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Evidence-based Nursing (EBN) – Ein wichtiger …

Fachzeitschrift der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege Autorin: Isabella Herr-Wilbert Kinderkrankenschwester, April 2008, 27. Jhrg., Heft 4, Seite 1 von 7 Evidence-based Nursing (EBN) Ein wichtiger Baustein der pflegerischen Entscheidung. EBN und seine Bedeutung f r Pflegeentwicklung und f r Pflegemanagement Die Anforderungen an die Pflegenden in der Pflegepraxis und im pflegerischen Qualit tsmanagement wandelten sich im Laufe der Zeit: Wenn noch vor mehreren Jahren vorwiegend das Erfahrungswissen der Pflegenden in Standards eingebracht wurde, ist heute der Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu integrieren. Diese ver ndern den Wissens- und Fertigkeitsanspruch an Pflegende. Daraus ergibt sich die Aufgabe der Pflegebildung, einen Weg zu bestreiten, der erm glicht, die Ergebnisse der Pflegeforschung Pflegenden zug ngig und umsetzbar zu machen.

Fachzeitschrift der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege Autorin: Isabella Herr-Wilbert Kinderkrankenschwester, April 2008, 27. Jhrg., Heft 4, S.142-147 Seite 1 von 7

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1 Fachzeitschrift der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege Autorin: Isabella Herr-Wilbert Kinderkrankenschwester, April 2008, 27. Jhrg., Heft 4, Seite 1 von 7 Evidence-based Nursing (EBN) Ein wichtiger Baustein der pflegerischen Entscheidung. EBN und seine Bedeutung f r Pflegeentwicklung und f r Pflegemanagement Die Anforderungen an die Pflegenden in der Pflegepraxis und im pflegerischen Qualit tsmanagement wandelten sich im Laufe der Zeit: Wenn noch vor mehreren Jahren vorwiegend das Erfahrungswissen der Pflegenden in Standards eingebracht wurde, ist heute der Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu integrieren. Diese ver ndern den Wissens- und Fertigkeitsanspruch an Pflegende. Daraus ergibt sich die Aufgabe der Pflegebildung, einen Weg zu bestreiten, der erm glicht, die Ergebnisse der Pflegeforschung Pflegenden zug ngig und umsetzbar zu machen.

2 Hierbei ist die Herausforderung, Schritt zu halten mit der Pflegeentwicklung. Pflegerische Entscheidungen und dessen Handlungen m ssen heute mit Argumenten belegt werden - dies nicht nur aus der Rechenschaftspflicht gegen ber Dritten. Ein kritisches Nachdenken ber die Anwendungen von Pflegemassnahmen wird notwendig, da Pflegende in ihrem Professionsbereich sowohl die Planungs- als auch die Ausf hrungsverantwortung bernommen haben bzw. sie ihnen bertragen wird. Im deutschsprachigem Raum entwickelt sich immer mehr das Selbstverst ndnis, Wissen ber relevante Forschungsergebnisse anzueignen, Entscheidungen nicht mehr aus einer traditionellen Pflege heraus zu treffen, sondern auf Grundlage wissenschaftlich entwickelter Leitlinien und Standards, welche von anerkannten Fachgesellschaften oder Arbeitsgruppen professionell erarbeitet wurden. Die Bezeichnung Professionell meint in diesem Zusammenhang, Leitlinien basieren auf wissenschaftliche Erkenntnisse, welche mittels einer bestimmten Methode gesammelt und ausgewertet wurden.

3 Gleichzeitig zur wissenschaftlichen Pflegeweiterbildung musste ein wirtschaftliches und kostenbewusstes Denken und Handeln wachsen, sei es in der Auswahl von Pflegematerialien oder im Einsatz von Personalressourcen. Die Ver nderungen im Gesundheitswesen, wie k rzere Aufenthaltsdauer der Patienten in den Kliniken, zwingen ebenso zum berdenken von traditionellen Konzepten. Die Schere zwischen hoch- und niederausgebildeten Pflegekr ften wird stetig gr sser, von der Laienpflege, ber Pflegehelfern, examinierte Pflegepersonen sowie Pflegende mit Bachelor- und Masterabschl ssen. Gleichzeitig birgt die Budgetbegrenzung im Personalbereich eine Gefahr des Lohn- sowie des Qualifikationsdumpings. Qualifikationsdumping meint hierbei, der Ersatz von Fachkr ften durch Nichtfachkr fte mit geringerem Ausbildungsniveau, als bewusster Vorgang, mit Blick auf die Kosten (vgl.)

