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Working Paper 1 | 2010

Working Paper 1 | 2010 Christopher Daase Der erweiterte Sicherheitsbegriff Impressum Christopher Daase Der erweiterte Sicherheitsbegriff Working Paper 1 | 2010 [ ] Herausgegeben vom Projekt Sicherheitskultur im Wandel an der Goethe-Universit t Frankfurt Arbeitsbereich Internationale Organisation Senckenberganlage 31 60325 Frankfurt am Main CHRISTOPHER DAASE | DER ERWEITERTE SICHERHEITSBEGRIFF Projekt Sicherheitskultur im Wandel | Working Paper 1 | 2010 [ 1 ] EINLEITUNG Sicherheit ist zum zentralen Wertbegriff moderner und postmoderner Gesellschaften geworden, zum Goldstandard des Politischen, wenn man so der Allgegenwart des Sicherheitsbegriffs ist seine Bedeutung vager denn je.

Christopher Daase Der erweiterte Sicherheitsbegriff Working Paper 1 | 2010 [http://www.sicherheitskultur.org/WorkingPapers/01 -Daase.pdf]

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1 Working Paper 1 | 2010 Christopher Daase Der erweiterte Sicherheitsbegriff Impressum Christopher Daase Der erweiterte Sicherheitsbegriff Working Paper 1 | 2010 [ ] Herausgegeben vom Projekt Sicherheitskultur im Wandel an der Goethe-Universit t Frankfurt Arbeitsbereich Internationale Organisation Senckenberganlage 31 60325 Frankfurt am Main CHRISTOPHER DAASE | DER ERWEITERTE SICHERHEITSBEGRIFF Projekt Sicherheitskultur im Wandel | Working Paper 1 | 2010 [ 1 ] EINLEITUNG Sicherheit ist zum zentralen Wertbegriff moderner und postmoderner Gesellschaften geworden, zum Goldstandard des Politischen, wenn man so der Allgegenwart des Sicherheitsbegriffs ist seine Bedeutung vager denn je.

2 Das kann nicht verwundern, sind es doch gerade die evaluativen Begriffe , also diejenigen, die gesell-schaftliche Werte ausdr cken, die mehrdeutig und umstritten sind. H ufig sind sie sogar grunds tzlich umstritten (essentially contested), weil sie zum Schauplatz gesellschaftlicher K mpfe und politischer Auseinandersetzungen werden (Gallie 1956; Connolly 1974: 10-44). Die Debatte, was Sicherheit ist, ist folglich nicht blo ein Streit um Worte (L bbe 1975), sondern ein Streit um politische Inhalte und Strategien, diese Inhalte durchzusetzen.

3 Wer die Deutungshoheit ber den Begriff Sicherheit erlangt, bestimmt, welche Gefahren wahrgenommen werden, welche Themen Priorit t erhalten und welche Strategien als an-gemessen angesehen werden (Daase 1993: 45). Der Streit um den Sicherheitsbegriff und seine allm hliche Erweiterung ist deshalb ein gutes Beispiel daf r, wie man mit Worten handelt und wie mit Sprache Politik betrieben wird (Austin 1975; W ver 1989). Das war nicht immer so. In der internationalen Politik konkurrierten lange die Begriffe Frieden und Sicherheit um den Vorrang in Strategiedebatten und Parteiprogrammen.

4 Heute ist globale Sicherheit ein unbestrittener Wert, und von Frieden ist nur noch in Sonntagsreden die Rede. Auch in der Entwicklungspolitik wird heute dort, wo fr her die berwindung der Not als Friedens-ziel galt, von menschlicher Sicherheit gesprochen. Und wer sich mit Fragen innergesell-schaftlicher Wohlfahrt besch ftigt, tut gut daran, von Arbeitsplatzsicherheit, sozialer Sicherung und Sicherheit der Renten zu sprechen. F r die Analyse des Zusammenhangs von Sprache und Politik stehen unterschiedliche Me-thoden zur Verf gung, die alle mehr oder weniger von der sprachkritischen Wende (lin-guistic turn) in der Philosophie und Sozialtheorie inspiriert sind.

