Transcription of BGHM-Information 101
1 101. BGHM-Information 101. BGHM-Information Mensch und arbeitsplatz in der Holz- und Metallindustrie Oktober 2013. Impressum Herausgeberin Berufsgenossenschaft Holz und Metall Isaac-Fulda-Allee 18. 55124 Mainz Telefon: 0800 9990080-0. Fax: 06131 802-20800. E-Mail: Internet: Servicehotline bei Fragen zum Arbeitsschutz: 0800 9990080-2. Medien Online: Eine entgeltliche Ver u erung oder andere gewerbliche Nutzung bedarf der schriftlichen Einwilligung der BGHM. Ausgabe: Oktober 2013/Druck April 2019. Mensch und arbeitsplatz in der Holz- und Metallindustrie BGHM-Information 101.. Inhalt Vorwort.. 6 4. Arbeitsumgebung .. 29. 1. Menschengerechte Gestaltung.. 7 Klima.. 29. Der Begriff Ergonomie.. 7 Thermische Behaglichkeit.. 31. Zielstellungen menschen gerechter Klimasummenma e.. 32. Gestaltung der Arbeit .. 7. Licht und Sehen.. 32. Belastung und Beanspruchung.. 8. Lichttechnische Grundgr en.. 34. Ergonomie und Gesundheit.. 9. Die G te einer Beleuchtung.
2 35. Ergonomie und Wirtschaftlichkeit.. 10. Farbgebung im Arbeitsraum .. 37. 2. Leistungsvoraussetzungen des Menschen .. 12. L rm .. 38. Die Variabilit t mensch licher Eigenschaften .. 12. Mechanische Schwin gungen.. 40. Altersabh ngigkeit .. 13. 5. Physische Belastungen .. 43. Der Tagesgang der Leistungsbereitschaft.. 14. Handhaben von Lasten.. 44. Einfluss des Geschlechtes.. 14. Beurteilung der Belastung .. 45. 3. Die Schnittstelle Mensch-Technik.. 15. 6. Psychische Belastungen..48. Gestaltungsschwerpunkte .. 15. 7. Systematische Arbeitsgestaltung.. 53. Arbeitsplatztypen .. 15. 8. Quellen- und Literaturverzeichnis.. 55. K rperma e.. 19. Quellen.. 55. Verwendung von K rperma schablonen .. 19. Regelwerke .. 55. Sehbedingungen.. 21. Weiterf hrende Schriften.. 58. Wirk- und Greifr ume .. 23. Literatur .. 59. K rperkr fte.. 24. 9. Abbildungsverzeichnis.. 60. Anzeigen und Stellteile.. 26. Sinnf lligkeit der Anordnung.. 26. Anzeigen.
3 27. Stellteile.. 28. Ergonomische Handwerkszeuge.. 28. 2.. Vorwort Wenn es um die Gestaltung von Arbeits Die F rderung der menschlichen Leis- Ziel der Brosch re ist es, einen ber- prozessen geht, wird der Beitrag der tungsf higkeit durch gestalterische blick zur Ergonomie f r einen vorwie- menschlichen Arbeit zum Gesamt er Ma nahmen ent wickelt sich dabei gend praktisch orientierten Leserkreis geb nis oft untersch tzt. Besonders bei auch zu einem immer bedeut sameren bereitzustellen. Sachverhalte sind automatisierten Systemen scheint es, Wettbewerbsfaktor. daher berwiegend vereinfacht und ver- dass der Mensch nicht mehr ben tigt k rzt dargestellt. Verbindlich sind die wird. Dabei entscheidet auch hier der Ergonomisch, d. h. nutzergerecht, ge Originalquellen. menschliche Beitrag ber Qualit t und staltete Produkte erh hen die Attrak- Quantit t der Produktion. tivit t beim Kunden und die ergono- mische O ptimierung der Produktion Menschliche Arbeit ist teuer, insbeson verbessert die Arbeitsbedingungen.
