Transcription of Expressionismus - jhelbach.de
1 Expressionismus1 ExpressionismusGEORG HEYMZu einer Vorrede (1910)Zu einer Zeit, wo der sakrale Kadaver eines St. George und das berschminkte Frauenzimmer MariaRilke auf dem n chtlichen Parna , vor einem erstaunten Monde ein gr nliches Marionettenspielauff hren - w hrend auf den B nken davor, die gesamten j dischen Literaturhistoriker ihrebegeisterten Federn ber das Papier spritzen lassen, -in dieser traurigen Zeit wage ich michverstohlen mit einem kleinen Buche hervor, das vielleicht den Beifall der wenigen Freunde derKunst finden wird, die nicht aus Schw che die Binger t nerne Pagode anbeten oder dem PragerGecken seine Worte f r Gedichte GOLL berrealismus berrealismus ist die st rkste Negierung desRealismus.
2 Die Wirklichkeit des Scheins wirdentlarvt, zugunsten der Wahrheit des Seins. Masken": grob, grotesk, wie die Gef hle, derenAusdruck sie sind. Nicht mehr Helden", sondernMenschen, nicht Charaktere mehr, sondern dienackten Instinkte. Ganz nackt. Um ein Insekt zukennen, muss es seziert werden. Der Dramatiker istein Forscher, ein Politiker und ein Gesetzgeber; als berrealist statuiert er Dinge aus einem fernen Reichder Wahrheit, die er erhorchte, als er das Ohr an dieverschlossenen W nde der Welt ist heute der geistigste Humor, also die besteWaffe gegen die Phrasen, die das ganze Lebenbeherrschen. Der Mensch redet in seinem Alltag fastimmer nur, um die Zunge, nicht um den Geist inBewegung zu setzen.
3 Wozu soviel reden, und dasalles so ernst nehmen! Der Alltagsmensch ist dazudermassen empfindlich, dass er sich f r irgendeinriechendes Wort beleidigt f hlt und den Tod zurRache in die Wagschale wirft. Die dramatische Alogik soll alle unsere Alltagss tze l cherlichmachen, die mathematische Logik und selbst die Dialektik in ihrer tiefsten innerlichstenVerlogenheit treffen. Gleichzeitig wird Alogik dazu dienen, das zehnfache Schillern einesmenschlichen Gehirns zu zeigen, das das eine denkt und das andre spricht und sprunghaft vonGedanke zu Gedanke schweift, ohne den geringsten scheinbar-logischen aber kein Flenner, kein Pazifist und kein Heilsarmist zu sein, muss der Dichter euch ein paarPurzelb ume vormachen, damit ihr wieder Kinder werdet.
4 Denn was will er: euch Puppen geben,euch spielen lehren und dann die S gcsp ne der kaputten Puppen wieder in den Wind sch des Dramas? Geschehnisse sind in sich so stark, dass sie aus sich selber wirken. EinMensch auf der Strasse berfahren: ein Erlebnis, hart und unwiderruflich in das Weltlebenhineingeschleudert. Warum nennt man tragisch nur den Tod eines Menschen? Es kann ein Gespr chvon f nf S tzen mit einer Unbekannten viel tragischer f r deine Ewigkeit werden. Das Drama sollohne Anfang und Ende sein, wie alles hinieden. Aber irgendwann h rt es auf, warum? Nein, es gehtdas Leben weiter, das weiss jeder. Das Drama h rt aber deshalb auf, weil ihr m de geworden seid,alt in einer einzigen Stunde, und weil die Wahrheit, das st rkste Gift f r das menschliche Herz, nurin sehr kleinen Dosen verschluckt werden WERFELF remde sind wir auf der Erde alleT tet euch mit D mpfen und mit Messern,Schleudert Schrecken, hohe Heimatworte,Werft dahin um Erde euer Leben!
5 Die Geliebte ist euch nicht Lande werden zu Gew ssern,Unterm Fu zerrinnen euch die gen St dte aufw rts sich gestalten,Niniveh, ein Gottestrotz von Steinen?Ach, es ist ein Fluch in unserm Wallen ..Fl chtig mu vor uns das Feste fallen,Was wir halten, ist nicht mehr zu halten,Und am Ende bleibt uns nichts als sind, und Fl chen sind geduldig ..Staunen, wie wir auf und nieder wird alles, wo wir zum Sein noch Mein sagt, ist sind wir, und uns selber schuldig,Unser Teil ist: Schuld, sie zu begleichen!M tter leben, da sie uns das Haus ist, da es uns Blicke, da sie uns der Schlag des Herzens ist geliehen!Fremde sind wir auf der Erde Alle,Und es stirbt, womit wir uns HEYMDer Krieg(1911)Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,Aufgestanden unten aus Gew lben der D mmrung steht er, gro und unbekannt,Und den Mond zerdr ckt er in der schwarzen den Abendl rm der St dte f llt es weit,Frost und Schatten einer fremden der M rkte runder Wirbel stockt zu wird still.