5 F r die historische Rekonstruktion politischer Begrifflichkeit, um die es hier geht, sind insbesondere zwei An-s tze von Bedeutung: die Begriffsgeschichte von Reinhard Koselleck und die Theorie begriff-lichen Wandels der sog. Cambridge School von Quentin Skinner. Beide Ans tze betonen, dass Sprache im politischen Raum verstanden werden muss. Skinner weist darauf hin, dass 1 Dieser Text ist zuerst erschienen als Daase, Christopher, 2009: Der erweiterte Sicherheitsbegriff, in: Ferdowsi, Mir A.

6 (Hrsg.): Internationale Politik als berlebensstrategie. M nchen, S. 137-153. CHRISTOPHER DAASE | DER ERWEITERTE SICHERHEITSBEGRIFF Projekt Sicherheitskultur im Wandel | Working Paper 1 | 2010 [ 2 ] sich die Bedeutung eines Textes nicht nur aus dem linguistischen Kontext, sondern auch aus dem sozialen Milieu erschlie t (Skinner 1989). Mit Hilfe der Austin schen Sprechakt-theorie versteht er Sprache, Texte und Begriffe als Handlungen und macht so Sprachwandel als politischen Wandel verst ndlich.

7 Hnlich Koselleck, der in noch st rkerem Ma e die Sach- oder Ereignisgeschichte in die Begriffsgeschichte integriert (Koselleck 1979). Der rele-vante interpretative Kontext, in dem politische Begriffe wie Sicherheit verstanden werden m ssen, ist demnach der politische, soziale und konomische genauso wie der linguistische und intellektuelle Kontext. Wenn es im Folgenden um die historische Rekonstruktion der Erweiterung des Sicherheits-begriffs in der zweiten H lfte des 20. Jahrhunderts bis heute geht, dann ist hier weder beab-sichtigt, einen eigenen Sicherheitsbegriff zu entwickeln, noch die wahre Bedeutung von Sicherheit zu entdecken oder bestimmte Formen der Versicherheitlichung (W ver 1995) zu kritisieren.

8 Vielmehr kommt es darauf an, den Prozess der begrifflichen Erweiterung in den historischen Kontext zu stellen und ihn als Effekt und Ursache politischen Wandels ver-st ndlich zu machen. DIE ERWEITERUNG DES SICHERHEITSBEGRIFFS Dabei m ssen vier Dimensionen der Erweiterung unterschieden werden. Die erste Dimensi-on betrifft die Sachdimension, also die Frage, in welchem Problembereich die politischen Sicherheitsgefahren gesehen werden. Im Laufe der letzten 50 Jahre sind neben milit rischen auch konomische und kologische, zuletzt auch humanit re Aspekte unter den Sicher-heitsbegriff subsumiert worden.

9 Die zweite Dimension betrifft die Referenzdimension, also die Frage, wessen Sicherheit gew hrleistet werden soll. Auch hier hat eine Bedeutungsver-schiebung stattgefunden und zwar vom Staat ber die Gesellschaft zum Individuum als Re-ferenzobjekt der Sicherheitspolitik. Die dritte Dimension betrifft die Raumdimension, also die Frage, f r welches geographische Gebiet Sicherheit angestrebt wird. Hier l sst sich eine Ausdehnung des Verst ndnisses von Sicherheit feststellen, insofern zun chst von territorial-staatlicher, dann von regionaler und internationaler und schlie lich von globaler Sicherheit die Rede war.

10 Die vierte Dimension bezieht sich schlie lich auf die Gefahrendimension, also die Frage, wie das Problem konzeptualisiert wird, auf das die Sicherheitspolitik antworten soll. Ist es eine konkrete Bedrohung, die eigene Verwundbarkeit oder sind es diffuse Risiken, die als Herausforderung f r die Sicherheitspolitik angesehen werden? CHRISTOPHER DAASE | DER ERWEITERTE SICHERHEITSBEGRIFF Projekt Sicherheitskultur im Wandel | Working Paper 1 | 2010 [ 3 ] In gewisser Weise h ngen diese Dimensionen nat rlich zusammen.


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