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1 86 NAMIBIA UND ANGOLAB ernd Althusmann | Hans SiglbauerDIE BEDEUTUNG DES KLIMAWANDELS F R DIE ENERGIEPOLITIK IN DEN L NDERN NAMIBIA UND ANGOLA DIE ZEIT F R EINE ENERGIE-WENDE IN SUBSAHARA-AFRIKA IST REIF Bereits seit mehreren Jahren wird das Thema Klima-wandel und dessen Folgen f r Afrika mit unterschied-licher Intensit t und aus unterschiedlichsten Gr nden debattiert Der IPCC-Bericht 2007 wies sehr deutlich auf die Folgen des Klimawandels f r das s dliche Afrika und insbesondere f r das trockenste Land des s dlichen Afrika, NAMIBIA , hin Der vorausgesagte Klimawandel stelle u a eine ernsthafte Bedrohung der Lebensgrundlagen gerade f r die rmsten Teile der Bev lkerung dar und werde gerade L nder wie NAMIBIA durch sinkende Niederschl ge mit Blick auf die Landwirtschaft benachteiligen 1 Zuk nftige Ent-wicklungen wie sinkende Ertr ge aus Getreideanbau, Ver nderungen des Wasserabflusses und dessen Verf gbarkeit, zunehmende Spannungen durch mehr D rren und berflutungen sowie die Beeinflussung der kosysteme und Lebensgrundlagen durch Tempe-raturanstiege und Austrocknung werden mit Blick auf Subsahara-Afrika kausal auf den Klimawandel zur ck-gef hrt 2 Der aktuellste, dritte Teil des Weltklimaberichts 2014 fasst im Wesentlichen zusammen, dass in den letzten zehn Jahren der weltweite Kohlenstoffdioxid-Aussto im Durchschnitt um 2.
2 2 Prozent pro Jahr gestiegen sei Der Anteil der erneuerbaren Energien m sse sich in den n chsten Jahren verdreifachen oder vervierfa-chen, um den Anstieg der Treibhausgase zu redu-zieren und das angestrebte Ziel einer Reduzierung des Kohlendioxidaussto es um 40 bis 70 Prozent bis 2050 zu erreichen Nur so k nnten schwerwiegende Folgen wie D rren oder noch weniger Niederschlag in den L ndern Afrikas als heute abgemildert werden 3 Die tats chliche Relevanz dieser Zukunftsszenarien 1 | Vgl Michel Boko et al , Africa Climate Change, 2007: Impacts, Adaptation and Vulnerability Contribution of Working Group II to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change , in: M. L. Parry, O F Canziani, J P Palutikof, P J van der Linden und C E Hanson (Hrsg ), 04 / 2007, Cambridge University Press, Cambridge, S 433 467 2 | Vgl ebd , S 435 f 3 | Vgl Christoph Seidler, Neuer IPCC-Bericht: Klimaschutz-Experten setzen Europ er unter Druck , Spiegel Online, http.
3 //spiegel de/wissenschaft/natur/ipcc-wg3-und-eu-kl imabericht-heizt-streit-in-europa-an-a-9 64120 html [28 07 2014] in der Regierungspolitik Namibias oder Angolas ist bisher jedoch nicht ausreichend erkennbar Grund-s tzlichere Probleme wie z B die Bek mpfung der Arbeitslosigkeit, eine Verbesserung der Bildungs-chancen, der Gesundheitsversorgung oder die Reduzierung von Hunger und Wasserknappheit f r die mehrheitlich in den l ndlichen Regionen lebenden Menschen stehen eher im Vordergrund Weder in NAMIBIA noch in ANGOLA stehen bisher das Thema Klimawandel und dessen Folgen ganz oben auf der politischen Agenda, was nicht hei en soll, dass die Bedeutung f r die Zukunft nicht erkannt worden w re Der Nationale Entwicklungsplan Namibias (NDP4-Vision 2030) erkennt durchaus die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung an und hebt dabei besonders die Rolle erneuer barer Ener-gien hervor, aber m gliche und zeitnah umsetzbare ordnungspolitische Rahmenbedingungen wurden bisher nur in Ans tzen auf den Weg gebracht Bis heute werden Fragen des Klimawandels in NAMIBIA eher nachrangig debattiert Die Verursacher f r den Klimawandel werden in erster Linie in den Indus-trienationen Europas, Amerikas oder Asiens gesehen und Chancen auf weitgehende Ver nderungen offensichtlich skeptisch beurteilt Auch in ANGOLA betrachtet die Bev lkerung die Folgen erheblichster Wasser- und Luftverschmutzungen durch die Erd- lindustrie besonders im Flussdelta der Cabinda Region offenbar auch zur ckhaltend.
