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Bindungsst rungen Material zur Systemischen Arbeit in Erziehung und Betreuung Helmut Johnson , April 2006 Institut Johnson Im H fchen 1 57250 Netphen Tel 02738-8318 Fax 02738-2691 eMail Internet Version Institut Johnson 2 Inhalt Erster Teil Bindungsst rungen von Helmut Johnson Sichere Bindung Erscheinungsformen (Symptome) von Bindungsst rungen A. In den ersten drei Lebensjahren B. Im Vorschulalter C. Schulalter bis zur Pubert t D. Adoleszenz bis Erwachsensein Abgrenzung gegen ber anderen St rungen Die Betreuung von Menschen mit Bindungsst rungen Ablauf der Bindungsentwicklung mit einer Ersatz- Bindungsperson, wenn die Kinder oder Jugendlichen nicht in der Familie wohnen 1. Phase: Eine Bindungsperson einbauen 2. Phase: Grenzen setzen, Regeln und Strukturen vorgeben 3.

Bindungsstörungen Material zur Systemischen Arbeit in Erziehung und Betreuung Helmut Johnson, April 2006 Institut Johnson Im Höfchen 1

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1 Bindungsst rungen Material zur Systemischen Arbeit in Erziehung und Betreuung Helmut Johnson , April 2006 Institut Johnson Im H fchen 1 57250 Netphen Tel 02738-8318 Fax 02738-2691 eMail Internet Version Institut Johnson 2 Inhalt Erster Teil Bindungsst rungen von Helmut Johnson Sichere Bindung Erscheinungsformen (Symptome) von Bindungsst rungen A. In den ersten drei Lebensjahren B. Im Vorschulalter C. Schulalter bis zur Pubert t D. Adoleszenz bis Erwachsensein Abgrenzung gegen ber anderen St rungen Die Betreuung von Menschen mit Bindungsst rungen Ablauf der Bindungsentwicklung mit einer Ersatz- Bindungsperson, wenn die Kinder oder Jugendlichen nicht in der Familie wohnen 1. Phase: Eine Bindungsperson einbauen 2. Phase: Grenzen setzen, Regeln und Strukturen vorgeben 3.

2 Phase: Den Stiefmutterkonflikt vermeiden - Elternarbeit 4. Phase: Reifung Ambulante Betreuung bei Kindern und Jugendlichen mit Bindungsst rungen Schlussbemerkung Zweiter Teil - Material zur Bindungstheorie von Ursula Johnson Bedeutung von Bindung Bindungsforscher Forschungsergebnisse Literatur 3 Bindungsst rungen Systemische Arbeit in Erziehung und Betreuung Bindungsst rungen entstehen, wenn das Kind in den ersten drei Lebensjahren keine sichere Bindung zu einem erwachsenen Menschen entwickeln kann. Sichere Bindung Ein kleines Kind braucht neben der Versorgung mit Nahrung, Kleidung, Wickeln, usw. den Austausch die Kommunikation mit anderen Menschen. Wenn au er der notwendigen u- eren Versorgung keine weiteren Kommunikationsangebote gemacht werden, entwickelt sich das Kind nicht weiter. Die Entwicklungsst rung kann sogar soweit gehen, dass das Kind stirbt.

3 Kommunikation mit anderen Menschen ist f r das berleben des Kindes ebenso not-wendig wie die Versorgung mit Nahrung. Eine gesunde und stabile Pers nlichkeitsentwicklung erfordert dar ber hinaus einige zus tzli-che Faktoren in der Anbindung des Kindes an einen oder mehrere erwachsene Menschen. 1. Das Kind braucht eine Hauptbezugsperson, die es mit angenehmen Gef hlen verbinden kann. Diese Person erkennt es am Geruch, an der Stimme, am Geschmack, daran wie sie sich anf hlt und sp ter auch am Aussehen. In den meisten F llen ist diese Person die Mutter. Auch andere Personen k nnen in der fr hen Phase des Lebens f r das Kind wichtig sein. Wenn es aber viele gleichrangige Personen sind, entstehen St rungen. 2. Der wichtigste Austausch zwischen Kind und Bezugsperson verl uft ber K rperkontakt. Sprache oder Kommunikation auf Distanz spielt zun chst noch eine untergeordnete Rolle.

