Transcription of Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre (BWL 1)
1 Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre (BWL 1) Skript von Carsten Buschmann nach der Vorlesung von Prof. Hentze WS 1998 an der TU Braunschweig / Skripte / bwl1 Vorwort Dieses Skript entstand nach der Vorlesung BWL 1 von Prof. Hentze im WS 1998 und wurde von Carsten Buschmann am nach der in der Vorlesung angefertigten Mitschrift erstellt. Dar ber hinaus wurden von Herrn Hentze selbst im Internet zur Verf gung gestellte Texte und Grafiken sowie in einem lteren HTML-Skript verwendete Texte und Grafiken verwandt. Aus diesem lteren Skript stammen auch zus tzliche Inhalte, die nicht in der oben genannten Vorlesung vorkamen. Sie sind in der berschrift mit einem Asterix (*) gekennzeichnet. Bei offensichtlichen Fehlern oder Verbesserungsvorschl gen bitte ich, an zu mailen. Weitere Skripte, Zusammenfassungen, Klausuren, bungen, L sungen usw. zu den Themen Informatik, Mathematik und Betriebswirtschaftslehre sind unter zu finden.
2 Inhaltsverzeichnis 1. Allgemeines Begriffe, Gliederung der BWL, Ziele, Kennziffern, Betriebswirtsch. Modelle, Entscheidungen 3 2. Produktionsfaktoren Begriff, Werkstoffe, Betriebsmittel, Arbeit, Management 15 3. Entscheidung ber die Rechtsform Betriebstypologie, bersicht Gesellschaftsformen, Entscheidungskriterien 24 4. Standortentscheidung Begriff, Typologie Standortfaktoren 29 5. Organisation Begriff, Formale Elemente und d. Aufbauorgan., Konfigurationen, Ablauforganisation 31 6. Unternehmensplanung Begriff, Ziele, Objektbereiche, Planungstr ger, Planungsprozess, Instrumente, Dauer, Kontext 37 7. Forschung und Entwicklung Forschung und Entwicklung, Patente, Lizenzen, Lebenszyklus, Boston Portfolio 40 8. Beschaffung Begriff, Instrumente, ABC-Methode, Fremdbeschaffung/Eigenfertigung, JIT, Lagerhaltung 44 9. Produktion Begriff, Losgr en, Lean Production, Typ A, Typ B, Leer-/Nutzkosten, neoklassische 52 10. Investitionen Begriff, Investitionsarten, Zahlungsreihe, Investitionsplanung, Methoden der Investitionsrechnung 65 11.
3 Internationalisierung Begriffe, Int. Management, Komplexit t, Motive, EPRG-Modell 68 12. Literatur Literaturempfehlungen von Prof. Hentze zur Vorlesung 70 1. Allgemeines Wirtschaften (als Verb) Der Problembereich der Wirtschaft erstreckt sich auf die planvolle Versorgung der Menschen mit knappen G tern (Sachg tern und Dienstleistungen). Wirtschaft steht im "Spannungsfeld" zwischen Bedarf an knappen G tern und seiner Deckungsm glichkeit. Aber erst zielorientiertes Handeln, d. h. planvolles Disponieren in Bezug auf knappe G ter macht Wirtschaften aus. Betrieb: Bestimmt zur Fremdbedarfdeckung Erfahrungsobjekt: Der Betrieb in seinen Erscheinungen Erkenntnisobjekt: Erwirtschaftung von Gewinn Gliederung der BWL 1. allg. BWL: allg. anwendbar 2. spez BWL: allg. BWL unter Einbeziehung von (1) institutionellen oder (2) Funktionslehren (s. W rfel) funktionale Gliederung Ziele Ziel: k nftiger Zustand/Situation, der vom Tr ger des Ziels angestrebt wird.
