Transcription of Castanea sativa - GEHOELZE BAEUME STRAEUCHER
1 HSW Dendrologiearbeit: Castanea sativa Castanea sativa Namen Deutsch: Edelkastanie Franz sisch: ch taignier Italienisch: castagno, castagno domestico Englisch: Spanish chestnut, sweet chestnut Lateinisch: Castanea sativa Abbildung 1: Edelkastanie Habitus Die Edelkastanie ist ein m chtiger Grossbaum, welcher 10-35m hoch werden kann. Der breit- auslaufende Kronendurchmesser betr gt 10-15m oder noch mehr. Ein weiteres Merkmal der Edelkastanie ist der drehw chsige Stamm. Das H chstalter der Castanea sativa kann bis zu 500 Jahren betragen. Bl tter Die Bl tter sind 12-20cm lang, grob ges gt und haben eine lanzettliche Form. Im Herbst ist die Blattf rbung gelbgoldig und ansonsten ist sie dunkelgr n. Abbildung 2:Unreifer Edelkastanienigel mit Bl ttern Bl te/Frucht Die Bl ten sind gr ngelbe, aufrechte, bis 20cm lange K tzchen, welche im Mai bis Juni bl hen. Auf einem K tzchen kommen sowohl m nnliche als auch weibliche Bl ten vor.
2 Der Beginn der Fruchtbildung liegt im Baumalter von 15-20 Jahren. Die stachligen Frucht- kapseln mit den braunen, essbaren Maronen reifen ab Ende Oktober. Abbildung 3: Halboffener Abbildung 4:Weibliche und unreifer Edelkastanienigel m nnliche Edelkastanienbl te Seite 1 von 8. HSW Dendrologiearbeit: Castanea sativa Wurzelsystem Die Edelkastanien sind Tiefwurzler mit intensivem, weit reichendem Wurzelsystem. Standortanspr che Die Castanea sativa ist eine usserst anspruchsvolle Baumart. Nat rlicherweise kommt sie in der H henstufe collin/montan vor, welche bis auf cirka 700 m.. M. hinaufreicht. Der W rmebedarf dieses Baumes ist usserst gross, deshalb werden auch Sp tfr ste und extreme Temperaturschwankungen nicht ertragen. Ausserdem w chst die Castanea sativa bevorzugt im Halbschatten und ist im vollen Licht eher selten anzutreffen. Der N hrstoffbedarf der Edelkastanie ist gering und deswegen werden B den mit guter bis berm ssiger N hrstoffversorgung gemieden.
3 Die Bodenfeucht sollte optimalerweise leicht trocken bis frisch sein. Bei Staun sse hingegen ist die Edelkastanie gef hrdet. Der Boden sollte nach M glichkeit sehr gut durchl ftet und mittel- bis tiefgr ndig sein. Die Haupt- verbreitung der Edelkastanie erfolgt auf sauren B den (pH: ) und ist deshalb auf neutralen bis basischen B den kaum anzutreffen. Zeigerwerte Tabelle 1: Zeigerwerte Feuchtezahl F 3 Zeiger mittlerer Feuchtigkeitsverh ltnisse Reaktionszahl R 2 S urezeiger (pH ). N hrstoffzahl N 2 Magerkeitszeiger Humuszahl H 4 Humuszeiger Zeiger durchl ssiger, skelettreicher oder sandiger, sehr gut Dispersit tszahl D 3. durchl fter B den Lichtzahl L 3 Halbschattenzeiger Pflanzen mit Hauptverbreitung im s dlichen Europa und Temperaturzahl T 5. nur an den w rmsten Stellen vorkommend Kontinentalit tszahl K 2 Hauptverbreitung in Gegenden mit subozeanischem Klima Wuchsform W p sommergr ner Phanerophyt Gas- und Rauchtoleranz G 2 rauchhart Wuchsleistung Im Niederwald beispielsweise : 10-12 Jahre, durchschnittlicher Gesamtzuwachs: 10-16 m3.