4 Werden entsprechende Zeichen ( durch Schreien) vom Kind abgegeben, endet die Reakti-on in der Regel bei einem K rperkontakt. ber den K rperkontakt bertragen Kind und Er-wachsener gleichzeitig ihre jeweiligen Befindlichkeiten auf den anderen. 3. Das kleine Kind, das noch nicht sprechen kann, gibt Zeichen ber seine Befindlichkeiten ab. Wenn die Bezugsperson einf hlsam ist, versteht sie diese Zeichen und reagiert dement-sprechend darauf. Im Laufe ihrer Beziehung entwickeln Kind und Bezugsperson ein (vor-sprachliches) Zeichensystem, mit dem sie sich verst ndigen. Dieses Verst ndnis vermittelt dem Kind ein urspr ngliches Gef hl von Sicherheit und Urvertrauen. 4. Ein kleines Kind ist auf ein u eres Gef ge von Versorgung und Sicherheit angewiesen. Es hat noch kein inneres Gef ge, mit dem es sich selbst ber ein unangenehmes Bed rfnis hin-weghelfen kann.

5 Deshalb ist es notwendig, dass die Bezugsperson m glichst weitgehend verf gbar ist und dass damit die Bindung von Kontinuit t gekennzeichnet ist. 5. In der fr hen Bindung werden Befindlichkeiten und Gef hle gegenseitig bertragen, ohne dass das Kind daf r einen Filter hat. Eine sichere Bindung entsteht nur dann, wenn die er-wachsene Person ein eindeutig positives Gef hl f r das Kind hat ( Mutterliebe ). 6. Sicherheit f r das Kind kann nur aus Sicherheit bei der erwachsenen Bindungsperson ent-stehen. Deshalb braucht eine sichere Bindung das Generationenbewusstsein beim Erwachse-nen: der Erwachsene ist erwachsen das Kind ist Kind. 7. Sicher gebundene Kinder entwickeln exploratives Verhalten. Die Bindung zu ihrer Bezugs-person ist eine Art Startrampe f r die Erforschung der Welt. Von der erwachsenen Bindungs-person erfordert das explorative Verhalten des Kindes ein st ndiges Abw gen zwischen 4 Gew hrenlassen, Unterst tzung und Grenzsetzung.

6 Unsicherheit in der Abw gung oder feh-lende Grenzsetzung f hren zu St rungen in der Entwicklung. 8. Exploratives Verhalten im Zusammenhang einer sicheren Bindung bildet die Grundlage f r soziales Lernen. Im Bindungszusammenhang verarbeitet das Kind Wahrnehmungen zu Erfah-rungen. Dabei bernimmt es nicht nur die Verarbeitungsstrategien seiner Bindungsperson sondern auch deren Einstellungen, Bewertungen und Werte. Erscheinungsformen (Symptome) von Bindungsst rungen A. In den ersten drei Lebensjahren Das Fehlen einer sichern Bindung f hrt beim Kind zu Dauerstress im Gehirn, der drei grund-s tzliche Reaktionsarten nach sich ziehen kann: 1. Sich selbst ausschalten, 2. beraktives, unruhiges Verhalten, 3. aggressives und destruktives Verhalten gegen ber Sachen und Perso-nen. Zu 1. Im ersten Lebensjahr ist das Kind ausdruckslos, stumpf und reagiert nicht auf Anregun-gen von au en.