4 Fricker, 2007). Abb. 1: Quelle: Weiss, P, 2000 Pflege wie wir sie heute definieren, verpflichtet uns zur evidence-basierten Pflegepraxis. Die Definition von professioneller Pflege aus dem Jahre 2006, entwickelt von Pflegewissenschaftlerinnen (Spichiger et al., 2006), weist ausdr cklich darauf hin. Sie zielt darauf ab, f r betreute Menschen die bestm gliche Behandlungs- und Betreuungsergebnisse sowie die bestm gliche Lebensqualit t in allen Phasen des Lebens bis zum Tod zu erreichen. Professionelle Pflege basiert auf Evidence, reflektierter Pflegeerfahrung und Pr ferenzen der Betreuten, bezieht physische, psychische, spirituelle, lebensweltliche, soziokulturelle alters- und geschlechtsbezogene und finanzielle und sozialpolitische Aspekte ein und ber cksichtigt ethische Richtlinien.

5 Dies bedeutet, eine bestm gliche Behandlung und Fachzeitschrift der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege Autorin: Isabella Herr-Wilbert Kinderkrankenschwester, April 2008, 27. Jhrg., Heft 4, Seite 2 von 7 Betreuung zu gew hrleisten und unterscheidet sich von dem Anspruch einer optimalen Pflege: Das Best-m gliche, also das Beste aus den limitierten M glichkeiten ist zu gew hrleisten. In diesem Zusammenhang gewinnt das Konzept des EBN als eine S ule der Pflegeentscheidung an Bedeutung. Begriffserkl rung Evidence-based Nursing Der Begriff EBN wurde aus der englischen Sprache bernommen und bedeutet auf Beweisen basierende Pflege, Evidence = der Beweis. EBN entwickelte sich aus dem medizinischen Bereich: Evidence-based Medicine (EBM) und wurde von Sacket et al. (1996) definiert als bewusstes, ausdr ckliches und umsichtiges Anwenden des gegenw rtigen st rksten externen Beweises in der Entscheidung f r die Versorgung einzelner Patienten.

6 Die Pflegeprofessionen definieren EBN als die Nutzung der derzeit besten wissenschaftlichen Ergebnisse in der Zusammenarbeit zwischen Patienten und professionell Pflegenden (modifiziert nach Behrens & Langer, 2004, S. 21). Wenn wir kein Wissen von aussen zulassen, sondern nur auf die eigene, interne Erfahrung zur ck greifen, k nnen Fehler nur schwer erkannt werden. Dies wird anhand der obigen Abbildung 1(Weiss, 2000) anschaulich demonstriert. Die ausgew hlten Massnahmen waren lange Zeit auf traditionelles Erfahrungswissen der Pflegenden gest tzt. Patientenw nsche hatten weniger Relevanz ebenso konnten Umweltfaktoren vernachl ssigt werden. Beispielsweise wurden Angeh rige lange nicht als Ressourcen wahrgenommen, Pflegevereine mit ihren Sozialstationen bernahmen einen Grossteil der h uslichen Pflege ohne hohe finanzielle Belastung der Betroffenen, Kliniken bekamen regelm ssig Kostendeckelungen und es stellte sich nicht die berlegung, ob eine Pflegeintervention f r 300,- oder f r 50,- mit der selben Wirkung vorzuziehen sei.

