Transcription of Deutsche Wortarten, kompakt
1 DeutscheWortarten, kompakt Wortarten unterscheiden: formal und funktionalWortarten gliedern den Wortschatz nach Kriterien von Form und Funktion der W rter. F r Sprachen wiedas Deutsche mit reicher Flexion bietet sich an, die Morphologie als Kriterium der Unterscheidung zunehmen: Substantive werden dekliniert, Verben konjugiert, Adjektive gesteigert. Im Chinesischen habenwir keine Flexion, da brauchen wir andere Merkmale. Und wenn wir Sprachen vergleichen - und nichtnur an den westeurop ischen andere messen wollen - sind erst recht andere Kriterien notwendig. ImFormbereich ist das die Syntax: Womit werden W rter kombiniert? Wo erscheinen sie in derSatzabfolge? Rein inhaltliche Bestimmungen, wie sie die Tradition gemacht hat, sind schwierig undmeist vage ("Substantive sind Gegenstandsw rter"). Besser sind funktionale Charakteristika. Was ist derZweck von W rtern einer Wortklasse, was wird mit ihnen getan, welche Prozeduren realisieren sie?
2 Sofragen wir seit Karl B hler. In der Funktionalen Pragmatik, die sich auf ihn beruft, werdensprachliche Mittel in Felder gegliedert, je nach ihrem und ProzedurenEine Ordnung der elementaren Mittel unter funktionalem Aspekt bietet das Konzept von Feldern undProzeduren. Ehlich (1991) hat es im Anschluss an B hler systematisch entwickelt. Grundlage derUnterscheidungen sind die unterschiedlichen Zwecke der Prozeduren beim Verst ndigungshandelnzwischen Sprecher(in)(S) und H rer(in)(H): (a) S nennt/charakterisiert einen Gegenstand oder Sachverhalt auf der Grundlage von Objektkenntnisoder geteiltem sprachlichen Wissen: nennende ( symbolische ) Prozedur(b) S orientiert H auf ein Element des gemeinsamen Verweisraums: zeigende ( deiktische ) Prozedur(c) S steuert H in der Form eines direkten Eingriffs in sein Handeln: lenkende ( expeditive ) Prozedur(d) S verdeutlicht die Verarbeitung sprachlicher Handlungselemente durch H: aufbauende ( operative )Prozedur(e) S bermittelt H Einstellungen und Nuancierungen: malende ( expressive ) Prozedur.
3 FeldProzedurSprachliche Mittel (Deutsch)SymbolfeldsymbolischSubstantiv- , Verb-, Adjektiv-, wenige Adverbst mme;Pr position (Teilprozedur)Zeigfelddeiktischsprecher- /h rer (gruppen)- bezogene Ausdr cke: ich, du,wir, ihr;best. lokale/temporale Adverbien: hier, da,dort, jetzt; Tempora: Pr sens, Pr teritumOperationsfeldoperativAnapher (er, sie, es); Artikel (der, ein); Relativum (der,welcher): Konjunktor (und, denn, aber); Subjunktor(als, weil, nachdem); Pr position (Teilprozedur) (in, vor,wegen); einige Flexionsendungen ( Infinitiv, Plural);Satzabfolge (Serialisierung); AkzentuierungLenkfeldexpeditivInterjekti on (ah, oh, hm, na); Imperativendung;Vokativendung; Tonh henverlauf in Tonmustern (steigend,fallend etc.)MalfeldexpressivExklamative Tonmodulation (hat d i e Mut); ImitationWortarten(1) SubstantivMit dem Substantiv stellen wir symbolisch einen Bezug zu Gegenst nden (Dinge, Personen, Abstraktes)her. Es benennt* als Gattungsname (Appellativum) die Art (Mensch, Blume, Tisch)* als Stoff-/Substanzname den Stoff, ein Substanzquantum (Stahl, Milch)* als Eigenname ein bekanntes Individuum (Person, Sache), dem diese Bezeichnung zugeordnet wurde(Indien, Paula, die Alpen).