7 Zus tzlich neigt es zu Infektionen. Manche Kinder entwickeln erste Stereoty-pien ( Kopfschaukeln). Oft essen die Kinder schlecht und sind untergewichtig. In extre-men F llen sterben die Kinder ohne sichtbaren Grund. Im zweiten und dritten Lebensjahr zei-gen sich Entwicklungsverz gerungen gegen ber Gleichaltrigen. Insbesondere f llt dies bei der Sprachentwicklung und h ufig auch bei der Sauberkeitsentwicklung auf. Typische Ursachen sind : Hospitalisierung , starke Vernachl ssigung wegen fehlender pers nlicher Reife der Eltern, postnatale (nachgeburtliche) Psychose der Mutter und damit verbundene Unf higkeit, das Kind anzunehmen. Starke k rperliche Gewaltanwendung der Eltern gegen ber dem Kind. Zu 2. Das Kind wirkt von Anfang an nerv s und unruhig, es schreit viel. Manche Kinder ha-ben Probleme damit, das Essen bei sich zu behalten.

8 Im zweiten und dritten Lebensjahr k n-nen Sprachfehler auftreten. In dieser Phase wirken die Kinder hektisch und beraktiv. Im Ge-gensatz zu Kindern mit normalem explorativen Verhalten fehlt bei ihnen die zwischenzeit-liche Kontaktaufnahme und damit R ckkopplung zu ihrer Bindungsperson. Die Kinder k n-nen f r l ngere Zeit allein sein, ohne nach ihrer Bindungsperson zu suchen. Der gr te Teil der sp ter mit ADS bzw. ADHS diagnostizierten Kinder geh rt zu dieser Gruppe!! Typische Ursachen sind : Fehlende Stabilit t und viel Unruhe in den u eren Lebensbe-dingungen, fehlende emotionale Stabilit t oder emotionale Ambivalenz der Bindungsperso-nen. berforderung des Kindes durch zu wenig Einf hlungsverm gen und oft zu hohe Anfor-derungen durch die Bindungsperson. Zu wenig Kontinuit t in der Betreuung, evtl. h ufig wechselnde Bezugspersonen.

9 Zu 3. Aggressionen gegen ber Dingen und Personen entwickeln sich erst nach dem ersten Lebensjahr. Sie sind immer Ausdruck von Angst. Ursache dieses Verhalten bei Kindern ist oft erlebte Gewalt, sei es gegen ber sich selbst oder zwischen bzw. gegen ber seinen Bezugspersonen. Gewaltt tig aggressives Verhalten seitens der Bindungspersonen hat besonders f r das sp tere Sozialverhalten des Kindes einen starken Modellcharakter. 5 B. Im Vorschulalter Die drei beschriebenen Reaktionsarten lassen sich auch hier noch beobachten. In diesem Alter werden die Moral und die kulturellen Werte der erwachsenen Bezugspersonen bernommen. Demzufolge zeigen sich jetzt die St rungen auch im Sozialverhalten. Zu 1. Es zeigen sich bei den Kindern autistische Z ge . Sie von sich aus nehmen weder zu Erwachsenen noch zu Kindern Kontakt auf.

10 Die Verz gerung in der Sprachentwicklung wird noch deutlicher. In besonders schweren F llen entwickelt das Kind keine Sprache. Die Kinder wirken behindert. Wenn in dieser Phase keine Besserung in der Bindungssituation eintritt, kann daraus eine irreparable geistige Behinderung entstehen. Zu 2. In diesem Alter wird ADHS zum erstenmal augenscheinlich. Die Kinder zeigen deut-liche Konzentrationsschw chen. Andere Kinder im Kindergarten spielen nicht gerne mit ihnen zusammen, weil sie sich nicht an Regeln halten. Das Kind wird zum Au enseiter. Auf die Versuche von Grenzsetzungen durch Eltern und Erzieher reagiert es nur begrenzt oder gar nicht. Eltern und Erzieher zeigen sich mit der Betreuung berfordert. Vom Kindergarten wird fter der Besuch eines Kinderarztes empfohlen, oft beginnt in diesem Alter die enge Be-ziehung zur Kinder- und Jugendpsychiatrie.


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