Transcription of EXKURSIONSSEMINAR
1 Fachbereich Jugend und Politik | Lautenschlagerstr. 20, 70173 Stuttgart | Tel. 07 11/16 40 99-0 | | Intrinsische und extrinsische Motivation Online- Artikel der Wirtschaftspsychologischen Gesellschaft Quelle: , zuletzt aufgerufen am 2 Intrinsische und extrinsische Motivation Sind zus tzliche Anreize und Belohnungen wirklich die beste Art zu motivieren? Sollte eine T tigkeit selbst nicht besser so gestaltet sein, dass sie von sich aus motiviert? Die Antworten dazu in diesem Kapitel. Die vorangehenden Kapitel haben auch Ans tze zur Motivation beschrieben, die stark auf Anreize von au- en wie Geldbelohnungen bauen.
2 Motivation aufgrund von zus tzlichen Anreizen von au en bezeichnet man in der Psychologie als extrinsische Motivation. Dem gegen ber steht Motivation aus einer T tigkeit selbst, die intrinsische Motivation. Um diese unterschiedlichen Quellen der Motivation geht es in diesem Kapitel. Grenzen von rein extrinsischer Motivation Ans tze zur Motivation, die stark auf Anreize von au en wie Geldbelohnungen bauen, betrachten den Men-schen als konomischen Akteur. Nach dieser Auffassung m chte der Mensch ausschlie lich den eigenen (finanziellen) Nutzen maximieren. Derartige Ans tze und Annahmen h ren sich h ufig auf den ersten Blick vern nftig und rational an.
3 Bei genauerem berlegen tauchen aber schnell sehr kritische Fragen dazu auf: Warum spenden so viele Menschen anonym Geld? Warum arbeiten zahlreiche Menschen ehrenamtlich, ohne irgendein Geld zu bekommen? Warum findet berfl ssiges Konsumverhalten statt, das Geld vernich-tet aber nicht bringt? Warum heiraten Menschen aus Liebe, warum gibt es Kunst und Schmuck und wieso ist das Fernsehprogramm so wie es ist? Wie k nnte es all das geben, wenn Menschen vor allem an Geld interessiert w ren? Offenbar speist sich die Motivation zu vielen T tigkeiten aus Antrieben, die der kono-mischen Perspektive nicht bekannt sind, aus Antrieben die sich nicht nur auf Geld beziehen.
4 Intrinsische Motivation Betrachtet man menschliches Verhalten, dann ist es h ufig nicht rational auf irgendwelche Zwecke gerich-tet: Die Motivation f r ein Verhalten muss nicht au erhalb eines Verhaltens liegen, sondern kann im Ver-halten selbst liegen. Anders ausgedr ckt: Menschen wollen nicht nur Autofahren, um von Punkt A zu Punkt B zu kommen, sondern es reicht mitunter einfach Freude am Fahren . Und diese Freude gibt es nat rlich auch an vielen anderen aus konomischer Sicht vollkommen unvern nftigen Dingen, wie ehrenamtlicher Arbeit, riskantem und teurem Sport oder aufw ndigem Kochen. Diese Freude an einer T tigkeit selbst be-zeichnet man in der Psychologie als intrinsische Motivation.
5 Unterschiede von extrinsischer Motivation und intrinsischer Motivation Was genau sind jetzt die Unterschiede zwischen extrinsischer Motivation und intrinsischer Motivation, wie kommen diese Motivationen zu Stande und was bedeutet das f r die Motivation in der Praxis? Folgende Abbildung zeigt ein Modell zum berblick. 3 Intrinsische Motivation und extrinsische Motivation von Verhalten Diese Elemente und Beziehungen stellt das Modell dar: Menschen zeigen Verhalten. Beispielsweise programmiert ein Mitarbeiter an einer Software. Dieses Verhalten hat von sich aus Ergebnisse, Verhaltensergebnisse.
6 In unserem Beispiel eine Soft-ware, die elegant programmiert ist, stabil l uft und wie definiert funktioniert. Zus tzlich zu diesen Verhaltensergebnissen k nnen noch Konsequenzen f r die Ergebnisse (und das Verhalten) gesetzt werden. Das k nnen sein: Das Team des Programmierers bewundert ihn f r seine Leistung, der Vorgesetzte lobt ihn, er bekommt eine Beteiligung am mit der Software erwirt-schafteten Umsatz. Extrinsische Motivation ist eine Auswirkung von Verhaltensergebnissen und Konsequenzen f r Verhal-ten. Sowohl die Verhaltensergebnisse als auch die zus tzlichen Konsequenzen f r die Verhaltenser-gebnisse liegen nicht im Verhalten selbst, sondern au erhalb.
7 Sie erfolgen zudem meist zeitlich dahin-ter, erst wenn das Verhalten abgeschlossen ist (und sei es in Form von Zwischenzielen). Extrinsische Motivation wirkt daher sozusagen von hinten aus zuk nftigen Erwartungen. Ein Mitarbeiter wird durch diese Erwartungen und Versprechungen sozusagen durch das Verhalten gezogen, man kann es als Pull-Effekt bezeichnen. Selbst wenn jemand berhaupt keine Lust auf eine T tigkeit an sich hat und nicht motiviert ist, kann er mit Erwartungen f r Verhaltensergebnisse und Konsequenzen aus den Er-gebnissen durch diese T tigkeit gezogen werden. Intrinsische Motivation ist eine Auswirkung des Verhaltens an sich.
8 Sie liegt im Verhalten selbst, er-folgt zeitgleich und nicht zus tzlich. So wird der Programmierer, w hrend er die Software erstellt, beispielsweise merken, dass er kompetent ist (Kompetenzerleben), Freiraum haben, alles selber zu entscheiden (Autonomie), und das Gef hl haben, etwas sehr wichtiges zu tun (Bedeutsamkeit). Das sind Beispiele f r in einer Aufgabe selbst liegende Aspekte, die motivierend wirken in dem Fall auf die intrinsische Motivation. In der Tabelle sind die wesentlichen Eigenschaften von extrinsischer Motivation und intrinsischer Motivati-on nochmals zusammengefasst.
9 Intrinsische Motivation Extrinsische Motivation Intrinsische Motivation bezieht sich auf Moti-vation, die aus einer Aufgabe selbst ent-springt, etwa weil diese als Bedeutsam wahr-genommen wird und Freiraum bei den Ent-scheidungen bietet. Personen die aus intrinsicher Motivation Ver-halten zeigen, sind im Vergleich mit extrin-sisch motivierten Personen zufriedener mit ihrer T tigkeit (genie en den Weg), verfolgen die Ziele hartn ckiger, freuen sich mehr ber das Erreichen eines Zieles und kommen bes-ser mit Misserfolg zurecht ( Sheldon et al., 2004). Das sieht nach guten Gr nden aus, auf intrinsische Motivation zu setzen.
10 Extrinsische Motivation, speist sich aus den Ergebnissen eines Verhaltens (etwa einem hochwertigen Ergebnis) und zus tzlichen Kon-sequenzen von au en typischerweise Anrei-zen wie Geld oder Strafen. Auch Lob und Aner-kennung von anderen sind klassische extrinsi-sche Anreize. Dazu z hlt alles, was von au er-halb eines Verhaltens selbst kommt, um das Verhalten zu motivieren. Extrinsische Motivation ist, wenn man es hart formuliert, daher eher eine Alternative, wenn es nicht gelingt, Arbeitst tigkeiten selbst motivie-rend genug zu gestalten oder wenn man die falschen Mitarbeiter ausgew hlt hat, die keinen eigenen Antrieb mitbringen.