Sch ler).
2 Bei der Umsetzung jedoch haben sich indi-viduelle L sungen ergeben. Was alle Klassenteams verbindet, ist der Mut, sich auf Neues einzulassen und den eigenen Unterricht zu ver n-dern. Lehrpersonen berichten ber ihre Erfahrungen mit der Binnendifferenzierung Churer Modell Erfahrungsberichte im Umgang mit der Binnendifferenzierung im Unterricht Die vorliegenden Berichte basieren auf Aussagen, die Arno Ulber zusam-men mit einer Assistentin in einst n-digen Interviews mit den Klas-senteams eingeholt, zusammen-gefasst und anonymisiert hat.
3 Die Aussagen werden in dieser Brosch re in verk rzter Form wiedergegeben, wobei darauf geachtet wurde, die Authensit t zu erhalten. Die Berichte spiegeln die Erfahrun-gen mit der Umstellung auf Bin-nendifferenzierung. Sie dokumentie-ren Erfolge, unerwartete Effekte, aber auch das Suchen und Zweifeln. Es war nicht ganz so freiwillig. Die Blockzeiten im Zusammenhang mit der Integration stellten f r uns ein Problem dar und deshalb suchten wir eine L sung. Es war schon immer ein Thema, den Unterricht so zu ge-stalten, dass alle Kinder gef rdert werden und nicht im Gleichschritt gehen.
4 Ich hatte einfach viele B cher gelesen und dachte im-mer, die Theorie sei nicht umsetzbar. W rdet ihr den Schritt nochmals machen? Ja, unbedingt. Wir hatten eine schwierige bernommen und sie war auch gross. Wir hatten uns durch das Jahr hin-durch gek mpft und es war sehr anstrengend. Reto Th ny hat uns dann eine neue Unterrichtsform vorge-schlagen und vorgestellt. Wir haben dann zugesagt und ich habe mir neue Energien erhofft. Es war eigentlich eine Notl sung, aufgrund der Hete-rogenit t der Kinder. Vorher konnte ich die Kinder nicht zum Arbeiten motivieren.
5 Mir ging es ziemlich schlecht. Ich habe mich mit meinem Problem an Reto Th ny ge-wandt und er schlug mir vor, beim Projekt mitzuma-chen. Es war ein Kaltstart. Ich brauchte die Zeit bis zu den Sommerferien, um mich daran zu gew hnen. Der Unterricht vor- und nachher ist wie Tag und Nacht. Die Kinder lernten selbstst ndig zu arbeiten und f r mich ist es eine grosse Entlastung. Es war uns ein Anliegen, mit unserem Unterricht wei-terzukommen. Es war schon immer ein Ziel, individuell auf die Kinder einzugehen. Ich habe vom Projekt geh rt und mich hat es interes-siert, da die Heterogenit t in meiner Klasse sehr gross war.
6 Meine Kollegin war zuerst etwas kritisch einge-stellt. Wir sind froh, dass wir den Schritt gewagt haben. Dabei sind wir, ohne dass wir das wollten. Wir woll-ten einfach Differenzieren . Wir hatten etwas Bedenken, wegen der vielen Arbeit. Wir wussten nicht, worauf wir uns einlassen. Wir haben Videos gesehen und wussten, dass es in der Theorie gut t nt. Wir wollten einfach das f r uns M gliche machen. Unterschiedliche Gr nde f hrten zur Umstellung des Unterrichts Ich habe viele B cher gelesen und dachte immer, die Theorie sei nicht umsetzbar.
7 Die Aussagen der einzelnen Klassenteams: Juni 2012 Seite 2 Churer Modell Erfahrungsberichte Was hat sich im Unterricht ver ndert? Die Aussagen der einzelnen Klassenteams: Die Rolle der Lehrperson hat sich ver ndert. Der bergang vom Kindergarten in die Schule hat einen Roten Faden erhalten. Die Kinder kommen mit einem Vorwissen in die Schule an welchem individuell ange-kn pft wird. Was gelingt gut? Offene Auftr ge in Mathe sind auf einem hohen binnendifferenzierten Niveau. Das gelingt gut. Im Deutschbereich ist es gelun-gen, die Eigenmotivation zu wecken.
8 Die Kinder arbeiten mit Freude und haben er-kannt, dass Lesen und Schreiben etwas Sch nes ist. Die Kinder lernen Eigenreflexion und k nnen sich gut einsch tzen. Das haben sie in einem Jahr gut gelernt. Sie k nnen zu ihren Leistungen stehen. Was hat das ausgemacht? Die pers nliche unmittelbare R ckmeldung ber das Lernen ist wichtig und gibt eine Wertsch tzung. Die Kin-der arbeiten an verschiedenen Sachen, weshalb sie auch nicht mehr so vergleichen. Gemeinschaftsbildung und soziales Lernen, geht das in eurem Unterricht unter?
9 Nein, das kommt gar nicht zu kurz. Wir fangen immer zusammen an und h ren oft gemeinsam auf. Sequen-zen im Kreis geh ren dazu. Sie k nnen auch immer zu zweit arbeiten. Voneinander lernen, miteinander lernen. Die freie Platzwahl gab eine Dynamik. Die Kinder mussten lernen so zu sprechen, dass es nicht st rt. Manchmal hatte ich das Gef hl, nicht allen Kindern ge-nug F rderung zu bieten. Gesamthaft erlebe ich es aber positiv und weniger anstrengend. Was gelingt euch schon gut? Es gelingt uns das Angebot so zu gestalten, dass die Kinder Mut haben etwas anzupacken und motiviert da-ran gehen.
10 Die Aufgaben sind auf verschiedenen Ni-veaus und entsprechen ihrem individuellen Leistungs-stand. Sie lernen, f r sich selber zu lernen. Es gibt auch oft Aufgaben, die zu zweit gemacht werden k nnen. Dabei entstehen sehr konstruktive Gruppierungen. Das gemeinsame Lernen ist f r schwache und starke Sch le-rinnen und Sch ler eine Chance. K nnen die Kinder frei w hlen? Wie sieht die Steuerung aus? Es kann gesteuert werden durch die Platzordnung, durch das Angebot oder auch durch Intervention der Lehrperson. Manchmal muss man auch sagen: Von dir erwarte ich jetzt, dass du dieses oder jenes machst!