Transcription of Entwicklung eines pflegerischen …
1 Duden (2001): Das Herkunftsw : DudenverlagHellige, B. (2002): Balanceakt MultipleSklerose. Leben und Pflege bei chronischerKrankheit. Stuttgart: KohlhammerHulskers, H. (2001): Die Qualit t der pflege-rischen Beziehung. Ein : Pflege. Die wissenschaftliche Zeitschriftf r Pflegeberufe 14 (1): 39 45 Jewell, (1993): Patient participation: what does it mean to nurses? In: Journal of Advanced Nursing 19: 333 338K ppeli, S. (1993): , entwicklungs- und krank-heitsbedingte Erfahrungen. Bern :HuberVerres, R. (1994): Die Kunst zu leben: Krebs-risiko und Psyche. 3. Aufl., M nchen,Z rich: PiperArzneimitteltherapien nehmen eine zen-trale Rolle in der Versorgung chronisch er-krankter Menschen ein (Kamche/Haslbeck2004). Im Jahr 2003 wendeten die Gesetz-lichen Krankenversicherungen 24,2 bzw. 16,7 % ihrer j hrlichen Gesamt-ausgaben (144,5 Mrd. Euro) f r Arzneimit-tel auf (BMGS 2004) einen Gro teil da-von f r die Behandlung chronisch krankerund multimorbider Patienten (Glaeske/Janhsen 2004; Volmer/Kielhorn 1998).
2 Dass dieser Ressourceneinsatz suboptimalbleibt, hat vielf ltige Ursachen. So wird sei-56 DER PFLEGEFORSCHUNGSVERBUND NRWPFLEGE & GESELLSCHAFT 10. JAHRGANG 1/2005 Entwicklung eines pflegerischen Interventionskonzepts zur alltagsnahen F rderung des Selbstmanagements von chronischkranken Patienten unter komplexem MedikamentenregimeDoris Schaeffer, Michael Ewers, J rg Haslbeck, Anja Kamche, Gabriele M ller-Mundt Komplexe pharmakologische Therapiekonzepte sindoft die einzige Option, das Fortschreiten chronischerKrankheiten zu verz gern und die Lebensqualit t der Be-troffenen zu f rdern bzw. zu erhalten. F r Patienten ist esoftmals problematisch, im Alltag ein komplexes Medi-kamtenregime einzuhalten, insbesondere, wenn verschie-dene Arzneimittel umfangreich und langfristig einzuneh-men sind. Bislang wurde die Patienten- bzw. Nutzerper-spektive in Compliance- bzw. Adh renzstudien und in derVersorgungsforschung eher nachrangig behandelt. Unter-suchungsziel ist es, die mit komplexen Therapiekonzep-ten einhergehenden Belastungen f r die Patienten empi-risch zu beleuchten.
3 Um die Frage zu beantworten, wieBetroffene die Arzneimitteleinnahme im Alltag bew lti-gen, werden chronisch herzkranke bzw. an HIV/AIDS er-krankte Patienten interviewt. Erg nzend werden Pfle-gende, niedergelassene rzte und Apotheker zu ihrer Pro-blemsicht befragt. Die Untersuchungsergebnisse dienenals Entwicklungsgrundlage f r ein wissensbasiertes pfle-gerisches Interventionskonzept. Ziel ist es, das Selbstma-nagement und die Adh renz chronisch erkrankter, multi-morbider Patienten durch die ambulante Pflege alltags-nah zu f rdern und zur Verbesserung der Lebensqualit tchronisch Kranker beizutragen. Often, therapeutic regimes are one of the last possibilities forpatients with chronic illness to hold off the progressing illnessand to improve, or even to obtain, quality of life. Nevertheless,adhering to a complex regime considerable problems often arisefor the affected person, particularly in daily life, when prescri-bed medication has to be taken in a larger extent and over alonger period of time.