4 Jedes Deutsche Substantiv hat ein Genus (Maskulinum, Femininum, Neutrum), das vor allem im Verbundmit dem Artikel markiert ist (die Frau, der Frau). Dieses Genus ist eine grammatische Klassenbildungund - auch wenn es historische Beziehungen gibt (Indogermanisch) - nicht mit dem nat rlichenGeschlecht zu verwechseln. Man sieht das sch n im Vergleich der Sprachen, manche klassifizieren nach<essbar> oder <m nnlich+tierisch>, andere haben gar kein Genus wie T rkisch und Finnisch. Das Genushilft, satzinterne Bez ge herzustellen (der ).Der Auslaut kann auf das Genus hinweisen: Substantive auf -e sind meist feminin (Hose, Nase - aber:Hase), Substantive auf Konsonant sind meist maskulin (Kopf, Fu , aber: Hand), ebenso die auf -el,en, -er ( rmel, aber: Ampel, Leder). St rkere Indikatoren sind bestimmte Suffixe: -ei/-in/-heit/-keit/-schaft weisen Femininum zu, -chen/-lein/-le/-nis Neutrum und -ig/ling/-eur/- r/ Maskulinum. BeiTussi, Hostess, Mutter schl gt der Sexus durch.
5 Da die Kasusformen nicht immer klar unterschiedensind, sollte man (etwa in Deutsch als Fremdsprache) den Artikel mitlernenDas Deutsche hat vier Kasus: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ. Der Vokativ (Anredekasus)unterscheidet sich in der Form nicht vom Nominativ. berhaupt sind viele Formen zusammengefallen,nur Genitiv Singular und Dativ Plurla sind noch einigerma en deutlich markiert. Der Genitiv wird heutenur noch selten vom Verb gefordert (seiner spotten -> ber ihn spotten, ihn verspotten), er ist vorallem in der Nominalphrase (Abgrenzung vom Kopfnomen: Hannas Ged chtnis) zu finden. Von denObjekt-/Komplementkasus bezieht sich der Akkusativ eher auf die von Handlung oder Ereignis erfasstenDinge (den Koffer tragen), der Dativ eher auf die involvierten Personen (seinem Vater den Rechnerverkaufen) - dies nur als grobe Kasus kann durch Verben oder Pr positionen (auf derSchule, in der Schule, in die Schule) regiert bed rfen eines Artikels, um sich auf etwas beziehen zu k nnen (das Haus).
6 Gattungsnamen erlauben die Pluralbildung, wenn von mehreren Exemplaren (die L wen) oder der Art(L wen) die Rede ist. Die Rolle im Satz ist durch den Kasus (Fall) markiert. Fast alles kannnominalisiert werden (das Singen, das Ach und Weh, dein Nein). In Kombination mit einemHilfsverb kann ein Substantiv auch das Pr dikat eines Satzes ausdr cken (ist B cker). Substantivek nnen wie nominalisierte Verben oder Adjektive den Kopf einer Nominalphrase bilden, mit der mansich auf Gegenst nde (Dinge, Personen) beziehen kann: [das >Buch< meiner Freundin], [>Hanna<,die ich gestern getroffen habe], [drei Liter >Milch<].Nomen: Nomen ist der Kopf der Nominalphrase/Nominalgruppe [der >Mann< aus Gl ckstadt], [dielieben >Kleinen<], [lautes >Singen<] Das Nomen wird in manchen Arbeiten und in den Richtlinienbzw. der Terminiliste der Kultusminister mit dem Substantiv gleichgesetzt.(2) AdjektivDas Adjektiv bezeichnet symbolisch eine Eigenschaft.
7 Nur was mit einem Substantiv kombinierbar ist,ist ein Adjektiv. Es charakterisiert das mit dem Nomen schon Gesagte n her durch spezifischeEigenschaften (Hemd, buntes Hemd), die das Gemeinte hat (kleine Haie) oder ihm zuzuweisen sind(angeblicher M rder). So kann es von anderen in Frage kommenden Gegenst nden abgegrenzt Adjektiven l sst sich mit wie schlecht fragen (der Ausdruck "Wiewort" ist irref hrend, man erfasstso auch bestimmte Adverbialia: Wie hat er das erledigt? Mit Sorgfalt). Besser geht es mit: Was f rein X (X=Hemd) ist das? Ein kariertes. Man zielt damit auf die Eigenschaft, die dem im Nomengenannten Gegenstand zukommt ("Eigenschaftswort").In der Nominalphrase ist das Adjektiv in seiner Form (Genus, Numerus, Kasus) auf die Form des Kopf-Nomens abgestimmt: kleine Fluchten, das gro e Fressen, mein alter Luftballon. Dabei werdenunterschiedliche Flexionsparadigmen genutzt, je nach Determinativ: der/dieser/jeder klein-eHanswurst - ein/mein/kein/manch/ k stlich-er k nnen f r weitere Zwecke genutzt werden: sie k nnen selbst Kopf einer Nominalgruppe sein(die Schlauen).