4 Da letztlich die Ressource l Angolas Wirtschaft innerhalb von zehn Jahren enorm hat wachsen lassen Angolas Fort-schritte w ren ohne diesen lboom undenkbar Den-noch sind in beiden L ndern unterschiedlich starke Signale erkennbar, die zu einer Neuausrichtung der Energie- und Ressourcenpolitik mittel- bis langfristig f hren k nnten Der Capanda-Staudamm am Cuanzastrom in der Provinz Malanje erzeugt mit vier Turbinen eine Leistung von 520 Megawatt. Die Anlage deckt mehr als die H lfte des Energie-bedarfs | Natalie Renkhoff (Hrsg ), 2014: Powering NAMIBIA into the Future. Towards Sustainable Energy Production , Friedrich-Ebert-Stiftung; Margaret Angula, Gender and Climate Change. NAMIBIA Case Study , Heinrich-B ll-Stiftung, 2010 5 | Vgl. Still much too oily , The Economist, 10 04 2014, http://econ st/1pqcwoP [28 07 2014] 6 7 86 | Republik NAMIBIA , Ministry of Environment and Tourism, NAMIBIA Second National Communication to the United Nations Framework Convention on Climate Change , 2011, S 19 f 7 | Ebd , S 20 f 8 | Ebd , S 57 ff KLIMA PROGNOSEN IN NAMIBIAIn 2012 ver ffentlichte die Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft Von-Oertzen-Consulting eine Studie zur Bedeutung erneu- erbarer Energien in NAMIBIA , um insbesondere die politischen Entscheidungstr ger f r diese Thematik zu sensibilisieren Aufgrund einer langen D rreperiode mit zum Teil schwerwiegenden Folgen f r Farmer in den l ndlichen Regionen Namibias war davon auszu- gehen.
5 Dass dieses Thema auf Interesse sto en w rde Die offiziellen Reaktionen blieben jedoch noch zur ck- haltend Die Friedrich-Ebert-Stiftung ver ffentlichte Anfang 2014 eine breit angelegte Studie ber die Potenziale erneuerbarer Energien in Nambia, die sich besonders an die junge Generation des Landes wenden soll 4 Pr sident Pohamba verk ndete zudem offiziell in diesem Jahr im Parlament, dass NAMIBIA die Vorteile erneuerbarer Energien nutzen m sse, um die Energieversorgung des Landes zu sichern Immerhin erzeugt der staatliche Energieversorger Nampower nur rund 39 Prozent des Bedarfs Der Rest der Elektrizit tsversorgung wird durch Importe aus den umliegenden L ndern abgedeckt Mitte April 2014 thematisierte eine zweit gige Ener-giekonferenz im namibischen Parlament erheblich gef rdert von der Konrad-Adenauer-Stiftung die Bedeutung des Klimawandels f r das s dliche Afrika und dessen voraussichtliche Folgen sowie die Chancen erneuerbarer Energien Nationale wie internationale Experten tauschten sich dazu aus und verabschie-deten eine gemeinsame Erkl rung.
6 Die Signalwirkung f r NAMIBIA und wom glich dar ber hinaus entfalten wird Diese Erkl rung fordert von Parlament und Regierung eine st rkere Anerkennung der Folgen des Klimawandels f r das Land sowie eine Gesetzesinitia-tive f r eine bessere Nutzung erneuerbarer Energien Neben einer Vielzahl einzelner Umsetzungsschritte, z B einer st rkeren Nutzung von Solarenergie in einem ariden Land mit der h chsten Zahl an Sonnen-tagen im Jahr, Netzausbaufragen sowie Tarifverg -tungen als Zwischenschritten hin zu einem Energie-Einspeise-Gesetz, sollen Klimawandel und nachhaltige L sungen im Bereich der Energieversorgung zudem Bestandteil in allen F chern an allen Schulformen werden, um die nachwachsenden Generationen f r dieses Thema zu gewinnen F r NAMIBIA ist damit ein erster Schritt hin zu einer langsamen, aber stetigen Energiewende getan Das Parlament ber t im Juni 2014 das weitere Vorgehen Und selbst in ANGOLA scheint das lzeitalter endlich und nicht unendlich Auch dort wird eine st rkere Diversifikation der Wirtschaft gefordert, um auch f r Zeiten nach dem Ende des lbooms ger stet zu sein 5 NAMIBIA geh rt zu den trockensten L ndern in Subsahara-Afrika Das Klima wird vor allem durch den Benguelastrom, der kalte Wassermassen aus der Antarktis an die namibische Atlantikk ste bringt, sowie die intertropische Konvergenzzone und die mittlere Hochdruckzone (Mid-Latitude High Pressure Zone)
7 Bedingt, die im Norden Namibias aufeinandertreffen Diese Kombination f hrt zum Absinken kalter trockener Luftmassen, die Niederschl ge weitgehend verhindern 6 Die feuchtesten Monate sind von Oktober bis April W hrend im Norden Niederschlagsmengen von 700 Millimetern j hrlich erreicht werden, fallen im S den und Westen teils weniger als 25 Millimeter Die Temperaturen an der K ste sind relativ niedrig (zehn bis 22 Grad Celsius im Durchschnitt), k nnen jedoch im Landesinneren auf bis zu 37 Grad Celsius ansteigen Die Ver-dunstung ist zudem extrem hoch 7 Nach aktuellen Prognosen werden die Durchschnittstemperaturen infolge des Klimawandels bis 2065 um ein bis vier Grad Celsius ansteigen Voraussichtlich wird sich die Regenzeit verk rzen und die Trockenpe-riode entsprechend l nger werden, was gravie-rende Einfl sse auf das kosystem und somit die Lebensgrundlagen der Menschen haben wird 888 NAMIBIAS NATIONALE KLIMA- UND ERNEUER-BARE ENERGIEN-POLITIKIn der Vergangenheit spielte die Energieversorgung Namibias keine herausragende Rolle in der gesell-schaftlichen und politischen Diskussion Treibstoffe und der berwiegende Teil des Stroms werden aus Nachbarstaaten, vor allem aus S dafrika.