4 Dere aus der Sicht der am Arbeitsergeb Sie wirkt nachteiligen Auswirkungen nis interessierten Unternehmer oder auf Gesund heit und Leistung entgegen, Auftraggeber. Darum ist es wirtschaft- erh ht die Zuverl ssigkeit und f hrt zu lich vern nftig, die menschlichen Produk tivit tssteigerungen. Ressourcen optimal einzusetzen. Dies ist nicht m g lich, ohne die Belange der Die Pr ventionsdienste der Berufsge- Besch ftigten zu ber cksichtigen. nossenschaft Holz und Metall bieten Beratungen und Seminare zur men- schengerechten Gestaltung und damit zur Vermeidung von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren an. 3. Menschengerechte Gestaltung 1. Menschengerechte Gestaltung Der Begriff Ergonomie Ergonomie hat damit zwei Zielrichtun- Zielstellungen gen: menschen gerechter Der Begriff Ergonomie setzt sich aus Gestaltung der Arbeit zwei griechischen Worten zusammen: Humanit t: . Gestaltung beeintr chtigungs- ergon = das Werk, die Arbeit, die Kraft freier und gesundheitlich unbe- Die Gestaltung der Arbeit sollte nomos = das Gesetz, die Lehre.
5 Denklicher Arbeits bedingungen. folgenden Forderungen gen gen: W rtlich bersetzt bedeutet Ergonomie Produktivit t: Arbeit muss ausf hrbar und die Lehre von der Arbeit oder auch Erh hung von Qualit t und ertr glich sein und die Lehre von der Kraft . Rentabilit t. Arbeit sollte zumutbar und zufriedenstellend sein. Das Technische Komitee Ergonomie der Internationalen Standard Organisation Durch das Eingehen auf die Anspr che (ISO) definiert die Ergonomie sehr um der Besch ftigten l sst sich auch eine Ausf hrbarkeit fassend: h here Motivation und Arbeitszufrie- Es ist zu beurteilen, ob die Ausf hrung denheit erreichen. der Arbeit m glich ist. Die Ergonomie erarbeitet und verarbei- tet humanwissenschaftliches Wissen Grundanliegen ist die Anpassung der Hierbei stellen sich beispielsweise fol- mit dem Ziel, eine Anpassung von Ar- Arbeit an den Menschen durch Gestal- gende Fragen: beit, Arbeits sys tem und Umgebungen tung des Arbeitssystems, bestehend an die phy sischen und psychischen F - aus arbeitsplatz , Arbeitsraum, Arbeits Sind K rperma e so ber cksichtigt, higkeiten des Menschen herbeizuf h- mittel, Um gebungs bedingungen und dass Stellteile ohne Hilfsmittel er- ren und damit Sicherheit, Gesund heit die Gestaltung der Organisation der reicht werden k nnen?
6 Und Wohlbefinden sicherzustellen, in- Abl ufe (Bild 1-1). dem gleich zeitig die Leis tungsf higkeit Sind die K rperkr fte gr er als die erh ht und das Arbeits ergebnis verbes- Notwendig ist auch die Weiterentwick- maximale erforderliche Muskelkraft? sert wird. lung und Anpassung des Menschen an die Erfordernisse der Arbeits t tigkeit Zur Beantwortung dieser Fragen sind durch die Auswahl von Personen mit Methoden der Ergonomie und der erforderlicher Eignung sowie durch Arbeits medizin anwendbar, z. B. Nor- bung und Gew hnung, Einarbeitung, men ber K rperma e und K rperkr fte Training und Ausbildung. sowie Sicherheitsvorschriften. Ertr glichkeit im Sinne von Sch digungslosigkeit Arbeitsraum Es ist zus tzlich zu beurteilen, ob die arbeitsplatz Arbeit bei t glicher Wiederholung Arbeitsmittel Arbeitsgegenstand ber das gesamte Arbeitsleben ohne Material Ergebnis Gesund heitssch digung m glich ist. Energie Qualit t Beispiels weise muss hinterfragt werden: Information Quantit t Mensch Ist die Belastung durch L rm sicher unterhalb der sch digenden Grenze?
7 Umgebungseinfl sse Arbeitsumfeld, soziales Umfeld Ist die k rperliche Belastung auf Dauer ohne Sch digung zu ertragen? Erkenntnisse der Ergonomie und der Bild 1-1: Vereinfachte Darstellung eines Arbeitssystems. Die Ergonomie betrachtet ein Arbeits- Arbeitsmedizin sind anzuwenden. system stets als Ganzes 4. Menschengerechte Gestaltung Belastung und Beanspruchung Jede T tigkeit ist mit verschiedenen, von au en auf den Menschen einwir- kenden Belastungen verbunden. Hierzu z hlen: physische Belastungen, psychische Belastungen und Umgebungsbelastungen Belastungen werden als Beanspru- chungen wahrgenommen Sie k nnen zu negativen Folgen f hren, aber auch positiv erlebt werden. Entscheidend sind eigene Leistungsvoraussetzungen Bild 1-2: Ein komplexer, mehrfach gegliederter arbeitsplatz ist noch kein Arbeitssystem. und der Umfang und die Einwirkdauer. Zus tzlich zu betrachten sind die Arbeitsumgebung , die Organisation und der Umgangs sprachlich wird der Begriff Be- technische Ablauf lastung eher negativ verwendet.