4 Festmasse/ha oder im Hochwald: Alter: 80-100 Jahre, bis 30m Konkurrenzkraft/Ausbreitung Die Ausbreitung erfolgt ber V gel und Nagetiere. Ausserdem besteht eine tempor re Samenbank (unter einem Jahr). Die Edelkastanie ist mittel bis stark konkurrenzf hig und macht Stockausschl ge mit meterlangen Jahrestrieben. Gef hrdungen Die B ume sind bedroht durch Fr h- und Sp tfr ste. Ebenfalls stellt der Kastanienbohrer eine potentielle Gefahr dar. Weiter ist die Edelkastanie auch durch die Tintenkrankheit am Stamm- fuss und durch den Kastanien-Rindenkrebs (auch bei Stockausschl gen) gef hrdet. Seite 2 von 8. HSW Dendrologiearbeit: Castanea sativa Herkunft Die Heimat der Wildform der Edelkastanie ist vermutlich S dosteuropa und Kleinasien. Sie wurde von den Armeniern kultiviert und die R mer brachten sie nach Europa. Im Mittelmeer- raum wird die Esskastanie schon seit Jahrhunderten gez chtet.
5 Im Alpenraum wurde sie um den Beginn unserer Zeitrechnung durch Etrusker und R mer angebaut und konnte sich sub- spontan vermehren. Auf der Alpens dseite bewirkte die Kastanienkultur eine konsequente Umnutzung der Land- schaft. Die herk mmliche Brandrodung zur Schaffung von Acker- und Weideland wich zugunsten einer aktiven Bewirtschaftung des Bodens mit Kastanienw ldern. Auf den mageren Seitenh ngen der Alpen lieferten Kastanienb ume zwei- bis dreimal mehr Kalorien pro kulti- vierte Einheit als der Getreideanbau. "Ein Baum pro Kopf" galt im Tessin als Faustregel. Bis Mais und Kartoffeln aus der Neuen Welt in der S dschweiz vor kaum 200 Jahren Einzug gehalten haben, und erneut w hrend der beiden Weltkriege, waren die Kastanien w hrend vier bis sechs Monaten im Jahr das Brot der Armen. Die arme Bergbev lkerung im Tessin nannte die veredelten Kastanienb ume schlicht, aber bedeutungsvoll "arbur", das Wort f r "Baum".
6 Areal Heute ist die Edelkastanie fast im ganzen Mittelmeerraum, Frankreich und bis zum Alpenrand verbreitet. Vereinzelt gibt es sie auch bis nach England. Abbildung 4:Verbreitung in Europa Verbreitung in der Schweiz In der Schweiz sind die Hauptverbreitungsgebiete (98%) der Kastanie der Kanton Tessin und die S dt ler des Kantons Graub nden. Sie ist dort in Lagen bis zu 900 m . M. waldbildend in Stockausschlagwaldungen (Palina) und in lichten Best nden von Fruchtb umen (Selven). Der gr sste Bestand an Kastanienw ldern liegt im Sottoceneri von Camignolo bis an den Luga- nersee. Im Sopraceneri bilden Kastanienw lder im Eichengebiet der tieferen Lagen einen dichten G rtel bis zum montanen Buchenwald. Auf der Alpennordseite liegen die bemer- kenswertesten Vorkommen in den Regionen Rhonetal/Genfersee, Vierwaldst tter-/Zugersee und Walensee/Sargans. Zu 85 % gedeiht die Edelkastanie in den wintermilden Lagen der kollinen/submontanen Stufe.
7 Auf der Alpens dseite steigt sie nicht so hoch wie die Traubeneiche, und nur vereinzelt in die obere Montanstufe. Besonders h ufig ist die w rmeliebende Kastanie auf s d- bis westexponierten (Steil-). H ngen von bis zu 20 40 Neigung verbreitet. Seite 3 von 8. HSW Dendrologiearbeit: Castanea sativa selten h ufig sehr h ufig (LFI-Probefl chen mit Vorkommen). Abbildung 5: Verbreitung in der Schweiz H ufigkeit in der Schweiz In der Schweiz sind 2,4 % der B ume oder 0,9 % der stehenden Holzmasse Kastanien. Auf der Alpens dseite ist jeder f nfte Baum eine Kastanie. Dort ist sie im H henbereich von 400- 800m mit einem Anteil von 54 % die landschaftspr gende Baumart. Die fr here Nutzung l sst sich unschwer erkennen. Der hohe Anteil an 8-24 cm dicken B umen entstammt dem ehemaligen Niederwaldbetrieb; diejenigen Exemplare mit ber 52. cm Brusth hendurchmesser deuten auf ehemalige Selven hin.
