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Geschichte der Nachhaltigkeit

Geschichte der Nachhaltigkeit Vom Werden und Wirken eines beliebten Begriffes von Edmund A. Spindler 1. Ein junger Begriff mit langer 2. Wurzeln in der deutschen 3. Nachhaltigkeit in der 5. 6. Rio und die 7. Nachhaltige Entwicklung in Europa und 9. Darstellung und Inhalt der 11. Tourismus und 19. Zur 21. Einleitung Selten hat ein Begriff so schnell und tiefgreifend Karriere gemacht, wie der Begriff der Nachhaltigkeit . In relativ kurzer Zeit ist der Fachbegriff zu einer vieldeutigen Meta- pher bei aktuellen Problembeschreibungen geworden. Er ist in fast allen Themen- spektren zu finden und niemand scheut sich mehr, den sperrigen Breitbandbegriff . (Vogt 2010, S. 1) zu verwenden. Vor allem im Zusammenhang mit der Wirtschaft ge- nie t der Begriff eine herausgehobene Popularit t.

Gladenbacher Oberlandforstmeister Georg Ludwig Hartig (1764-1837). Er schrieb in seiner „Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forste“ 1804: „Es lässt sich ... „Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz“ kann heute als generelles Motto der Nachhaltigkeit gelten.

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  Ludwig, Geschichte, Nachhaltigkeit, Geschichte der nachhaltigkeit

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1 Geschichte der Nachhaltigkeit Vom Werden und Wirken eines beliebten Begriffes von Edmund A. Spindler 1. Ein junger Begriff mit langer 2. Wurzeln in der deutschen 3. Nachhaltigkeit in der 5. 6. Rio und die 7. Nachhaltige Entwicklung in Europa und 9. Darstellung und Inhalt der 11. Tourismus und 19. Zur 21. Einleitung Selten hat ein Begriff so schnell und tiefgreifend Karriere gemacht, wie der Begriff der Nachhaltigkeit . In relativ kurzer Zeit ist der Fachbegriff zu einer vieldeutigen Meta- pher bei aktuellen Problembeschreibungen geworden. Er ist in fast allen Themen- spektren zu finden und niemand scheut sich mehr, den sperrigen Breitbandbegriff . (Vogt 2010, S. 1) zu verwenden. Vor allem im Zusammenhang mit der Wirtschaft ge- nie t der Begriff eine herausgehobene Popularit t.

2 Im Bereich der kologisch orien- tierten konomie hat er ganz wesentlich die Forschung belebt und ist zum Aus- gangspunkt einer neuen Betrachtungsweise geworden. Von einem Paradigmenwech- sel wird hier sogar schon gesprochen und Nachhaltigkeit als Innovationstreiber . (Hollmann-Peters 2011, S. 18) gesehen. Die zunehmende Diskussion ber globale Umweltprobleme (vgl. Chasek et al. 2006) hat diesen Trend noch verst rkt und weiter gepr gt. Der Begriff nachhaltige Entwicklung' erfreut sich also scheinbar schier unbegrenzter Beliebtheit. Er geh rt wie ein Textbaustein in jede Rede ber die Zukunft unserer Ge- sellschaft, dient als Slogan der Politiker, besch ftigt immer fter Juristen, ist ein Me- gathema unter den Wissenschaftlern und wird zunehmend in den Leitungsgremien von Unternehmen diskutiert.

3 (Reidel 2010, S. 96). Die oft unbedarfte und breite Verwendung des Containerbegriffes (Vogt 2009, S. 111 und Reidel 2010, S. 98) Nachhaltigkeit macht ihn zu einem schillernden Begriff, ber den es sich lohnt nachzudenken. Immerhin wird Nachhaltigkeit schon zum ka- tegorischen Imperativ zeitgem er Sch pfungsverantwortung (Vogt 2010, S. 7) stili- siert und das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert der nachhaltigen Entwicklung (Krei- bich 2011, S. 47) gek rt. Hinzu kommt, dass die Schweiz das erste Land der Welt ist, die den Begriff der Nachhaltigkeit in der Verfassung verankert hat (vgl. Grober 2010, S. 204). Seit 1. 1. 2000 hei t es in Artikel 2: Die schweizerische Eidgenossenschaft f rdert die gemein- same Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes.

4 1. Der Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens ist in den letzen Jahren zu einem politi- schen Schl sselbegriff geworden. Wer heute etwas erreichen will, muss demonstrie- ren, dass er oder sie es nachhaltig zu tun gedenkt. (Diefenbacher et al. 1997, S. 21). Im Bereich der Hochschulen hat sich dies bereits manifestiert (vgl. de Haan (Hrsg.). 2007 und aktuell Kless 2010). nennt sich seit kurzem die Fachhochschule Eberswalde Hochschule f r nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) und wirbt mit dem Slogan Unser Name ist Programm ( ). Hier wird auch der Master- Studiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement angeboten. Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr. Das Thema Nachhaltigkeit geht nicht mehr weg. Nachhaltigkeit ist ein Thema f r die zeitgem e Bestimmung von Fort- schritt und Verantwortung, Freiheit und Kultur geworden.

