Example: quiz answers

Manfred Cramer: Case Management im Bereich …

[ ] Seite 1. Manfred cramer : case Management im Bereich psychischer St rungen case - Management (CM) wird als strategische Aufgabe verstanden. Sie hat sich ber die Hilfe bei chronischen Krankheiten, bei drohender Behinderung und die Hilfe f r Behinderte im letzten Jahrhundert entwickelt. Strukturelle, organisatorische und nan- zielle Probleme des Sozialwesens (inkl. des medizinischen Bereichs) haben zun chst in den USA und Kanada, etwas sp ter auch in Westeuropa dazu beigetragen, CM pro- minent zu machen. CM hat sich vor allem dort entwickelt, wo die Betroffenen und ihre Helfer in der Regel nicht in der Lage sind, Hilfen ressourcensparend, bed rfnisgerecht und dauerhaft wirksam zu etablieren. Diese Erwartung stellt sich aber bei den meis- ten komplexen Hilfsangeboten. CM wird vor allem bei Behinderungen wichtig, die die emotionalen und intellektuellen F higkeiten von Patienten/Klienten tangieren. Deswe- gen spielt CM im Bereich der geistigen Behinderung und der psychischen St rungen eine besondere Rolle.

Seite 2 ' FH Fulda 2002 / PDF-Text-Download von [www.ibrp-online.de] • Stand: 24.10.02 Seite 2 von 12 [Case Management im Bereich psychischer Störungen]

Tags:

  Management, Case, Cramer, Bereich, Manfred, Manfred cramer, Case management im bereich

Information

Domain:

Source:

Link to this page:

Please notify us if you found a problem with this document:

Other abuse

Advertisement

Transcription of Manfred Cramer: Case Management im Bereich …

1 [ ] Seite 1. Manfred cramer : case Management im Bereich psychischer St rungen case - Management (CM) wird als strategische Aufgabe verstanden. Sie hat sich ber die Hilfe bei chronischen Krankheiten, bei drohender Behinderung und die Hilfe f r Behinderte im letzten Jahrhundert entwickelt. Strukturelle, organisatorische und nan- zielle Probleme des Sozialwesens (inkl. des medizinischen Bereichs) haben zun chst in den USA und Kanada, etwas sp ter auch in Westeuropa dazu beigetragen, CM pro- minent zu machen. CM hat sich vor allem dort entwickelt, wo die Betroffenen und ihre Helfer in der Regel nicht in der Lage sind, Hilfen ressourcensparend, bed rfnisgerecht und dauerhaft wirksam zu etablieren. Diese Erwartung stellt sich aber bei den meis- ten komplexen Hilfsangeboten. CM wird vor allem bei Behinderungen wichtig, die die emotionalen und intellektuellen F higkeiten von Patienten/Klienten tangieren. Deswe- gen spielt CM im Bereich der geistigen Behinderung und der psychischen St rungen eine besondere Rolle.

2 I. Allgemeine Angaben zum case - Management Es ist bereinstimmender Befund der entsprechenden Literatur, dass gerade Perso- nen mit schwerwiegenden und vielf ltigen Schwierigkeiten (sog. komplexen Proble- men) in der Regel nur dann gut geholfen wird, wenn ihnen auch bei der Zusammenstel- lung der verschiedenen Hilfen geholfen wird. Und: Die einzelnen Hilfen, die oftmals parallel erbracht werden, m ssen f r den Betroffenen partizipativ und ersichtlich auf- einander abgestimmt werden. Beispiel: Stellen Sie sich vor, Ihnen f llt ein Stein auf den Kopf. Nach einem l ngeren Aufenthalt in einer chirurgischen Klinik werden Sie entlassen. Ihnen ist zwar geholfen worden, Sie sind aber keineswegs gesund. Denn Sie leiden aufgrund der Kopfverlet- zung an einer Narbenepilepsie und an intellektuellen Beeintr chtigungen. Nur vage k nnen Ihnen die rzte sagen, ob die Narbenepilepsie ausheilt. Dies alles macht sie h u g depressiv. An Studium oder Arbeit ist gar nicht zu denken.