4 Unterteilt sich in: Zielinhalt Zielausma Zeitpunkt man unterscheidet: Formalziel: Das "eigentliche" Ziel, das Erwirtschaften von Gewinn Sachziel: "Unterziel", um Formalziel zu erreichen, Verkauf einer best. Menge von Produkten monovariable Zielsetzung: ein Ziel multivariable Zielsetzung: mehrere Ziele partizipative Zielfestlegung: Festlegung des Zieles unter Mitwirkung des Betroffenen, Management by Objektives (=Belohnung) Zielbeziehungen: komplement r: Mit Erh hung des Grades der Zielerreichung des einen Zieles erh ht sich auch der Grad der Zielerreichung des anderen Zieles indifferent: Grade der Zielerreichung der beiden Ziele sind von einander entkoppelt konkurrierend: Mit Erh hung des Grades der Zielerreichung des einen Zieles schm lert sich auch der Grad der Zielerreichung des anderen Zieles Zielarten: wirtsch. Ziele (Gewinnstreben, Liquidit tssicherung), soz. Ziele (Ziele der Arbeitnehmer), ethische Ziele, kologische Ziele, Kennziffern f r zielorientiertes Handeln Der Problembereich der Wirtschaft erstreckt sich auf die planvolle Versorgung der Menschen mit knappen G tern (Sachg tern und Dienstleistungen).
5 Wirtschaft steht im "Spannungsfeld" zwischen Bedarf an knappen G tern und seiner Deckungsm glichkeit. Aber erst zielorientiertes Handeln, d. h. planvolles Disponieren in Bezug auf knappe G ter macht Wirtschaften aus. Wirtschaftlichkeitsprinzip: Nutzen (Output) W = --------------------- => max! Opfer (Input) Maximumprinzip: Opfer ( Mitteleinsatz) konstant, Nutzen maximieren Minimumprinzip: Nutzen (Zielvorstellung) konstant, Opfer minimieren generelles Extremumprinzip: Differenz zwischen Nutzen und Opfer soll maximiert werden Die Produktivit t: mengenm iger Ertrag P = ---------------------------------------- --------------------------- mengenm iger Einsatz an Produktionsfaktoren bei verschiedenen Produkten: Verwendung von (Kosten-) quivalenzziffern ( Polo = 1, Golf = 2 ..) Arbeitsproduktivit t: mengenm iger Ertrag P = ---------------------------------------- -------------------- mengenm iger Einsatz an Arbeitsstunden Maschinenproduktivit t: mengenm iger Ertrag P = ---------------------------------------- --------------------------- mengenm iger Einsatz an Maschineneinheiten Wertm ige Betrachtung: Bewertung der Mengen durch Preise ( Menge * Preis) Ergebnis: Ergebnis = Ertrag - Aufwand Ergebnis = Betriebsergebnis + neutrales Ergebnis Betriebsergebnis (-ertrag): Umsatzerl se der produzierten G ter innerhalb der Sachzielerf llung Betriebsergebnis = Leistung - Kosten neutr.
6 Ergebnis (Ertrag): Erl s au erhalb der Sachzielerf llung ( Wertsteigerung von Grundst cken) Aufwand: Zweckaufwand: Aufwand f r die Produktion von G tern Aufwand: Spenden au erordentlicher Aufwand: betrieblich, aber au ergew hnlich ( Schaden) periodenfremder Aufwand: Ursache liegt nicht in der akt. Periode Kosten: bewerteter Verzehr von Leistungen Zusatzkosten: kalkulative Kosten ( Geh lter f r Gesch ftsf hrer ohne Lohn oder Mietkosten f r eigene R ume) Grundkosten: Zweckaufwand in der Buchf hrung ( L hne, Abschreibungen, ) Betriebsleistung: wertm iges Ergebnis der betrieblichen t tigkeit Auszahlung: Abflu liquider Mittel ( Kassenbest nde) Einzahlung: Zuflu liquider Mittel ( Kassenbest nde) Ausgabe: Auszahlung + Forderungsabgang + Schuldenzugang Einnahme: Einzahlung + Forderungszugang + Schuldenabgang Rentabilit t EK-Rentabilit t Gewinn = ----------------- x 100 Eigenkapital Um die Eigenkapitalrentabilit t zu erh hen, bedient man sich h ufig dem Leverage-Effekt, bei dem der durch das im Unternehmen eingesetzte Fremdkapital erzielte Gewinn dem Gesamtgewinn zugewiesen wird und somit der Gewinn h her erscheint, als er in Wirklichkeit ist, wodurch die Rentabilit t steigt.