8 Spruchung Eine beanspruchungsoptimierte ean Gestal tung hilft, dass der Besch ftig- B. niedrig hoch te seine T tigkeit als anregend erlebt, seine F hig keiten optimal einsetzen Belastungen kann, durch die Technik effektiv unter- Leistungs st tzt wird und dass die Arbeit Spa . voraussetzungen macht und durch hohe Produktivit t gekenn zeichnet ist. Bild 1-3: Klassisches Modell zur Beschrei Bild 1-4: Die H he der Beanspruchung Belastungen sind die Gesamtheit der bung der Beziehung zwischen resultiert aus dem Verh ltnis von u eren Bedingungen und Anforde . einwirkender Belastung und der Leistungsvoraussetzungen und rungen. daraus resultierenden Beanspru- Belastung (nach 1). chung (nach /1/). Belastungen f hren in Abh ngig keit von individuellen Eigen schaften und Zumutbarkeit im Sinne von Zufriedenheit im Sinne von F hig keiten zu unterschiedlichen Bean- Beeintr chtigungsfreiheit Pers nlichkeitsf rderlichkeit spruchungen. Es ist zu beurteilen, ob die vorhan Es ist zu beurteilen, ob die Betroffenen Sowohl ber- als auch Unterbelastun- denen Erschwernisse und Beeintr ch mit der Arbeit zufrieden sind.
9 Der kom gen k nnen zu Fehlbeanspruchungen tigungen von den Betroffenen als zu plexe Begriff der Zufriedenheit wird f hren. Es geht daher bei physischen mutbar empfunden werden, ober ob heute in der Praxis vielfach mit der Fra- und psychischen Belastungen nicht Beeintr chtigungen bestehen. ge nach der Pers nlichkeitsf rderlich- prim r um deren Reduzierung, sondern keit oder den M glichkeiten zur Pers n um die indi viduelle Optimierung. Die Beant wortung dieser Frage ist mit lichkeitsent faltung konkretisiert. Die Beanspruchung ist abh ngig von: Methoden der Sozialwissenschaften, nicht mit Met hoden der Ergonomie und Die Beantwortung dieser Fragen ist der H he der Belastung Arbeits medizin m glich. ebenfalls nur mit Methoden der Psy- chologie und der Sozialwissenschaf- der Dauer der Belastung ten, nicht mit Methoden der Ergonomie m glich. 5. Menschengerechte Gestaltung den Eigenschaften und F higkeiten breitet worden. Gesundheitsf rderung Sind die Unternehmensziele, die des Menschen zielt danach auf einen Prozess ab, der Motive und die Entwicklungsper.
10 Allen Menschen ein h heres Ma an spektiven sowohl der Unternehmung dem bungs- und Trainingszustand Selbstbestimmung ber ihre Gesund- als auch des Einzelnen erkennbar, heit erm glicht und sie damit zur St r- dann k nnen Mitarbeiter ihre per- der Kondition und Disposition sowie kung ihrer Gesundheit bef higt. s nlichen Ziele mit denen des Unter- nehmens in Beziehung setzen und der Leistungsbereitschaft und Antonowsky hatte aus Untersuchungen einen Sinn f r ihr eigenes Tun fest- Motivation an besonders belasteten Gruppen pos- stellen. tuliert, dass Menschen, Beispielsweise liegt beim Tragen einer Auswahl von M glichkeiten zur schweren Last f r alle Mitarbeiter die die ein tief sitzendes Vertrauen in Gesundheitsf rderung gleiche Belastung vor. Je nach Konsti tu ihre F higkeit besitzen das, was um tion, Geschlecht, Alter usw. wird es sie herum geschieht, zu verstehen, Belastungsmindernde Gestaltung da bei zu unterschiedlichen Beanspru von Arbeitsmitteln nach ergono- chun gen kommen.