7 Im Zuge der Ver nderungen im Gesundheitswesen kam die Beachtung von Kontextfaktoren, wie die Finanzen, hinzu. Patientenw nsche wurden dann interessant, wenn sie bei ihrer Ber cksichtigung zu Kostenersparnis beisteuern konnten. In der Weiterentwicklung zu einer professionellen Entscheidung kamen nun die pflegewissenschaftlichen Aspekte hinzu unter Einbezug von Forschungsresultaten. Heute soll die pflegerische Entscheidung vier Faktoren ber cksichtigen: Patientenpr ferenzen, Pflegeexpertise, Kontext und Forschungsresultate (Behrens & Lange, 2004). Vier Komponenten der pflegerischen Entscheidung Eine professionelle pflegerische Entscheidung bezieht mehrere Komponenten mit ein. Eine Entscheidung die ausschliesslich an Patientenpr ferenzen oder der eigenen Expertise orientiert ist, birgt bestimmte Nachteile f r den Patienten, die aus professioneller Sicht kaum vertretbar sind.

8 Pflegerische EntscheidungPflegerische EntscheidungForschungs-resultatePr ferenzen,W ns c he, Zi el eder PatientenExpertiseder PflegendenKontext:Umgebung, Familie,Finanzen, RechtKlinikform Abb. 2: Vier Komponenten der pflegerischen Entscheidung, nach Behrens & Langer, 2004 Patientenpr ferenzen Die Komponente Patientenpr ferenzen bedeutet Bed rfnisse, Vorlieben sowie individuelle Intimsph re der Patienten beachten, Patienten/Angeh rige die mitentscheiden wollen und k nnen m ssen miteinbezogen werden. Patientenorganisationen nehmen Einfluss und es werden Forschungsprojekte lanciert, welche ber das Erleben von Krankheit, Betreuung Daten generieren, um mehr ber die Anliegen und W nsche der Patienten zu erfahren. Expertise Fachzeitschrift der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege Autorin: Isabella Herr-Wilbert Kinderkrankenschwester, April 2008, 27.

9 Jhrg., Heft 4, Seite 3 von 7 Die Expertise der Pflegenden bedeutet eine interne Evidenz und bezieht sich auf die Erfahrungen und Fertigkeiten die Pflegende im Laufe ihrer Berufsaus bung erwerben. Eine erfahrene Pflegeperson entwickelt ein Gef hl daf r, was f r den Patienten in welcher Situation angemessen ist und kann intuitiv entscheiden, welche bestimmte Pflegemassnahme in dieser Situation die richtige ist. Dies sind Erfahrungen, die nicht in einem Buch nachgeschlagen oder anderweitig belegt werden k nnen. Eine Pflegeperson ben tigt, ber die Erfahrung welche zu intuitiven Handlungen f hren hinaus, Fach- und Feldkompetenz, muss wichtige Probleme in der Praxis wahrnehmen k nnen, Kenntnisse haben, warum sie wie wann welche Handlung macht und ob Empfehlungen nachvollziehbar sind. Des Weiteren sollen die Entscheidungen reflektiert getroffen sowie eine angemessene Kommunikation mit Behandlungsteam und Patient/Angeh rige gefunden werden.

10 Die Expertise ist abh ngig von der Pflegephilosophie sowie von dem konkreten Aufgabengebiet, Expertise in onkologischer Kinderkrankenpflege. Kontext ( ussere Faktoren) Beim Kontext spielt die Struktur des Gesundheitswesen eine wesentliche Rolle: Hat die Klinik den Auftrag der Maximal- oder Grundversorgung? Handelt es sich um eine Einrichtung der Langzeitpflege oder der h uslichen Pflege? Unter welchen Arbeitsbedingungen, wie Anzahl Pflegepersonen, sollen die Pflegeleistungen erbracht werden? Ebenso beeinflussen rechtliche Verpflichtungen die Umweltbedingungen sehr stark. Die Verpflichtung zum Qualit tsmanagement ist dabei ein wesentlicher Faktor. 135a, Abs1, SGB V schreibt vor, die Leistungserbringer sind zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualit t der von ihnen erbrachten Leistungen verpflichtet.


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