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Philipp Mayring Qualitative Inhaltsanalyse – ein Beispiel ...

Philipp MayringQualitative Inhaltsanalyse ein Beispiel f r Mixed Methods1. Zur Bedeutung textanalytischer Methoden f r die BildungsforschungDer Gegenstandsbereich von Bildungsforschung sind Voraussetzungen, Prozesse und Ergebnisse von Bildung ber die Lebensspanne, und zwar innerhalb von (Bildungs-)Institutionen und im gesellschaft lichen Kontext (Prenzel, 2006, S. 73). Im Wesentli-chen sind hier Lehr-Lernprozesse gemeint, die heute nicht mehr rein behavioristisch als Verhaltens nderungen im Reiz-Reaktions-Schema verstanden werden, sondern als Prozesse der Informationsverarbeitung und der Wissensvermittlung (Krapp & Wei-denmann, 2004). Der Bildungsbegriff im Gegensatz zum Lernbegriff unterstreicht dabei Prozesse der Selbstrefl exion.

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1 Philipp MayringQualitative Inhaltsanalyse ein Beispiel f r Mixed Methods1. Zur Bedeutung textanalytischer Methoden f r die BildungsforschungDer Gegenstandsbereich von Bildungsforschung sind Voraussetzungen, Prozesse und Ergebnisse von Bildung ber die Lebensspanne, und zwar innerhalb von (Bildungs-)Institutionen und im gesellschaft lichen Kontext (Prenzel, 2006, S. 73). Im Wesentli-chen sind hier Lehr-Lernprozesse gemeint, die heute nicht mehr rein behavioristisch als Verhaltens nderungen im Reiz-Reaktions-Schema verstanden werden, sondern als Prozesse der Informationsverarbeitung und der Wissensvermittlung (Krapp & Wei-denmann, 2004). Der Bildungsbegriff im Gegensatz zum Lernbegriff unterstreicht dabei Prozesse der Selbstrefl exion.

2 Damit ist der Gegenstand der Bildungsforschung nicht einfach von au en beobachtbar, sondern vorwiegend ber eingehende Befra-gungen, Selbstberichte, Dokumente erschlie bar. In der Datenerhebung von Projek-ten der Bildungsforschung fallen also Texte an, aus off enen Interviews, Fokusgrup-pendiskussionen, off enen Frageb gen, Lerntageb chern, off enen Beobachtungspro-tokollen, Dokumenten ber Bildungsprozesse. Textanalytische Methoden gewinnen dadurch in der Auswertung besondere Bedeutung. Methodenlehrb cher ber cksichti-gen diese immer noch viel zu wenig. Entweder widmen sie sich nur der statistischen Datenanalyse oder sie gehen im Rahmen qualitativer Forschung nur auf Forschungs-paradigmen ein und schildern konkrete Textanalysetechniken nur am Rande.

3 Ebenso wenig wie man in einem Forschungsbericht nicht davon sprechen kann, man werte seine Daten statistisch aus, ohne die konkreten Techniken zu nennen, ebenso wenig macht es Sinn, in einem Projekt mit Textmaterial davon zu sprechen, man werte dieses textanalytisch aus oder man interpretiere es. Wissenschaft lerIn-nen m ssen die konkrete textanalytische Verfahrensweise angeben und begr nden, die eingesetzt werden soll. Dabei hat man heute im Rahmen sozialwissenschaft licher Textanalyse die Auswahl zwischen sehr verschiedenen Ans tzen (Friebertsh user, Langer & Prengel, 2010; Mey & Mruck, 2010); Objektive Hermeneutik, Sozialwissen-schaft lich-hermeneutische Paraphrase, Psychoanalytische Textinterpretation, biogra-phieanalytische Ans tze, diskursanalytische Ans tze, Kodieren nach der Grounded Th eory und eben auch der Qualitativen Inhaltsanalyse .

