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E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann - portal

Erschlie ung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe ! Willy Proschek 1 Hoffmann: Der Sandmann bersicht der Einheit 1 Aspekte der Erschlie ung Inhaltlicher Aufbau Zur Komposition der Erz hlung - Die Struktur der Erz hlung Personenkonstellation Beziehungsgef ge Namengef ge Das Motivgef ge Zur Erz hlperspektive Zur Sprache und zum Stil der Erz hlung 2 Aspekte der Deutung Thematik des Wahnsinns Biographische Querverweise Theorien ber den Wahnsinn Nathanaels Prozess des Wahnsinnigwerdens Das Unheimliche Das Problem des Sehens Aufkl rung und Romantik Exkurs: Der Sandmann und die Romantik Pygmalion und Narziss K nstlerproblematik 3 Lernzirkel 1 Aspekte der Erschlie ung Inhaltlicher Aufbau Nathanael an Lothar: Das wiedererweckte Kindheitstrauma (Brief) Clara an Nathanael: Rationale Erkl rung der Begebenheiten (Brief) Nathanael an Lothar: Ganz beruhigt bin ich nicht.

Erschlie§ung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe ! Willy Proschek 2 Diese Konstellationen wirken ineinander, spiegeln sich, bilden Kontraste.

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1 Erschlie ung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe ! Willy Proschek 1 Hoffmann: Der Sandmann bersicht der Einheit 1 Aspekte der Erschlie ung Inhaltlicher Aufbau Zur Komposition der Erz hlung - Die Struktur der Erz hlung Personenkonstellation Beziehungsgef ge Namengef ge Das Motivgef ge Zur Erz hlperspektive Zur Sprache und zum Stil der Erz hlung 2 Aspekte der Deutung Thematik des Wahnsinns Biographische Querverweise Theorien ber den Wahnsinn Nathanaels Prozess des Wahnsinnigwerdens Das Unheimliche Das Problem des Sehens Aufkl rung und Romantik Exkurs: Der Sandmann und die Romantik Pygmalion und Narziss K nstlerproblematik 3 Lernzirkel 1 Aspekte der Erschlie ung Inhaltlicher Aufbau Nathanael an Lothar: Das wiedererweckte Kindheitstrauma (Brief) Clara an Nathanael: Rationale Erkl rung der Begebenheiten (Brief) Nathanael an Lothar: Ganz beruhigt bin ich nicht.

2 (Brief) Der Erz hler an den Leser Das Paar Nathanael und Clara: Eine gef hrdete Beziehung Nathanael und Olimpia: Die Liebe zum Automatenmensch Der Erz hler an den Leser R ckfall in den Wahnsinn und Tod Nathanaels Zur Komposition der Erz hlung - Die Struktur der Erz hlung Zwei Welten, die Claras und des Sandmannes stehen sich gegen ber und bestimmen die Struktur der ganzen Erz hlung. Nathanael lebt im Spannungsfeld beider Welten, in der Welt des B rgerlichen, der Ver-nunft wie in der Welt des D monischen. Beide Welten durchdringen einander. Das R t-selhafte und Unheimliche verschwindet gerade nicht, wenn es auf die Normalit t des All-tags zur ckgef hrt wird. Im Gegenteil: das Entsetzliche kommt aus der Alltagswirklichkeit. Andererseits wird auch das Wunderlich-Absonderliche Wirklichkeit . Personenkonstellation Beziehungsgef ge Nathanael - Coppelius/Copolla Nathanael - Olimpia: romantische Liebe Nathanael - Clara: b rgerliche Beziehung Erschlie ung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe !

3 Willy Proschek 2 Diese Konstellationen wirken ineinander, spiegeln sich, bilden Kontraste. So bewirkt etwa das Auftauchen des Coppelius eine Verd sterung des Bildes von Clara. Namengef ge Prof. Spalanzani: Naturforscher, Arbeiten ber k nstliche Befruchtung Cagliostro: betr gerischer Abenteurer Nathanael: hebr. = Gott hat gegeben, griech. Theodor = A. Hoffmann Lothar: der K mpferische (Verweis auf Duell) Clara: Helle, Klare, Vern nftige Olimpia: vom Olymp kommend? Ein Automat (k nstliches Wesen)! Coppelius, Copolla: ital. Coppo = Augenh hle, copplare = einschmelzen, copula = Verbindung Das Motivgef ge ! Motiv der Augen in der Sandmannmetaphorik: Nicht schlafen wollenden Kindern wird Sand in die Augen gestreut und ihnen somit das Sehen verwehrt. Der Sandmann gilt sowohl als d steres Schreckensgespenst als auch in seiner Diminutivform als Sandm nnchen als verniedlichendes Bild f r Kinder.