4 So far, little evidence about selfmanage-ment of medication regimes in chronic illness exists from pa-tients perspective. Therefore, the aim of the research project isto find answers on the question how chronically ill patients, fol-lowing a complex medication regime, are managing their dailylives and what kind of problems they have to encounter. Accor-ding to that, patients suffering from cardiac diseases andHIV/AIDS will be interviewed for their personal experiences. Fur-thermore, health care professionals working with chronically illpatients are asked for their view on the topic. The findings willprovide empirical support for the overall objective that is to de-velop intervention strategies for home care nursing to supportaffected persons in their daily regime der professionellen Akteure h ufig bersehen, dass chronische Krankheit undMultimorbidit t komplexe Strategien desTherapie- und Symptommanagements imAlltag erfordern, die nicht einzig mit Multi-medikation beantwortet werden k nnen.
5 Berdies ger t oftmals aus dem Blick, dasskomplexe Arzneimitteltherapien f r Pa-tienten spezielle Herausforderungen in sichbergen. Sch tzungsweise die H lfte allerchronisch Kranken haben Schwierigkeitenmit ihrem Medikamentenregime (Dunbar-Jacob/Mortimer-Stephens 2001). Diese zei-gen sich oftmals bereits in der station renVersorgung (Arnet/Haefeli 2000), tretenaber vor allem dann zu Tage, wenn einkomplexes Medikamentenregime aus eige-ner Kraft in den h uslichen Alltag in-tegriert und dort in den verschiedenenPhasen des Krankheitsverlaufs dauerhaftaufrechterhalten werden soll. Dies mag erkl ren,warum Arzneimittelproblemesich bei chronisch kranken Patienten imZeitverlauf h ufen und sich die Adh renz-problematik f r alle Akteure im Gesund-heitswesen so auch die Pflege mehr undmehr zu einem wichtigen Thema ihr angemessen begegnen zu k n-nen, bedarf es empirisch abgesicherter undwissensbasierter Interventionskonzepte, andenen es trotz zum Teil seit geraumer Zeitvorliegender Erkenntnisse ber Ursachenund Umst nde von Problemen bei der Be-w ltigung komplexer Medikamentenre-gime mangelt.
6 Dies gilt umso mehr, als inbisherigen Forschungsergebnissen sowohlder Alltagssituation der Patienten als auchden sich im Zeitverlauf stellenden Heraus-forderungen und Problemen und nicht zu-letzt der Sichtweise der Patienten kaumAufmerksamkeit geschenkt wird. Diese f rdas Selbstmanagement komplexer Medika-mentenregime bei chronischer Krankheitzentralen Aspekte werden in der Versor-gungspraxis meist vernachl ssigt. Eben hier bei den sich im h uslichen Alltag der Pa-tienten stellenden Problemen und der Dau-erhaftigkeit von Arzneimitteltherapien beichronischer Krankheit und Multimorbi-dit t setzt das Forschungsvorhaben an,um eine in der Forschung bestehendeL cke zu schlie en. Dabei wird zun chstder Frage nachgegangen, wie sich komplexeMedikamentenregime aus der Patienten-perspektive im Alltag auswirken, welcheProbleme und Herausforderungen sie inden unterschiedlichen Phasen des Krank-heitsverlaufs aufwerfen, mit welchen Stra-tegien diese von den Patienten beantwortetwerden und welche pflegerischen Interven-tionen geeignet sind, um diese Problemeund Herausforderungen ad quat zu bew l-tigen.
7 Im Einzelnen ist Ziel des in zwei Pha-sen angelegten Forschungsprojekts(a) das Selbstmanagement und Adh renz-verhalten von Patienten, die aufgrund chro-nischer Krankheit, Multimorbidit t undfortgeschrittenem Alter ber l ngere Zeitgleichzeitig auf mehrere unterschiedlicheMedikamente angewiesen sind und/ oderein komplexes Medikamentenregime inihrem h uslichen Umfeld umsetzen m ssen,zu untersuchen und darauf aufbauend(b) ein pflegerisches Interventionskonzeptzu entwickeln, das auf die Alltagsproblemedie komplexe Medikamentenregime f rchronisch kranke Patienten aufwerfen,zielt, zu deren Bew ltigung der beitr gtund so den Erfolg pharmakotherapeuti-scher Behandlungen unterst Thema Compliance/Adh renz wur-de bislang von unterschiedlichen Seitenund mit verschiedenen Schwerpunktset-zungen erforscht. Ziel war zumeist, dasAusma der Compliance/Adh renz zuquantifizieren sowie volkswirtschaftliche(Volmer/Kielhorn 1998), gesundheitliche(Ellis et al.)