7 Gesamtkapital = Eigenkapital + Fremdkapital Gesamtrentabilit t Gewinn + Fremdkapitalzinsen = ---------------------------------------- -- x 100 Gesamtkapital Umsatzrentabilit t Gewinn = ------------ x 100 (Deutschland: ca 3,3%) Umsatz Return-on-Investment Gewinn Umsatz = ------------ x ------------- x 100 Umsatz Kapital (Kapitalumschlagh ufigkeit) Liquidit t: finanzielles Gleichgewicht aus Zahlungsmittelbestand und -bedarf, so dass der Betrieb jederzeit den Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann Bestand Liquidit t = -------------- => 1! Bedarf Liquidit tsgrade: 1. Grad liquide Mittel = ---------------------------- kurzfr. Fremdkapital 2. Grad Monet res Umlaufverm gen (incl. Termingeld / Forderungen) = ---------------------------------------- - kurzfr.
8 Fremdkapital 3. Grad Umlaufverm gen (incl. Lagerbest nde) = ------------------------------ kurzfr. Fremdkapital Entscheidungen Entscheidung ist ein weiter Begriff als "Wahlhandlung" zwischen mindestens zwei (sich einander ausschlie enden) Alternativen (Handlungsm glichkeiten, Verhaltensweise). Merkmale Bewusstsein der Wahlhandlung Unsicherheit jeder Entscheidung (Zukunftsgerichtetheit) Entscheidungstr ger Person (Gremium), die entscheidet Entscheidungssubjekte sind von der Entscheidung betroffen Entscheidungsfeld Bereich der M glichkeiten (die Handlungsweisen und die vorhandenen Daten bilden die Grenzen) Alternativen und Konsequenzen Entscheidungsregeln Formalisierung des Prozesses Entscheidungsarten Zielentscheidungen und Zielerreichungsentscheidungen (Mittelentscheidungen) Individual- und Kollektiventscheidungen Entscheidungen bei einem oder mehreren Zielen Zentrale und dezentrale Entscheidungen F hrungs- (gesamtbetriebliche) und Bereichsentscheidungen (Ressortentscheidungen) Selbst- und Fremdentscheidungen Gelegentliche und laufende (situationsbedingte) Entscheidungen Nicht programmierbare ("echte") Entscheidungen.
9 Programmierbare (Routineentscheidungen) und Impulsentscheidungen Kurz-, mittel- und langfristige Entscheidungen Entscheidungen unter Sicherheit, Risiko und Unsicherheit Wohlstrukturierte und schlecht strukturierte Entscheidungssituationen Simultane und sukzessive Entscheidungen monolithische Entscheidung: Eigent mer/Manager entscheidet vs. vielschichtige Entscheidung Prozesscharakter von Entscheidungen Beschreibung der Prozessphasen* Planung gedankliche Vorwegnahme zuk nftigen Handelns 1. Die Anregungsphase Erkennen eines Problems Feststellen der Ausgangslage und der Umweltbedingungen Ursachenanalyse zur Kl rung und Pr zisierung der offenen Fragen und der m glichen Absichten 2. Suchphase Bestimmung der Ziele bzw. Entscheidungskriterien Suchen und Ausarbeiten von alternativen L sungsm glichkeiten Ermittlung und Beurteilung der Konsequenzen alternativer L sungen in Hinblick auf die Entscheidungskriterien (Ziele und Umweltdaten) 3.
10 Entscheidungs- (Optimierungsphase-) Phase Beurteilen der L sungsm glichkeiten Rangordnung der L sungen und Wahl der g nstigsten L sung (Entschluss) Differenzierung Nutzen <--> Opfer 4. Realisierungsphase Bestimmung der Soll- (Vorgabe-) Werte Umsetzung in Ma nahmen und Handlungsvorschriften Anordnen, instruieren, orientieren, organisieren Ausf hren der vorbestimmten Handlungen 5. Kontrollphase berwachen der programmgem en Ausf hrung (Fortschrittskontrolle) Ermitteln der Ergebnisse Analyse der Ergebnisse Soll-Ist-Vergleich Betriebswirtschaftliche Modelle Betriebswirtschaftliche Modelle 1. Beschreibungsmodelle Abbildung komplexer Zusammenh nge in einfachere Zusammenh nge (Modelle) 2. Erkl rungsmodelle Darstellung der Zusammenh nge zwischen abh ngigen und unabh ngigen Variablen. Sachverhalt muss objektiv nachvollziehbar sein. 3. Entscheidungsmodelle bauen auf Erkl rungsmodelle auf sind um eine Zielfunktion erweitert.