4 In der Erz hlung will der Sandmann - in der Geschichte der Kinderfrau - die Augen Na-thanaels rauben. Ebenso droht N. das Sehverm gen zu verlieren: - in der n chtlichen Experimentierszene (45), - in Nathanaels Gedicht (59f), - bei der Angst Nathanaels vor den Brillen und beim der Kauf des Perspektivs (63f), - bei der Zerst rung der Puppe Olimpia (73f), - in der Turmszene (77). ! Motiv des Blickes Die Blicke von Personen haben eine besondere Auswirkung auf die Umwelt. Die Augen besitzen dabei eine doppelte Funktion: - eine physische: Sie dienen der Wahrnehmung der Au enwelt (1. Augenpaar) - eine psychische: Inneres dringt nach Au en, Empfindungen der Seele werden zu Blicken (2. Augenpaar). ! Motiv des Lachens - Claras Lachen: Feines ironisches L cheln (57) als Zeichen ihrer Verstandesbezogenheit - Nathanael f rchtet Claras Lachen als Zeichen ihres Unverst ndnisses. Er will nicht ausgelacht werden (40).

5 - Das Lachen der Teegesellschaft ber Olimpia und Nathanael (67) ist mehr das sp ttische Lachen einer unnat rlichen Zwangsgemeinschaft. - Das Lachen des Coppelius ist eher als teuflisches Lachen (43) zu deuten oder als zynisch vorauswissendes Lachen (78). Zur Erz hlperspektive ! Die Erz hlung beginnt unmittelbar mit einem Briefwechsel, also erz hlerlos. Die in der Ich-Perspektive gehaltenen Briefe vermitteln den Eindruck der Authentizit t. ! Der Erz hler reflektiert daraufhin drei Modelle des Erz hleinsatzes, welche f r sich ge-nommen eine Einengung des vom Autor intendierten Wirklichkeitsverst ndnisses bedeu-ten w rden: Erschlie ung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe ! Willy Proschek 3 - M rchenbeginn: Fiktion des Wunderbaren, Irrealen - objektiv - berichtend: Realistischer Stil - subjektive Perspektive Der Erz hler h lt sich alle drei M glichkeiten offen. Distanz und N he zum Erz hlten wechseln sich ab, je nach Intention: Mal r ckt das Wunderliche, mal das Realistische, mal das Subjektive in den Vordergrund.

6 ! hnliches gilt auch f r Erz hlhaltung. Der Autor spielt mit dem Leser, indem er den Erz hler einmal als auktorialen, allwissen-den Erz hler auftreten l sst, der als verl ssliche Instanz den Leser zu f hren vermag, auf der anderen Seite berl sst er den Leser der subjektiven Perspektive des Nathanael (personale Erz hlhaltung). Der Leser wei nicht mehr, an wen er sich wenden soll, er ist gleichsam f hrungslos und dem Erz hlspiel des Autors ausgeliefert. Subjektive N he zu Nathanael, ein sich Identifizieren mit ihm, und ein sich L sen von ihm wechseln sich in ei-nem z. T. ironischen Spiel ab. Zudem ist nicht immer eindeutig unterscheidbar, wann der Autor Distanz oder N he zum Erz hlten sucht. ! Die sich zweimal in der Erz hlung wiederholenden Leseranreden (nach den drei Brie-fen sowie nach der Olimpiaepisode (74)) w hnen den Leser in der Lage des allwissenden Kollegen des Erz hlers. Sie haben, was den Gang der Handlung angeht, eine retardie-rende entspannende Funktion.