3 Dies f hrt zu Proble- men mit der Universit t, mit ihren Eltern, ihrem Partner. Und letztlich k nnen Sie die Miete auch nicht mehr bezahlen. Was nun? Werden Sie behindert? Wir haben bewusst ein nicht-psychiatrisches Beispiel gew hlt. Denn die ersten Versu- che mit CM kamen vor 100 Jahren in der Behindertenhilfe auf. Schon damals erkann- ten einige Fachleute, dass jede Behinderung auch eine soziale Konstruktion ist. Dies meint : Die Art der Behinderung (k rperlich, geistig, seelisch) sagt nicht unbedingt etwas ber die F higkeiten und M glichkeiten einer behinderten Person aus. Personen mit mehr oder minder identischen Problemen und F higkeiten k nnen entweder selbst- st ndig leben oder dauerhaft als Sozialstaatsklient in einem Heim untergebracht sein. Fragt man, woher solche Unterschiede kommen, ist man ziemlich schnell bei unserem bis heute aktuellen Thema, n mlich der guten Hilfe. Sie hat einen wichtigen Baustein, das case - Management . FH Fulda 2002 / PDF-Text-Download von [ ] Stand: Seite 1 von 12.

4 [ case Management im Bereich psychischer St rungen] Seite 2. Auf den ersten Blick ist die G te der Hilfe bei komplexen Problemen von drei Faktoren abh ngig: a. individuelles Hilfesuchverhalten Das Hilfesuchverhalten ist in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger geworden. Dies hat im Wesentlichen zwei Gr nde. Einmal vertrauen die normalen Menschen den Helfern heute weniger im obrigkeitsh rigen Sinn. Dieser Vertrauensschwund zeigt sich in nachlassender Folgsamkeit. Geschwundene Folgsamkeit ist letztlich ein Produkt von Demokratisierung der Gesellschaft. Viele Menschen wollen heute eine zweite Meinung h ren . Sie reagieren weniger entlang dem Slogan: Fragen Sie ihren Hausarzt . Sie wollen es selber (mit-) entscheiden. Demokratisierung hat aber nicht nur die Mentalit t der normalen Menschen, sondern auch die der professionellen Helfer ver ndert. Pauschal gesagt entwickeln sie sich in Richtung auf mehr oder minder spezi- alisierte Dienstleister. Im Ergebnis wird heute weniger von Professionellen entschieden, was man bei diesem oder jenem Problem zu tun hat.

5 Dies m ssen die Betroffenen heute selbstst ndiger entscheiden. Und dies meint, dass sie gerade bei komplexen Problemen ihr Hilfe-Arrangement oft selbst zusammenstellen m ssen. b. Organisation der Hilfe Die Hilfeeinrichtungen haben sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich spezi- alisiert und vor allem im ambulant-komplement ren Bereich vermehrt. In Grosst d- ten hat diese Entwicklung dazu gef hrt, dass auch die professionellen Helfer in ihren speziellen Einrichtungen nur vage wissen, welche Hilfe vergleichbare Einrichtungen anbieten. Von daher macht es f r einen normalen Menschen h u g wenig Sinn, einen Mitarbeiter einer Einrichtung zu fragen, an was man denn sonst noch denken k nne, welche Alternativen oder Konsequenzen es bei diesem oder jenen Hilfesuchverhalten gibt. Im negativen Ergebnis kann dies dazu f hren, dass beide, Betroffene und Helfer, ein widerspr chliches Hilfe-Arrangement etablieren. c. Zusammenstellung der Hilfen insgesamt Personen mit einem schwerwiegenden Problem haben vielf ltige Schwierigkeiten, sich ihre Hilfen in den Zentralbereichen Gesundung (bzw.)

6 Leben mit der Behinderung), Lebenswelt, Wohlbe nden, Einkommen, Quali kation und Arbeit zu arrangieren und die eventuellen Konsequenzen ihrer jeweiligen (Teil-) Entscheidungen zu berblicken. Man k nnte denken, dass doch genau dazu die professionellen Helfer ausgebildet sein m ssten, dass sie daf r da sind. Diese allt gliche Vorstellung ist naiv. Eine Unzahl von Untersuchungen zeigt, dass mit der Zunahme an Differenzierung und Spezialisierung ein kluges Hilfearrangement ber die jeweilig anderen Zentralbereiche des individu- ellen Lebens von den professionellen Helfern in ihren spezialisierten Einrichtungen kaum zu erwarten ist. FH Fulda 2002 / PDF-Text-Download von [ ] Stand: Seite 2 von 12. [ case Management im Bereich psychischer St rungen] Seite 3. Vier Elemente von CM. Ein kurzer Blick in die entsprechende Geschichte hilft, Aufgabe und Funktion zu erkennen. Dabei geht es uns nicht darum, eine m glichst pr zise De nition von CM. herauszustellen; wir werden sehen, dass dies kaum m glich und sinnvoll ist.