6 Sie sehn sich um. Und keiner wei .In den Gassen fa t es ihre Schulter Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht der Ferne zittert ein Gel ute d nn,Und die Barte zittern um ihr spitzes den Bergen hebt er schon zu tanzen an,Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an!Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,Drum von tausend Sch deln laute Kette h Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,Wo der Tag flieht, sind die Str me schon voll sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,Von des Todes starken V geln wei die Nacht er jagt das Feuer querfeldein,Einen roten Hund mit wilder M uler dem Dunkel springt der N chte schwarze Welt,Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand mit tausend hohen Zipfelm tzen weitSind die finstren Ebnen Hackend berstreut,Und was unten auf den Stra en wimmelnd flieht,St t er in die Feuerw lder, wo die Flamme brausend die Flammen fressen brennend Wald um Wald,Gelbe Flederm use, zackig in das Laub gekrallt,Seine Stange haut er wie ein K hlerknechtIn die B ume.
7 Da das Feuer brause gro e Stadt versank in gelbem Rauch,Warfsich lautlos in des Abgrunds riesig ber gl hndcn Tr mmern steht,Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht. ber sturmzerfetzter Wolken Widerschein,In des toten Dunkels kalten W stenein,Da er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,Pech und Feuer tr ufet unten auf TRAKLV erkl rter HerbstGewaltig endet so das JahrMit goldnem Wein und Frucht der G schweigen W lder wunderbarUnd sind des Einsamen Gef sagt der Landmann: Es ist Abendglocken lang und leiseGebt noch zum Ende frohen Vogelzug gr t auf der ist der Liebe milde Kahn den blauen Flu hinunterWie sch n sich Bild an Bildchen reiht -Das geht in Ruh und Schweigen Abend t nen die herbstlichen W lderVon t dlichen Waffen, die goldnen EbenenUnd blauen Seen, dar ber die SonneD strer hinrollt.
8 Umf ngt die NachtSterbende Krieger, die wilde KlageIhrer zerbrochenen M stille sammelt im WeidengrundRotes Gew lk, darin ein z rnender Gott wohnt,Das vergo ne Blut sich, mondne K hle;Alle Stra en m nden in schwarze goldnem Gezweig der Nacht und SternenEs schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,Zu gr en die Geister der Helden, die blutenden H upter;Und leise t nen im Rohr die dunklen Fl ten des stolzere Trauer! ihr ehernen Alt re,Die hei e Flamme des Geistes n hrt heute ein gewaltiger Schmerz,Die ungebornen BENNS atzbauAlle haben den Himmel, die Liebe und das Grab,damit wollen wir uns nicht befassen,das ist f r den Kulturkreis besprochen und aber neu ist, ist die Frage nach dem Satzbauund die ist dringend:warum dr cken wir etwas aus?
9 Warum reimen wir oder zeichnen ein M dchendirekt oder als Spiegelbildoder stricheln auf eine Handbreit B ttenpapierunz hlige Pflanzen, Baumkronen, Mauern,letztere als dicke Raupen mit Schildkr tenkopfsich unheimlich niedrig hinziehendin bestimmter Anordnung? berw ltigend unbeantwortbar!Honoraraussicht ist es nicht,viele verhungern dar ber. Nein,es ist ein Antrieb in der Hand,ferngesteuert, eine Gchirnlage,vielleicht ein versp teter Heibringer oder Totemtier,5 Expressionismusauf Kosten des Inhalts ein formaler Priapismus1,er wird vor bergehn,aber heute ist der Satzbaudas Prim re. Die wenigen, die was davon erkannt" - (Goethe) -wovon eigentlich?Ich nehme an: vom GOLLK lner DomSteinkohle statt GoldDie Fische und die nackten NymphenSterben im romantischen Wasser aus ber die Br cke fahren nur Trauerz geIn S rgen wird das letzte Gold geschmuggeltDer Osten exportiert seine Fr hsonneAurora ist kein Frauenname mehrDoch pa t er gut f r eine AktiengesellschaftWir kamen von Frankreich ber den Bahnhof hinaus fuhr unser Zug in den K lner DomDie Lokomotive hielt vor dem AllerheiligstenUnd kniete sanftTote kamen direkt ins ParadiesPetrus English spoken" auf dem rmel, bekam ein gutes TrinkgeldDie glasgemalten Engel telephoniertenUnd flogen hin ber zur Cox-BankDollarschecks einzul senGegen Mittag wurde ein neuer Zug gen Warschau LASKER-SCH LERIn der Morgenfr heIch gehe an Mandelb umen vorbei.
10 Aber die bl hen in den G rten fremder H user, und die Fenstersind noch geschlossen hinter Spitzengeweben. Ich bin unendlich m de, gewohnheitsm ig bewegensiel meine F e vorw rts, Maschinen sind es, und sie m ten eigentlich u verh llt in blauenSandalen gehen, denn sie sind von goldzagem Wandel, wie die Sonne, die aufstieg. Ich kenne dieMenschen nicht, die mir begegnen, ich weiche ihrem D nkel aus, und ich brauche nur meinengrauen Mantel abzulegen, um K nig zu sein. Ich bin unendlich m de, ich glaube, ich bin im tiefstenLeben erkrankt, aber die Vor bergehenden merken es nicht, sie heben auf, was l rmend auf denStra en liegt, aber h ren nicht das schmerzliche Murmeln, das t dliche Verrauschen einer Seele.