7 Durch diese unmittelbaren Leseranreden zerst rt der Au-tor dessen Illusion, es handle sich um eine reale oder fiktive, m rchenhafte Begebenheit. Dichtung wird als k nstliches Arrangement aufgefasst und auch demonstriert. Dennoch verr t der Erz hler seine innere N he zu Nathanael und will auch, dass sich der Leser als Herzensbruder auf den Helden der Erz hlung einschw rt. Zur Sprache und zum Stil der Erz hlung Der Sprachduktus der Erz hlung ist gepr gt durch den Wechsel zweier verschiedener Stillagen. - Unmittelbare, szenisch - dramatische Darstellungen in Form von w rtlichen Reden, oft auch nur Satzfetzen oder Ausrufe (Personenreden) nehmen den Leser gefangen, vermitteln eine gro e N he zur erz hlten Welt (Illusion). (72f) - Mittelbare Darstellung: Der Erz hler tritt aus dem Geschehen heraus (74). Mit Erz hler berichten, Einblenden wird die illusion re Gegenw rtigkeit des Geschehens durchbrochen. In hypotaktischen Satzkonstruktion gibt der auktoriale Erz hler sei- nen distanzierten Standpunkt zur erz hlten Welt kund.

8 Zuweilen tauchen auch iro- nische Untert ne auf. 2 Aspekte der Deutung Thematik des Wahnsinns Biographische Querverweise Tageb chereintragungen und Aussagen von Zeitgenossen Hoffmanns belegen, dass der Autor Gefahr lief, selbst wahnsinnig zu werden. Die Vielzahl an literarischen Spiegelungen dieses Prozesses untermauert diese Vermutung. Durch Studien von Gerichtsakten schi-zophrener Delinquenten hatte Hoffmann als gelernter Jurist Einsicht in die Genese des Wahnsinns. Theorien ber den Wahnsinn ! Mystische Ursachen: g ttliche Strafe, Einwirken des Teufels Erschlie ung und Interpretation narrativer Texte - Oberstufe ! Willy Proschek 4 ! Biologische St rung: Krankheit des Gehirns, der Nerven. Symptome: Ged chtnisver- lust, fehlendes moralisches Urteilsverm gen, melancholische Zust nde, verworre- nes Reden, , Zwangsjacken, Schocktherapien, Blutaustausch als Therapien ! Psychische Ursachen: Negative Kindheitserlebnisse kommen zum Ausbruch, affekti- ve St rungen Gro e Angst vor einer Ansteckung!

9 Schutz: M igkeit im Trinken, Essen, Sex., Vermeidung des Gr Nathanaels Prozess des Wahnsinnigwerdens 1. Auftauchen des Copolla und Erinnerung an Coppelius 2. d stere Tr umereien 3. erster Wahnsinnsanfall 4. Realit tsverlust 5. Gesundung durch Dichtung, Schreiben als Therapie 6. Wahnsinnsanfall und Selbstmord Spuren des Wahnsinns: Da packte ihn der Wahnsinn mit gl hender Kraft (38) Zerst rung der Puppe Olimpia Verwirrungen, Formen der Pers nlichkeitsspaltung, Realit tsverlust, Aggressionen, Selbstzerst rung Wie geht es dem Leser? Eine klare Trennlinie zwischen den Bereichen der Vernunft und des Wahnsinns ist schwer zu ziehen. Ist Nathanael selbst schuld, weil in seinem Inneren an d monische M chte glaubt? Wirken u ere Kr fte auf ihn ein, die ihn wahnsinnig werden lassen? Ist Wahnsinn nicht eine Form des Wahrsinnes, der F higkeit, Dinge tiefer zu sehen als normale Menschen? Ist Wahnsinn nicht eine Form der Verr cktheit des K nstlers, wel-cher in seiner poetischen Inspiration irreale Welten erschafft?

10 Nachbarschaft zwischen K nstlertum und Wahnsinn! Das Unheimliche Hoffmann gilt als Meister des Unheimlichen. Etwas Feindliches, Gef hrliches, B sartiges begegnet einem Menschen. Aus Vertrautem wird oft etwas Fremdes, D monisches, das uns mit Entsetzen und Grau-sen reagieren l sst. F r Nathanael ist die Begegnung mit Copolla unheimlich (39). Et-was, was anf nglich unverf nglich, harmlos erscheint, enth llt pl tzlich etwas Fremdes, das feindlich, schrecklich und b sartig auf N. wirkt. Was N. als unheimlich erf hrt, ist stets der unerwartete Umschlag einer Situation ins Feindlich-D monische, und dieses Erleben st rzt ihn in Grausen und Entsetzen. Unheimlich ist f r N., dass Personen und Dinge nicht so sind, wie sie erscheinen, sondern dass sich seinen schlimmsten Bef rchtungen erf l-len, Wirklichkeit werden. Der Leser schwankt hin und her bei der Frage, ob er das, was N. als unheimlich empfin-det, ebenso nachempfinden soll.


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