7 Es geht uns dabei darum, die wesentlichen Elemente von CM verst ndlich zu machen. In Deutschland kamen die ersten CM-Praktiken vor gut 100 Jahren als Alternative zur damalig oftmals kasernenartig organisierten Behindertenhilfe auf. Die Idee war, mit pragmatischen, rehabilitativen Hilfestellungen solchen behinderten Personen zu helfen, deren Biogra e ansonsten unbefriedigend verl uft. Mit anderen Worten: Im Unterschied zu Behandlung bzw. Therapie wurde Rehabilitation als biogra sch und alltagsweltlich angelegte Form der Hilfe verstanden. Nach dem 2. Weltkrieg diente der organisatorische Aspekt von CM als wichtige Begr ndung zum Aufbau der regionali- sierten Allgemeinen Sozialdienste (ASD). Die Idee war, dass der ASD als gemeinde- nahe Anlaufstelle f r alle wesentlichen Leistungen nach dem heutigen Sozialgesetz- buch integrative, betreuerische und beratende Funktionen zu bernehmen habe. Damit sind die ersten drei Elemente von CM benannt: Unterst tzende Betreuung von behinderten bzw.

8 Von Behinderung bedrohter . Personen parallel zu rehabilitativen Hilfestellungen Erstellung notwendiger Hilfepl ne. Solche Planungen werden oftmals notwen- dig, wenn ein Suchtproblem mit Folgeproblemen in den Vordergrund tritt und auch die Abfolge von Hilfen wie eine langfristige Planung mitbedacht wer- den mu . Koordinierung der verschiedenen Hilfeleistungen. Hinter dieser Notwendigkeit steckt folgendes Problem: Nicht selten widersprechen sich die verschiedenen Hilfsangebote. Beispiel: Es kann Sinn machen, einen Studenten wegen mittelgradiger Suizidgefahr ber einen l ngeren Zeitraum tagesklinisch zu behandeln. Diese Sinngebung kann aber im Widerspruch dazu stehen, dass der Student in dem selben Zeitraum die letzte Chance hatte, aufwendige Diplom-Wiederholungspr fungen abzulegen. In diesem Fall w re es f r den Studenten sehr wichtig gewesen, zwischen Tagesklinik der psychiatri- schen Ambulanz und der Pr fungskommission des Fachbereiches so zu koordinieren, dass der Student nicht exmatrikuliert wird.

9 Formal gesagt wird die Erstellung von Hilfepl nen dann notwendig, wenn eine erfor- derliche rehabilitative Hilfe in einem Zentralbereich des Lebens ( Gesundung von Sucht) offene Frage in einem anderen Zentralbereich ( Partnerschaft oder Arbeits- platz) nach sich zieht. In anderen Worten gesagt: die Erstellung von Hilfepl nen ist dann notwendig, wenn ein komplexer Hilfebedarf vorliegt. In den letzten Jahrzehn- ten ist ein weiteres CM-Element hinzugekommen. Es kann aus folgendem Sachverhalt erkl rt werden: Wie gesagt haben sich in den letzten Jahrzehnten die Hilfsangebote derart quali ziert und differenziert, dass deren Inanspruchnahme scheinbar unerwar- tete Konsequenzen mit sich bringen kann, deren Bew ltigung dem Klientel berlassen ist. FH Fulda 2002 / PDF-Text-Download von [ ] Stand: Seite 3 von 12. [ case Management im Bereich psychischer St rungen] Seite 4. Beispiel: Nach einer erfolgreichen Bypass-Operation folgen blicherweise rehabili- ative Anschlussverfahren.

10 Werden auch diese einigermassen erfolgreich durchlaufen, entsteht f r berufst tige Klienten eine offene Frage: Soll ich weiter arbeiten - oder soll ich mich verrenten lassen? Beides ist f r Berufst tige m glich. Beide Optionen haben ihre spezi schen Konsequenzen. Damit ist das vierte Element benannt: Bereitstellung des Erfahrungswissen und des Sachwissens zu den Konsequenzen des jeweiligen komplexen Hilfsangebots. Die Argumentation in diesem Abschnitt kann zusammengefasst so gelesen werden, dass CM eine auf die Person zentrierte (individualisierte) Leistung aushandelt. Gutes CM kann nur gelingen, wenn dies partnerschaftlich gemacht wird. Zu fragen ist dabei immer, was ein Klient kann, und wo er Unterst tzung braucht. Entlang dieser Leit- linien wird ein Hilfeplan auf der Basis von notwendigen Hilfe-Fragmenten erstellt. Dabei wird der zu erwartende Ertrag, werden die Kosten und Konsequenzen f r die Zentralbereiche des Lebens der Person re ektiert und ber cksichtigt.