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Metaethik - ein systematischer Überblick

1 Nico ScaranoMetaethik - ein systematischer berblick(aus: Handbuch Ethik, hrsg . v. M. D well, C. H benthal, M. H. Werner,Stuttgart/Weimar 2002, 25-35)1. Normative Ethik, deskriptive Ethik und MetaethikDer Gegenstand der Ethik ist die Moral. Als Ethiken k nnen demnach Theorienbezeichnet werden, die sich mit den verschiedenen Aspekten des Ph nomensMoral auseinander setzen. Nun gibt es jedoch zu diesem Ph nomen sehrunterschiedliche Zugangsweisen. Insofern lassen sich auch verschiedene Typenvon Ethiken bzw. Moraltheorien voneinander abgrenzen. Einerseits gibt esnormative Ethiken, die selbst moralische Urteile formulieren und zu begr ndenversuchen ( ), und andererseits gibt es deskriptive Ethiken, die keinemoralischen Urteile f llen, sondern ihren Gegenstand, die Moral, in seinenunterschiedlichen Aspekten und Erscheinungsformen lediglich beschreiben ( ).

(aus: Handbuch Ethik, hrsg. v. M. Düwell, C. Hübenthal, M. H. Werner, Stuttgart/Weimar 2002, 25-35) 1. Normative Ethik, deskriptive Ethik und Metaethik Der Gegenstand der Ethik ist die Moral. Als „Ethiken“ können demnach Theorien bezeichnet werden, die sich mit den verschiedenen Aspekten des Phänomens Moral auseinander setzen.

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1 1 Nico ScaranoMetaethik - ein systematischer berblick(aus: Handbuch Ethik, hrsg . v. M. D well, C. H benthal, M. H. Werner,Stuttgart/Weimar 2002, 25-35)1. Normative Ethik, deskriptive Ethik und MetaethikDer Gegenstand der Ethik ist die Moral. Als Ethiken k nnen demnach Theorienbezeichnet werden, die sich mit den verschiedenen Aspekten des Ph nomensMoral auseinander setzen. Nun gibt es jedoch zu diesem Ph nomen sehrunterschiedliche Zugangsweisen. Insofern lassen sich auch verschiedene Typenvon Ethiken bzw. Moraltheorien voneinander abgrenzen. Einerseits gibt esnormative Ethiken, die selbst moralische Urteile formulieren und zu begr ndenversuchen ( ), und andererseits gibt es deskriptive Ethiken, die keinemoralischen Urteile f llen, sondern ihren Gegenstand, die Moral, in seinenunterschiedlichen Aspekten und Erscheinungsformen lediglich beschreiben ( ).

2 Neben diesen beiden Theorietypen hat sich seit Beginn des zwanzigstenJahrhunderts mit der Metaethik ( ) eine eigenst ndige Disziplin herausgebildet,zu deren Zielen es geh rt, die begrifflichen Grundlagen f r die wissenschaftlicheAuseinandersetzung mit dem Ph nomen Moral bereitzustellen. Die Metaethikbildet insofern die Grundlage sowohl f r den normativen als auch f r dendeskriptiven Zugang zur Normative EthikenDer Ausgangspunkt jeder ethischen Theorie bildet die Frage Was ist Moral? .Diese l sst sich zum einen als eine Frage danach verstehen, worin denn die richtige Moral besteht. Welche Handlungsweisen sind moralisch erlaubt,welche verboten, welche moralisch indifferent? Wie m ssen unseregrundlegenden politischen Institutionen beschaffen sein, damit sie untermoralischen Gesichtspunkten als legitim gelten k nnen? Es geh rt zum2 Aufgabenbereich der normativen Ethik, die Frage nach der Moral auf eine solcheWeise zu stellen und entsprechende Antworten zu suchen.