8 Kologische Bedeutung Streuobstbest nde geh ren wegen ihrer Strukturvielfalt zu den wertvollsten Lebensr umen. Sie werden von einer enormen Anzahl von Insekten und anderen Tieren genutzt. Die Edel- kastanie ist vor allem ein wichtiges Bienenn hrgeh lz. Das an lteren B umen starke Auftreten von Totholz, und damit verbunden von Hohlr umen und Baumh hlen, f hrt zu einem verst rkten Angebot von Nistgelegenheiten und Lebensr umen f r H hlenbr ter und bewohner. Die Kastanie ist aber an vielen Orten zum Nachteil von einheimischen Baumarten eingef hrt worden. Vor allem im Niederwald ist sie sehr konkurrenzf hig und verdr ngt andere Arten. Holzeigenschaften Das Kastanienholz ist mittelschwer und ziemlich hart und weist gute Festigkeits- und Elastizit tseigenschaften auf. Der Witterung ausgesetzt hat es eine nat rliche Dauerhaftig- keit. Ebenso ist es in st ndigem Wasser- und Erdkontakt sehr dauerhaft.
9 Das Holz der Ess- kastanie ist in der Qualit t und der Widerstands- f higkeit gegen ber Feuchtigkeit hnlich dem Abbildung 6: Kastanienholz der Eiche. Dazu kommt noch, dass die Ess- kastanie wuchskr ftiger ist als die Eiche. Das Holz der Castanea sativa ist usserst wertvoll, wegen der aufkommenden Tropenh lzer hat es jedoch zeitweise an Bedeutung verloren. Nun wird es wieder fters genutzt, da das Tropenholz in Verruf geraten ist. Seite 4 von 8. HSW Dendrologiearbeit: Castanea sativa Im chemischen Holzschutz gibt es eine Norm mit unterschiedlichen Resistenzklassen, welche DIN genannt wird. Nach dieser DIN-Norm ertr gt Kastanienholz auch extreme Umwelt- bedingungen im Gef hrdungsklassenbereich 3: "Holz der Witterung oder Kondensation aus- gesetzt, aber nicht in Erdkontakt" und im Gef hrdungsklassenbereich 4: "Holz in dauerndem Erdkontakt oder st ndiger starker Befeuchtung ausgesetzt" extreme Umweltbedingungen ohne chemische Holzschutzbehandlung.
10 Das Holz wird nach DIN 68364 (EN 350) in Resistenzklassen eingeteilt, die anzeigen, wie lange Holz ohne Konservierungsmassnahmen nicht zerf llt. Dabei werden 5 Stufen unterschieden: Tabelle 2: DIN-Normen Resistenzklasse Haltbarkeit Baum-/Holzart R 1-2 15-25 Jahre Robinie R2 15-25 Jahre Edelkastanie ( Castanea sativa ), Eiche R 3-4 10-15 Jahre Douglasie, L rche, Kiefer R4 unter 10 Jahre Fichte, Tanne, Ulme R5 gar nicht Erle 1 = sehr resistent; 2 = resistent; 3 = m ig resistent; 4 = wenig resistent; 5 = nicht resistent. Holzverwendung Das Holz wird wirtschaftlich genutzt und ist ein begehrter Rohstoff f r M bel-, Schiffs- und Musikinstrumentenbau (Klaviere). Im ingenieurbio- logischen Bereich kann es wegen seiner starken Resistenz im Wasserbau und Lawinenverbauungsbereich gebraucht werden. Weiter werden im h uslichen Bereich aus dem Esskastanienholz Treppen, Tore, T ren, Handl ufe, Fenster, Parkett, Fussb den, Furniere und Ver- kleidungen gemacht.