8 Sie k nnen aber auch unflektiert in Verbindung mit einem Kopulaverb das Pr dikateines Satzes ausdr cken (ist trickreich) oder als Adverbial genutzt werden (schnell fahren).Viele Adjektive sind steigerungsf hig (aus Bedeutungsgr nden sind Formen wie *ledig-er,*schwanger-er, *fertig-er, *am zweifach-sten aber nicht akzeptabel). Das Partizip I (schlaf-end),eigentlich eine Verbform, wird heute meist den Adjektiven Adkopula verbindet sich mit einem Kopulaverb zu einem Pr dikatsausdruck, sie kann nicht miteinem Substantiv kombiniert werden und wird nicht flektiert. Somit ist sie nicht (wie sonst blich) denAdjektiven zuzurechnen, sondern eine eigene Wortart: quitt, schuld, fit (..sein).(3) Artikel und andere DeterminativeDeterminative sind operativ, sie dienen der Bildung von Ausdr cken, mit denen man sich aufGegenst nde beziehen kann. Sie stehen am Anfang der Nominalphrase und bestimmen die Flexionsform attributiver Adjektive (dersch n-e; ein sch n-er).
9 Der bestimmte Artikel kennzeichnet, dass das Gemeinte aus Sicht des Sprechers dem H rer bekanntist (das Haus am Wallraffplatz, die Amsel auf der Teppichstange, der Verk ufer, der unsgestern so schlecht behandelt hat, die Sonne, der Wal.) Im S den Deutschlands, jetzt auch inn rdlicheren Regionen wird die Zug nglichkeit im Wissen auch bei Vornamen durch den bestimmtenArtikel markiert (die Paula).Der unbestimmte Artikel dr ckt aus, dass das Gemeinte f r den H rer neu ist (Ein Pferd raste dieStra e herunter) bzw. begrifflich aus der Menge m glicher Gegenst nde einer Klasse herausgegriffenwird (Ein Pferd ist ein Turnger t mit Lederpolster und zwei Griffen). Der H rer muss eineVorstellung des Gemeinten erst Determinative sind:* das possessive Determinativ: relationiert zu Sprecher, Adressat, Gruppe, Ding: mein, dein, sein<Buch>.* das quantifizierende Determinativ: quantifiziert ber einen gegebenen Bereich: jeder, kein,irgendein <Mensch>; alle, einige, mehrere <Menschen>* das W-Determinativ: bildet Nominalphrasen f r das Erfragen: welcher, was f r ein <Tag>, wieviel<Tage>.
10 * das deiktische Determinativ: setzt das Zeigen zum Zweck der Determination in Verbindung miteinem Symbolfeldausdruck ein: dieser, jene, derjenige, der [betont], derselbe <Schrank>.(3) Proterm bzw. traditionell "Pronomina" sind Sammelbezeichnungen, aber nicht f r eine einheitlicheWortart, sondern f r formal und funktional ganz verschiedene:* Persondeixis: zeigt auf pr sente Personen: ich, du, wir* Anapher: f hrt in Gespr ch oder Text Eingef hrtes/Pr sentes fort: er, sie, es; das Reflexivum leistetdies satzintern (sich)* Possessivum: Gegenstandsbestimmung durch Relationierung (Sprecher, Adressat, Gruppe, Ding):meiner, deiner, seiner* Objektdeixis: zeigt auf Objekt in einem Verweisraum: der, dieser, er [betont]* W-Objektdeixis/Interrogativum: bildet einen eigenst ndigen Frageausdruck: wer, was.(4) VerbDas Verb bezeichnet eine Szene, ein Ereignis oder Ereigniselement, eine Handlung, einBeziehungsgeflecht, die einer Person oder einem Ding zugeordnet sind.