3 So er rtert sie alspersonale Ethik Prinzipien einer moralkonformen Lebensf hrung, thematisiert alspolitische Ethik das Ideal einer gerechten Gesellschaft oder diskutiertbeispielsweise im Bereich der angewandten Ethik die Haltung der modernenMedizin gegen ber Leben und Tod. Solche Untersuchungen sind Teil einernormativen Theorie der Moral, geh ren also zur normativen divergieren moralische Auffassungen und Ideale von Epochezu Epoche, von Kultur zu Kultur. Dennoch lassen sich auch Gemeinsamkeiten,sich durchhaltende Elemente, feststellen. Und es ist nicht unangemessen, eineAntwort auf die Frage nach dem Wesen der Moral in diesem Kernbestandmoralischer Gemeinsamkeiten zu suchen. Eine der Hauptaufgaben der Ethikbesteht darin, solche Elemente zu formulieren und eine Begr ndung f r ihreepochen- und kulturunabh ngige Geltung auszuarbeiten. Ob sie nun Antwortenauf Fragen der individuellen Lebensf hrung sucht, f r dr ngende politischeHerausforderungen Bewertungskriterien formuliert oder ob sie f r eineuniversalistische Geltung moralischer Normen argumentiert: Die normative Ethikbefindet sich auf der Suche nach der richtigen Moral.

4 Auch wenn es dieunterschiedlichsten Arten normativer Ethiken gibt, die sich den verschiedenstenGegenstandsbereichen zuwenden und in unterschiedlichen philosophischenTraditionen verwurzelt sind, so ist ihnen doch allen das Merkmal gemeinsam,dass sie selbst moralische Urteile f llen und insofern moralisch nicht neutral Deskriptive EthikenNeben dem normativen Teil der Theorie der Moral, der normativen Ethik, gibt esjedoch auch Disziplinen, die sich demselben Gegenstand mit einer ganz anderenAbsicht zuwenden. Von solchen Disziplinen kann nicht gesagt werden, sie seienauf der Suche nach der richtigen Moral. Vielmehr versuchen sie in ihrerBesch ftigung mit der menschlichen Moral gegen ber normativen FragenNeutralit t zu wahren. Ihr Ziel besteht darin, die vielf ltigen Aspekte und3 Erscheinungsformen dieses Ph nomens zu beschreiben und f r sie Erkl rungenauszuarbeiten.

5 Die Frage Was ist Moral? wird durch die normativen Antwortender Ethik n mlich nicht ersch pft. Wenn wir wissen wollen, welche Rolle dieMoral in unserem Leben spielt, wenn wir erkl ren m chten, was es hei t,moralischen Regeln zu folgen oder sich von seinen moralischen berzeugungenleiten zu lassen, um also die Grundlagen unserer moralischen Praxis zu erfassen,kommt es zun chst nicht darauf an, welches die richtige Moral ist. Vielmehrfragen wir dann nach den allgemeinen Grundz gen, nach der Natur von Moral berhaupt. Auf diese Weise betrachtet, scheint Moral beziehungsweise scheintunsere F higkeit zur Moral eine anthropologische Konstante zu sein. Zwarvariieren von Gesellschaft zu Gesellschaft die Inhalte der moralischenVorstellungen und Ideale. Ebenso sind innerhalb der Biographie jeder PersonEntwicklungen feststellbar, es k nnen Br che, vielleicht sogar moralischeKonversionen auftreten.

6 Und auch das h ufig anzutreffende Ph nomen des Streitsum moralische Fragen zeigt eine zumindest relative Offenheit der Moral in bezugauf ihre m glichen Inhalte. Aber der Stellenwert, den das Ph nomen f r dasmenschliche Handeln hat, bleibt trotz dieser Divergenzen in einem gewissen Sinnder gleiche. Es sollte also eine Beschreibungsebene geben, auf der die Frage nachder richtigen Moral noch keine Rolle spielt, auf der das Faktum menschlicheMoral als solches beschrieben werden kann. Untersuchungen, die sich auf dieseArt der Moral als einem nat rlichen Ph nomen zuwenden, versuchen, soweit wiem glich deskriptiv vorzugehen, ihren Untersuchungsgegenstand also auf normativneutrale Weise zu beschreiben. Diese Verpflichtung auf normative Neutralit tmag auf den ersten Blick als eine Einschr nkung empfunden werden. Letztlich istsie jedoch eine Grundbedingung f r das angemessene Verst ndnis eineskomplexen und vielschichtigen Ph nomens.