8 Importiert Sukzessive fand jedoch ein Umdenken statt Bereits 1995 ratifizierte das Land die UNFCCC und ver-abschiedete 1998 ein White Paper on Energy Policy9 Zudem existieren ein Namibian Renewable Energy Program sowie ein Renewable Energy and Energy Efficiency Capacity Building Program, die jedoch bis heute nicht den Ausbau der Erzeugungskapazit ten im gew nschten Umfang einleiten konnten 2010 wurde eine NAMIBIA National Climate Change Policy (NCCP) verabschiedet, die als rechtliches Rahmenwerk zur Anpassung an den Klimawandel dienen soll10 AUSBAUHINDERNISSE UND ERNEUERBARE-ENERGIEN-POTENZIAL IN NAMIBIAIm White Paper von 1998 wird auf die fast uner-sch pflichen, jedoch kaum erschlossenen Ressourcen Namibias hingewiesen: Neben dem Wasserkraftpo-tenzial [..], liegt die gemessene Sonneneinstrahlung in NAMIBIA so hoch wie in keinem anderen Land der Welt (bis zu 3 100 Kilowattstunden / Quadrat-meter / Jahr in bestimmten Regionen) Daneben sind exzellente Windressourcen in den K stengebieten vorhanden.
9 11 Zentrale Ausbauhindernisse sind u a die enorme Abh ngigkeit von Importen aus Nach-barstaaten, fehlende oder sehr abstrakte planungs-rechtliche Rahmenbedingungen, ein relativ altes und ausbaubed rftiges Netz, sehr niedrige Strompreise wie auch fehlende Finanzmittel und die Bereitschaft zu Investitionen in Erzeugungsanlagen 12 Das Potenzial f r den Ausbau erneuerbarer Energien in NAMIBIA ist enorm Eine Reihe verschiedener Erzeu-gungstechniken aus Solar-, Wasser-, Wind- oder auch Biomassequellen st nde bereits heute zur Verf gung und k nnte sukzessive zu einer gr eren Unabh ngig-keit und Autarkie Namibias f hren 13 Vor allem kleine 9 | Vgl ebd , S 18, 101 10 | Vgl Republik NAMIBIA , Ministry of Environment and Tourism, National Policy on Climate Change for Nami-bia , 2010; Republik NAMIBIA , Ministry of Environment, Convention on Climat Change , 2011, S.
10 | Republic of NAMIBIA , Ministry of Mines and Energy, 1998: White Paper on Energy Policy, S 4312 | Vgl. Detlef von Oertzen, NAMIBIA s Energy Future. A Case for Renewables , Konrad-Adenauer-Stiftung, 2012, S 15, 37 ff , 86 13 | Ebd , S 43 ff Anlagen mit verh ltnism ig geringeren Investitions-volumina k nnten zu einer dezentralen Erzeugung und Versorgung beitragen und den unzureichenden Netzausbau zumindest teilweise kompensieren NAMIBIAS ZUSAMMENARBEIT MIT DER EU UND INTERNATIONALEN ORGANISATIONENDie Entwicklungszusammenarbeit der EU14 mit NAMIBIA legte bislang keinen Ansatz auf Projekte zur Bek mp-fung des Klimawandels 15 Seit dem ersten Quartal 2014 hat die EU jedoch gerade hier einen neuen Fokus gelegt Insgesamt werden f r ca 6,7 Millionen Euro aus dem 10 Europ ischen Entwicklungsfonds Ma nahmen zur Eind mmung bzw zur Anpassung an den Klimawandel ausgeschrieben 16 Vereinzelt wurden bereits Projekte umgesetzt.