Transcription of Synkopen - AWMF
1 AWMF-Registernummer: 030/072. AWMF-Registernummer: 030/113. Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie publiziert bei Synkopen Entwicklungsstufe: S1. Federf hrend: Prof. Dr. Rolf R. Diehl, Essen Herausgegeben von der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft f r Neurologie Synkopen Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie Version Vollst ndig berarbeitet: 15. Januar 2020. G ltig bis: 14. Januar 2025. Kapitel: Anf lle und Bewusstseinsst rungen Zitierhinweis Diehl R. et al., Synkopen , S1-Leitlinie, 2020, in: Deutsche Gesellschaft f r Neurologie (Hrsg.), Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: (abgerufen am ). Korrespondenz Im Internet Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie DGN 2020 | Seite 2.
2 Synkopen Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie Was gibt es Neues? Der implantierbare Ereignisrekorder (ILR) hat als Diagnostikum bei ausgew hlten Patienten mit mutma lichen vasovagalen Synkopen an Bedeutung gewonnen. Die ISSUE-3-Studie wies nach, dass Patienten im Alter > 40 Jahre mit Asystolie-Aufzeichnungen im ILR im Rahmen wiederkehrender vasovagaler Synkopen von Zweikammer-Schrittmachern profitieren. Hiermit lie sich das absolute Risiko erneuter Synkopen moderat um 32 % reduzieren (Brignole et al. 2012; Sutton et al. 2014). Die wichtigsten Empfehlungen auf einen Blick Diagnostik Die rationale Abkl rung von kurzen Bewusstseinsverlusten (TLOC, transient loss of consciousness ) umfasst eine Basisdiagnostik und ggf.
3 Weiterf hrende Untersuchungen. Die Basisdiagnostik beinhaltet eine detaillierte Anamnese und Fremdanamnese, eine k rperliche Untersuchung, ein 12-Kanal-EKG und einen aktiven Stehtest ber mindestens 3 Minuten (verk rzter Schellong- Test). Aus der Basisdiagnostik kann sich der Verdacht auf eine nicht synkopale Genese eines kurzfristigen Bewusstseinsverlusts ergeben (z. B. Epilepsie, TIAs, psychogene Anf lle). Dieser Verdacht ist durch entsprechende weiterf hrende Untersuchungen bzw. Ausschlussdiagnostik weiter abzukl ren. Bereits nach der Basisdiagnostik k nnen verschiedene Synkopenursachen wie kardiale Synkopen , vasovagale Synkopen , orthostatische Hypotension, posturales Tachykardiesyndrom mit ausreichender Sicherheit eingegrenzt werden.
4 Weiterf hrende Diagnostik (au er ggf. zur Aufkl rung der Ursachen oder zur Therapieplanung) ist bei diesen Patienten nicht erforderlich. Die Basisdiagnostik bildet auch die Grundlage f r die Identifizierung von Hochrisikopatienten, die unverz glich einem kardialen Monitoring zugef hrt werden sollten. Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie DGN 2020 | Seite 3. Synkopen Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie Der Verdacht auf kardiale Synkopen sollte gezielt durch weiterf hrende kardiologische Diagnostik abgekl rt werden (Langzeit-EKG, externer oder implantierbarer Ereignisrekorder, Echokardiographie, Ergometrie, elektrophysiologische Untersuchung). Der klinische Verdacht auf eine vasovagale (synonym: reflektorische).
5 Synkope muss nicht weiter abgekl rt werden, wenn Synkopen selten sind und ohne ernsthafte Verletzungen ablaufen. Die klinische Verdachtsdiagnose von orthostatischen vasovagalen Synkopen kann, falls klinisch erforderlich, durch einen positiven Kipptischbefund gest tzt werden. Bei rezidivierenden Synkopen ohne Prodromi und mit Verletzungsgefahr sollte ein implantierbarer Ereignisrekorder erwogen werden, um die Indikation f r einen Schrittmacher festzustellen. Besteht trotz negativen aktiven Stehtests bzw. Schellong-Tests der Verdacht auf eine orthostatische Hypotension oder ein posturales Tachykardiesyndrom, sollte ein verk rzter Kipptischtest (Dauer 3 bzw. 10. Minuten) durchgef hrt werden (Lahrmann et al. 2006, Fedorowski 2019).