8 2000) oder auch soziale Auswir-kungen (Kidd/Altman 2000), die mit man-gelnder Compliance/Adh renz einherge-hen, zu erfassen. Neuerdings werden ver-st rkt verhaltenswissenschaftliche Ans tzeverfolgt, wodurch die F higkeit der Patien-ten zum Selbstmanagement bei der Be-w ltigung komplexer Medikamentenre-gime zunehmend ins Blickfeld von Wissen-schaft und Praxis r ckt (Petermann 1998).Trotz des inzwischen erkennbaren Einstel-lungswandels gegen ber der Rolle der Pa-tienten bei der Arzneimitteltherapie folgendie meisten Untersuchungen nach wie voreiner einseitig medizinischen bzw. profes-sionellen Perspektive. Die Sichtweise derPatienten wird bislang selten als Ausgangs-punkt f r Forschungsvorhaben herangezo-gen (Warschburger 1998), was zur Folgehat, dass eine zentrale Perspektive f r dieAuseinandersetzung mit der hier angespro-chenen Problematik wie auch f r deren Be-antwortung in Form professioneller Inter-ventionskonzepte weitgehend unber k-ksichtigt wird eine ganze Reihe von Be-dingungsfaktoren diskutiert, die das Selbst-management und Adh renzverhalten vonPatienten unter komplexen Medikamen-tenregimen beeinflussen.
9 Hierzu z hlen vorallem subjektive Faktoren beispielsweisedie individuell wahrgenommene Effekti-vit t der Behandlung (Belgrave et al. 1997)oder das Ma an erfahrener sozialer Unter-st tzung (Hessel et al. 2000). Gegenstandvorliegender Forschungsarbeiten sind bei-spielsweise Zusammenh nge zwischen Pa-tientenautonomie und Adh renz. EinigeArbeiten gehen davon aus, dass sich ca. 20% der Patienten bewusst gegen medika-ment se Therapien entscheiden, in ande-ren werden 73 % aller F lle von Non-Com-pliance ( ber alle Altersgruppen) als inten-tional eingestuft (Golden et al. 1999). Mitca. 40 bis 60 % f hrt das schlichte Verges-sen der Medikamenteneinnahme die Listeder Gr nde f r Adh renzprobleme an(Chang et al. 1998). Nahezu 30 % der Pa-tienten haben Probleme damit, ihre Medi-kamente entsprechend der rztlichen Ver-ordnung einzunehmen, h ufig begr ndetmit der Komplexit t des Therapieregimes(Watts et al. 1997). Aber auch die Tatsache,dass Medikamentenregime mit Alltagsrou-tinen kollidieren oder die Patienten mit an-deren Aufgaben zu besch ftigt sind, umden Verordnungsschemata nachzukom-men, scheint eine wichtige Rolle zu spielen(Cooper et al.)
10 2002). Gest tzt werden dieseAnnahmen durch die inzwischen gut do-kumentierten Ver nderungen des Adh -renzverhaltens im Zeitverlauf. In den erstenBehandlungsmonaten treten Therapieab-br che oder Schwierigkeiten mit der Befol-gung des Medikamentenregimes f r dieTherapeuten meist gut erkennbar ver-gleichsweise h ufig auf (Jones et al. 1995).Doch vor allem auf lange Sicht betrachtet,sinkt die Adh renzrate bei medikament -sen Behandlungsregimen kontinuierlich ab(Haynes 2001). Damit geht einher, dassauch die Bereitschaft zur Wahrnehmungvon Behandlungsterminen und Drug-Mo-nitoring-Sitzungen im Zeitverlauf ber allePatientenpopulationen deutlich zur k-kgeht (Kjellgren et al. 1995). Chronischkranke Patienten sind somit dem Blickfeldder behandelnden Mediziner mehr undmehr entzogen und werden erst wieder imZusammenhang mit akuten Krisen auff l-lig. Bei rund einem Viertel lterer Patientenunter komplexen Medikamentenregimenwerden klinisch relevante Folgen mangeln-der Adh renz beobachtet (Walley/Scott1995).