Transcription of Lehrhilfen E 20587 3/2007
1 Durch eigene Beobachtungen, Ge-spr che und Erfahrungen konntefestgestellt werden, dass im Sport-unterricht das Raufen und K mpfennur sehr sparsam oder gar nichtunterrichtet wird. Es besteht seitensvieler Sportlehrer aus unterschied-lichsten Gr nden eine gewisse Zu-r ckhaltung gegen ber der Anwen-dung des K mpfens. Daf r gibt esverschiedene Gr nde. Dass Sch lerdem Bewegungsfeld Raufen undK mpfen ablehnend gegen ber-stehen, kann nicht best tigt wer-den. Studenten und Referendare berich-teten mit Stolz von ihren Erfolgenim Praktikum, wenn sie im Sport-unterricht mit den Sch lern raufenkonnten. Sie erz hlten auch davon,wie erstaunt ihre Mentoren auf dasThema reagierten.
2 In empirischen Untersuchungen ei-ner Feldstudie von Riede (2001),Birke (2004) und K stner (2005)konnte ann hernd bereinstim-mend festgestellt werden, dass esan den Lehrern liegt, die ihre Vorbe-halte u ern. Auf die Frage, ob siedas Raufen jemals in ihrem Sport-unterricht durchgef hrt h tten, ver-neinten die meisten. hnlich geringwaren die Kenntnisse dazu. Hierliegt nach meiner Meinung einerder Hauptgr nde f r die geringeBeachtung das Thema Raufenund K mpfen wird als solcheskaum wahrgenommen oder einge-setzt, denn .. man kann Jungen nach einerKampfstunde kaum noch b ndi-gen, die Rangeleien wirken bis indie Pause weiter; wenn Sch ler aus h heren Klas-sen k rperlich berlegen sind,verliert man als Lehrkraft seineAutorit t; wenn man keine Kampfsportartbeherrscht, ist man im Nachteilbeim K mpfen; es gibt Schwierigkeiten im Prob-lemfeld von N he und Distanz,sowie der Ann herung zwischenJungen und M dchen, besondersab den Klassenstufen sieben undaufw Aufz hlung lie e sich fortset-zen.
3 Um die Argumente zu entkr f-ten und einen g nstigen Ansatz zufinden, bedarf es einiger Vor ber-legungen. Lehrhilfen f r den sportunterricht, Schorndorf, 56 (2007), Heft 3 Seite 1 AUS DEM INHALT:Uwe Mosebach:Raufen und K mpfen im Sportunterricht.. 1 Claire Lambrecht /Thomas Woznik:K mpfen ein Weg zum Miteinander? Eine Unterrichtsreihe in Klasse 5 .. 7 LehrhilfenE 20587 Lehrhilfen3/2007f r den sportunterrichtSt ndige Beilage zur Zeitschrift sportunterricht Herausgeber: Deutscher Sportlehrerverband e. Postfach 1360 73603 SchorndorfRaufen und K mpfen im SportunterrichtUwe MosebachDer Beitrag befasst sich, auch vor dem Hintergrund j ngster Diskussionen zur Gewalt an Schulen, mitgrundlegenden Positionen, Ratschl gen und M glichkeiten zum Thema Raufen und K mpfen.
4 DieErarbeitung eines didaktisch-methodischen Grundkonzepts stellt eine M glichkeit dar, das Themaauch als Nichtkampfsportler umzusetzen. Raufen geh rt zu den urspr nglichen Bewegungsformen,die beispielsweise Geschwisterkinder schon von klein auf kennen und die man im positiven Sinne imSchulsport nutzen berlegungenDie Sichtweise der Sch ler, der imUnterricht Raufenden und K mp-fenden , und die Sichtweise derLehrkr fte m ssen in gleicherWeise bedacht werden. Um sich aufein gemeinsames Ausgangsniveauder Diskussion zu begeben, werdendie Begriffe gekl rt. Unter Raufenversteht man eineForm des k rperlichen Zwei-kampfs. Das geschieht spiele-risch, fair und unter ann herndgleichwertigem emotionalemZustand (freudbetont) der Be-teiligten.
5 Raufen kann man beiKindern h ufig h lt man sich gewisserma- en stillschweigend an Regelnder Fairness, die vorher nichtabgesprochen werden m ssen. Das K mpfenmarkiert einen bergeordneten Aspekt. BeimK mpfen werden Regeln undRituale vereinbart, aber auchKampftechniken wie Training, Wettbe-werb, Sieg und Niederlage pr gen das K mp-fen. Das K mpfen tr gt demzu-folge sportlichen Charakter. Raufen wird als Vorstufe zumK mpfen gesehen. Danach folgt alseine h here Qualit t die Einf h-rung von Kampfsportarten. Dieseunterscheiden sich nach der Dis-tanz der K Raufen und K mpfen erfordertK rperkontakt und wird der Nah-distanz zugeordnet. In einem The-menheft zum Zweik mpfen wur-de von Happ (1998) berzeugendherausgearbeitet, dass die Nahdis-tanz g nstige Vorraussetzungen f rden Schulsport und f r den Bewe-gungsdialog schafft.