7 Erst durch die methodische Trennungkann es zu einem wechselseitigen Erg nzungsverh ltnis zwischen denunterschiedlichen Disziplinen r einen deskriptiven Zugang zur Moral gibt es die verschiedenstenAnsatzpunkte. So versuchen beispielsweise kulturanthropologische Studien dieMoralsysteme gegenw rtiger oder vergangener Kulturen zu erfassen. IhreAufmerksamkeit gilt einer empirischen Beschreibung der Moral einzelner4 Gesellschaften. Solche Studien nehmen in der Regel eine eher observationelle,eine beobachtende Haltung gegen ber ihrem Gegenstandsbereich ein (vgl. f reinige Beispiele Rippe 1993, Teil III). Demgegen ber versuchen anderewissenschaftliche Disziplinen gegen ber demselben Ph nomen einen st rkerexplanativen, einen erkl renden Ansatz zur Geltung zu bringen. Aus einersoziologischen Perspektive werden beispielsweise die gesellschaftlichenFunktionen moralischer Konventionen in den Blick genommen und zu erkl renversucht.

8 Was genau leisten moralische Normen f r die Integration vonGesellschaften, und wie hat sich deren Funktion mit dem Entstehen modernerGesellschaften gewandelt? Inwieweit braucht es f r die Beschreibung derFunktionsweise der Gesellschaft berhaupt die Bezugnahme auf die moralischenBeweggr nde und Erwartungen ihrer Mitglieder? Indem sie solche Fragen zubeantworten sucht, n hert sich die Soziologie dem Ph nomen Moral gleichsamaus einer Au enperspektive (vgl. die entsprechenden Studien von NiklasLuhmann ). Andere Disziplinen richten ihren Blick weniger auf dieGesellschaftssysteme als Ganze, sondern auf die sie konstituierenden Individuen,auf die einzelnen moralischen Subjekte und deren psychische Struktur. Einwichtiger Forschungszweig der Moralpsychologie widmet sich beispielsweise derUntersuchung des Erwerbs unserer moralischen Kompetenzen. Gegenstand dieserTheorien ist unser Verm gen, moralische Urteile zu f llen und ihnen gem zuhandeln.

9 Eines ihrer Leitziele besteht darin, f r die Entwicklung diesesVerm gens die ma geblichen Gesetzm igkeiten zu finden (vgl. beispielsweisedie Untersuchungen von Jean Piaget und Lawrence Kohlberg). Soziologische undpsychologische Erkl rungsans tze zum Ph nomen Moral sind jedoch nicht dieeinzig denkbaren. So untersucht ein weiterer moraltheoretischer Ansatz dasEntstehen der Moral aus einer evolutionstheoretischen Perspektive, sucht alsonach einer Erkl rung f r das Auftreten von Moral und moral hnlichenPh nomenen in der Entwicklung der Arten. Die Soziobiologie ist eine Disziplin,die sich in den letzten Jahren verst rkt um eine solche Sichtweise bem , soziologische, psychologische sowieevolutionstheoretische Untersuchungen sind vier Beispiele f r eine deskriptiveHerangehensweise an das Ph nomen Moral. Die menschliche Moral ist also nicht5allein Gegenstand normativer Disziplinen, sie kann auf vielf ltige Weise auchzum Gegenstand deskriptiv arbeitender Wissenschaften werden.

10 Mit demnormativen und dem deskriptiven Zugang zur Moral stehen zwei einandererg nzende Betrachtungsweisen zur Verf gung, die sich offensichtlichvoneinander unterscheiden lassen, obgleich die genauen Abgrenzungskriteriennicht unstrittig Die MetaethikDas wesentliche Unterscheidungskriterium zwischen normativen und deskriptivarbeitenden Theorien der Moral liegt in der Art, wie sie sich auf moralischeUrteile beziehen. Verdeutlichen l sst sich der Unterschied anhand folgenderBeispiele:(1) Foltern ist in manchen F llen moralisch legitim. (2) In der Gesellschaft a ist zum Zeitpunkt t die Mehrzahl der Personen davon berzeugt, dass foltern in manchen F llen moralisch legitim ist. (3) Es besteht ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einerautorit ren Erziehung und dem Ausbilden der berzeugung, dass foltern inmanchen F llen moralisch legitim ist.


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