5 (Bachmann 2010, S. 2). Deshalb k nnen Sprachforscher und Wissenschaftler behaupten, Nachhaltigkeit hat sich als neuer Begriff in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weltweit fest etabliert (vgl. Reidel 2010, S. 95). Mit der Beliebtheit des Begriffes wachsen aber auch die Zweifel, ob die mit der Nachhaltigkeit versprochene Harmonie von kologischen, sozialen und konomischen Zielen berhaupt erreichbar ist. Zumal das Wort Nachhaltigkeit in das mediale Feuerwerk der Reklamesprache geraten ist. Nachhaltigkeit der Di t', nach- haltige Befreiung der Kopfhaut von Schuppen', nachhaltiger Ausbau der Kapitalkraft'. nichts ist unm glich. (Grober 2010, S. 16). Nachhaltigkeit ist ein Mode- und Fremdwort , aber auch ein Schimpf- und Lobes- wort zugleich (Reidel 2010, S. 97 und S.)

6 99). Doch wo kommt der Begriff her, was steckt dahinter und wie wird er gebraucht? Einige ausgew hlte Stationen zum Begriff der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung sollen hier aufgezeigt und mit einschl gigen Literaturquellen belegt wer- den. Ein junger Begriff mit langer Geschichte Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung (sustainable development) hat Wurzeln in allen Kulturen; schon die Indianer haben nachhaltig gelebt. Beleg daf r ist ein See in S damerika, dessen Name Manchau gagog changau gagog chaugo gagog amaug sinngem lautet: Wir fischen auf unserer Seite, ihr fischt auf eurer Seite und niemand fischt in der Mitte.. Diese offensichtlich einfache Anweisung f r den nachhaltigen Umgang mit lebensnotwendigen Ressourcen (Schreiber 2004) zeigt, dass hinter Nachhaltigkeit eine berlebensstrategie steht.

7 Deutlich wird dies auch im Allmende-Denken (vgl. Chasek et al. 2006, S. 24f), in der Bewirtschaftung von Gemeing tern (engl. Commons), was Nachhaltigkeitsbewusstsein, Verantwortungs- gef hl und Respekt vor der Natur zeigt. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist vor allem in b uerlichen Kulturen seit der Antike eine Selbstverst ndlichkeit (vgl. Vogt 2009, S. 114). Die Wurzeln des Begriffes liegen im Jagdwesen, als J ger und Sammler sich darum bem hten, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Das alte deutsche Wort Nachhalt' bezeichnete fr her jene Vorr te, die f r Notzeiten zur ckgelegt wurden. (Reidel 2010, S. 102). Der Terminus nachhaltig bzw. nachhalten wird gegen Ende des 18. Jahrhunderts als Ableitung aus dem Substantiv Nachhalt' (eigentlich R ckhalt, was man zur ck- 2. h lt) nachgewiesen (Vogt 2009, S.)

8 S. 116). Alltagssprachlich wird nachhaltig auch heute noch im Sinne von dauerhaft wirksam gebraucht. Auch in der Bibel ist mit dem Gebot, der Mensch sollte die Erde bebauen und bewah- ren (Genesis 2, 15), ein Urtext von Nachhaltigkeit formuliert (Grober 2010, S. 55). Wurzeln in der deutschen Forstwirtschaft Im 18. Jahrhundert wurde Nachhaltigkeit erstmals als Grundsatz in der deutschen Forstwirtschaft formuliert. Der erste niedergeschriebene Gedanke zur Nachhaltigkeit stammt vom s chsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714). aus Freiberg (Sachsen). In seinem 1713 ver ffentlichten Werk Sylvicultura Oecono- mica, oder Hau wirtschaftliche Nachricht und Naturgem e Anweisung zur Wilden Baum-Zucht fordert er eine Form der Holzwirtschaft, bei der immer nur so viel Holz geschlagen wird, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann.

9 Er spricht von nachhaltender Nutzung der W lder und pl diert daf r, .. einen Anbau des Holzes anzustellen, dass es eine kontinuierliche, best ndige und nachhaltige Nutzung gebe. (vgl. Schretzmann et al. 2006, S. 68). Das Werk von Hans Carl von Carlowitz ist umso bemerkenswerter, als es mit einem volkswirtschaftlichen Blick geschrieben wurde. Offenbar erkannte man schon damals, dass der Wald nicht von der Forstwirtschaft alleine gerettet werden kann, sondern nur von der Volkswirtschaft insgesamt. Ulrich Grober spricht hier von der Aufgabe der Gesellschaft (Grober 2010, S. 94). Dieser Blick auf das Ganze ist kennzeich- nend f r den Begriff der Nachhaltigkeit , weshalb hier gerne von einem Prozess . (Chasek et al. 2006, S. 425) bzw. einer prozesshaften Begriffsbestimmung gespro- chen wird.

10 Zu den fr hen Wegbereitern der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft z hlt auch der Gladenbacher Oberlandforstmeister Georg ludwig Hartig (1764-1837). Er schrieb in seiner Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forste 1804: Es l sst sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den W ldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so hoch als m glich, doch so zu benutzen suchen, dass die Nachkommenschaft we- nigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet. ( ). Hieraus ergibt sich, dass die forstwirtschaftliche Nachhaltigkeit bzw. die nachhaltige Waldbewirtschaftung kein eigenst ndiges Ziel ist.


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