6 Die k mpferi-sche Auseinandersetzung zwischenMenschen birgt nach Binhack(1998) eine riskante Offenheit insich, die durch das Raufen und spie-lerische Formen entsch rft ler in der Pubert t haben imkoedukativen Unterricht anf nglichHemmungen, miteinander zu rau-fen. Sie werden sich der Ver nde-rungen ihres K rpers kann zur Distanz f spielerische Elemente, Grup-pen und Mannschaftswettbewerbe(Beispiel: Raufball) berwindetman diese Distanz allm hlich. Aus eigener Erfahrung muss betontwerden, dass beim Raufen in ho-hem Ma sowohl Kondition alsauch Koordination geschult wer-den. Raufen und K mpfen ist belas-tend und anspruchsvoll, so wie derSportunterricht sein die Vor berlegungen muss mandie Problemfelder K rper, Ge-schlecht, Pubert t und soziales Um-feld einbeziehen; zus tzlich sind ma-terielle Voraussetzungen (Matten,Bekleidung) und Aspekte der Un-fallvermeidung zu bedenken.
7 Hiersei nur auf Letzteres eingegangen. SicherheitsaspekteZur Methodik des Raufens im Schul-sport geh ren auch Regelungen zurGew hrleistung der Sicherheit der benden und zur Unfallvermei-dung. Diese m ssen an den Anfangeiner Stunde gesetzt und kontrol-liert werden. Gelingt es, Sch ler zuEigenverantwortung, Eigenkontrol-le bzw. Sicherheitsroutine zu er-ziehen, erleichtert das wesentlichdie erlernt man auf Matten. Siesind das wichtigste Sportger t; aushygienischen Gr nden sollten dieMatten nicht mit Sportschuhen be-treten werden. Auf einen korrektenMattenaufbau muss man achten. Alsg nstige Unterlage f r die Mattengelten Schwingb den bzw. Parkett. Die Bekleidungbeim Raufen sollim Anf ngerbereich aus rei festem,belastbarem Material bestehen.
8 Kur-ze Turnhosen und T-Shirts sind vorallem im koedukativen Unterrichtungeeignet. Bei kurzer Bekleidungbesteht au erdem die Gefahr vonschmerzhaften Hautabsch rfungen,dem so genannten Mattenbrand .Es d rfen keine Kleidungs- oderSchmuckst cke aus Metall am K r-per bleiben. Das kann zu Riss- undSchnittunf llen f hren. Langes Haarh lt man mit einem weichen Mate-rial zusammen (Haargummi o..).Grunds tzlich ist das Tragen metal-lisscher Gegenst nde am K rper imZweikampf auf Grund des hohenVerletzungsrisikos berklebte Piercings (analoges giltf r Ohrringe) k nnen dem Tr gerWunden zuf gen. Lange Fingern -gel brechen/rei en ein oder f hrenbeim bungspartner zu Verletzun-gen. Sportlehrkr fte haben vor al-lem bei lteren Sch lerinnen dasProblem, zwischen Eitelkeit undVerletzungsgefahr zu vermitteln.
9 Grundz ge des bensEs ist g nstig, im Prozess des bensprinzipiell im Bodenkampfzu be-ginnen und erst sp ter das Raufenim Stand einzuf hren. Im Stand-kampf besteht eine gr ere Verlet-zungsgefahr, die u. a. mit dem St r-Raufen und K mpfen im SportunterrichtSeite 2 Lehrhilfen f r den sportunterricht, Schorndorf, 56 (2007), Heft 3 Abb. 1: Differenzierungen zum KampfsportKAMPFSPORTK ampfdistanzNahdistanzFerndistanzringkamp f hnliche Disziplinenschie ende DisziplinenHalbdistanzKampfsportarten mit Formen des BoxensWeitere Differenzierungen: Kampfsportdisziplinen mit Formen des Fechtens Kampf und Spiele (Rugby) Kampf ohne k rperlichen Kontakt (Schach)zen und Fallen-K nnen zusammen-h ngt. Das Raufen am Boden l sstSch ler auf Bewegungserfahrun-gen zur ckgreifen.
10 Ein Transfervom spielerischen zum k mpferi-schen Element l sst sich in Boden-kampfturnieren leicht Zweikampf muss man auf an-n hernd gleiche Gewichtsklassenachten. Der Bodenkampf ist kondi-tionell sehr belastend, kleinere Pau-sen m ssen eingehalten der Fairnessim Gegnerver-halten gibt es zwei geht von der Lehrkraft aus undfordert f r alle die sofortige Kampf-unterbrechung. Dadurch wird diep dagogische F hrung der bunggew hrleistet. Das zweite Signalgeht vom Sch ler aus; meist ein Ab-klopfen als Zeichen der Aufgabeoder Unterbrechung. Damit kann ineiner bedenklichen Situation soforteine Trennung erfolgen. In bungsstunden, in denen ge-rauft werden soll, muss sich derLehrer zur cknehmen und dieSch ler ben lassen.