6 Zus tzliche kardiovaskul re autonome Funktionstests (i. e. Valsalva- Man ver und vertiefte Atmung) dienen der Unterscheidung zwischen neurogener und nicht neurogener Ursache einer vorliegenden orthostatischen Hypotension. Grunds tzlich kann es differenzialdiagnostisch hilfreich sein, Home-Videos von Betroffenen anzuregen und zu verwerten und umgekehrt Videobeispiele der infrage kommenden Diagnosen ( Synkopen , epileptische Anf lle etc.) Augenzeugen vorzuspielen. Therapie Vasovagale Synkopen /Reflexsynkopen Bei erstmaliger Synkope oder seltenen Synkopen mit Prodromi ist wegen der g nstigen Prognose und der geringen Rezidivh ufigkeit eine spezifische Therapie nicht erforderlich. Aufkl rung ber Verhalten in Ausl sesituationen, ausreichende Trinkmengen und Kochsalzzufuhr sowie t gliches Stehtraining stellen die wichtigsten Ma nahmen zur Rezidivprophylaxe dar.
7 Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie DGN 2020 | Seite 4. Synkopen Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie Beim Auftreten von Prodromi sind rasch physikalische Gegenman ver einzuleiten und bei deren Versagen unverz glich eine liegende oder sitzende Position einzunehmen. Die Studienlage zur medikament sen Rezidivprophylaxe ist unzureichend, eine Behandlung mit Midodrin (Gutron) kann bei Patienten mit arterieller Hypotonie erwogen werden. Die Indikation zum Herzschrittmacher bei vasovagalen Synkopen sollte nur bei Patienten ber 40 Jahren mit rezidivierenden Synkopen und mit Nachweis von l ngeren Pausen in einer spontanen Synkope erwogen werden. Der Kipptischtest ist zur Therapiekontrolle nicht geeignet.
8 Neurogene orthostatische Hypotension/orthostatische Hypotension Es sollte nach potenziell behandelbaren Ursachen einer orthostatischen Hypotension gefahndet werden. Die Behandlung sollte auf die Linderung von Symptomen orthostatischer Intoleranz und die Vermeidung von St rzen fokussiert sein. Ausl sende oder verst rkende Medikationen wie Alpha-Blocker, Diuretika, Vasodilatanzien, Dopamin-Agonisten, trizyklische Antidepressiva oder Venodilatatoren sollten reduziert, beendet oder gewechselt werden. Aufkl rung ber die Meidung von Risikosituationen (z. B. Stehen in warmer Umgebung, hei e B der). Schlafen in Oberk rperhochlage, physikalische Gegenman ver im Stehen, Tragen einer elastischen Bauchbinde und/oder von Kompressions- str mpfen In der medikament sen Therapie sollten zun chst k rzer wirksame Substanzen wie der 1-Rezeptoragonist Midodrin (Gutron) eingesetzt werden.
9 Das Mineralokortikoid Fludrocortison (Astonin H) ist f r diese Indikation nur als Kurzzeittherapie und unter der Voraussetzung zugelassen, dass physikalische und andere Ma nahmen zu keinem Therapieerfolg gef hrt haben. Es ist auf die Vermeidung eines Liegendhypertonus zu achten (letzte Medikamenteneinnahme am Mittag oder Nachmittag; intermittierend durchgef hrtes 24-Stunden-Blutdruck- Monitoring). Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie DGN 2020 | Seite 5. Synkopen Leitlinien f r Diagnostik und Therapie in der Neurologie Posturales Tachykardiesyndrom Die Behandlung zielt vor allem auf die Vermeidung einer Hypovol mie durch die Steigerung der Trinkmenge und der Aufnahme von Kochsalz. In der Behandlung haben sich physikalische Ma nahmen wie bei der orthostatischen Hypotension bew hrt.
10 Regelm iger Konditionssport verbessert bei einem Teil der Patienten deutlich die orthostatische Intoleranz. Medikament se Therapien sollten nur nach Aussch pfung der nicht pharmakologischen Ma nahmen erwogen werden. In Einzelf llen wurden positive Erfahrungen mit Betablockern oder mit Ivabradin berichtet. Das Mineralokortikoid Fludrocortison (Astonin H) kann in Einzelf llen off-label verabreicht werden, aufgrund des typischerweise j ngeren Alters der Patienten bestehen jedoch Bedenken hinsichtlich der langfristigen Sicherheit. Kardiale Synkopen Bew hrte Therapien sind der Schrittmacher bei Bradyarrhythmien, der implantierbare Defibrillator bei h modynamisch instabilen Tachyarrhythmien sowie die Katheterablation bei der ventrikul ren und supraventrikul ren Tachyarrhythmie.