4 Die ausgew hlte textanalyti-sche Vorgehensweise muss zu dem erhobenen Material und der verfolgten Fragestel-lung Beitrag soll zeigen, dass die Qualitative Inhaltsanalyse in besonderem Ma e geeignet ist, im Rahmen von Mixed-Method-Projekten eingesetzt zu werden, da sie Qualitative und quantitative Analyseschritte verbindet. Dadurch unterscheidet sie sich fundamental von den anderen oben genannten Textanalyseans 10 10:35 Philipp Mayring282. Definitionsmerkmale der Qualitativen InhaltsanalyseDie Qualitative Inhaltsanalyse hat sich in den letzten 30 Jahren zu einem Standard-verfahren der Auswertung entwickelt. Ihre Anwendung erfordert ein genaues metho-disches Prozedere, dessen wichtigste Elemente hier zusammengestellt werden (May-ring, 2010; Mayring & Gl ser-Zikuda, 2008) Einordnung in ein KommunikationsmodellDie Qualitative Inhaltsanalyse baut in ihrem Vorgehen auf der quantitativen Content Analysis auf, die aus den Kommunikationswissenschaft en stammt (Berelson, 1952; Krippendorff , 2004).

5 Dazu geh rt auch, dass sie das Material nicht isoliert betrach-tet, sondern in sein Kommunikationsmodell (Sender, soziokultureller Hintergrund, Quelle, Zielgruppe, Empf nger) einordnet und festlegt, auf welche Teile des Modells aus der Textanalyse Schlussfolgerungen gezogen werden sollen. Bestimmung des konkreten inhaltsanalytischen VerfahrensAus der Fragestellung, dem Ziel der Analyse, l sst sich ableiten, welche konkrete Vorgehensweise sinnvoll ist. Es sind verschiedene Verfahren vorgeschlagen worden ( Mayring , 2010): Zusammenfassende Analyse, induktive Kategorienbildung, Explika-tion (enge und weite Kontextanalyse), Strukturierung bzw. deduktive Kategorienan-wendung (formale, inhaltliche, typisierende, skalierende Strukturierung).

6 Es ist auch eine Kombination verschiedener Verfahren m glich. In diesen Vorgehensweisen spie-len Qualitative und quantitative Analyseschritte eine unterschiedliche Rolle. Hier deu-tet sich schon das Konzept der Mixed Methods in der Inhaltsanalyse Aufstellen eines AblaufmodellsZentral f r inhaltsanalytisches Arbeiten ist, dass vor der Analyse ein Ablaufmodell erstellt wird, das schrittweise durchlaufen werden soll. Dies grenzt das Vorgehen von freieren Interpretationstechniken ab. F r die Grundvorgehensweisen (Zusammenfas-sung, Explikation, Strukturierung) sind solche Ablaufmodelle vorgeschlagen worden, die jedoch im Einzelfall an das Analyseziel angepasst werden k nnen.

7 Das gilt im Besonderen f r Kombinationen unterschiedlicher inhaltsanalytischer Techniken. 10 10:35 Qualitative Bestimmung der AnalyseeinheitenWie schon in der quantitativen Contents Analysis m ssen in der qualitativen Inhalts-analyse die Analyseeinheiten vorab festgelegt werden. Dies ist die Grundlage f r sys-tematisches und intersubjektiv berpr fb ares Vorgehen. Die Auswertungseinheit legt die Materialportionen fest, die jeweils mit einem Kategoriensystem in Verbindung gebracht werden. Das kann das einzelne Interview, die Antwort auf eine Leitfaden-frage oder gar das gesamte Material sein. Die Kodiereinheit legt den minimalen Text-bestandteil fest, der einer Kategorie zuordenbar ist und bestimmt damit die Sensibi-lit t des Verfahrens.

8 Die Kontexteinheit schlie lich defi niert, welches Material jeweils f r eine Kodierentscheidung (zus tzlich) herangezogen werden kann. Festlegung des Kategoriensystems und der inhaltsanalytischen RegelnDas Erkennungsmerkmal inhaltsanalytischen Vorgehens stellt das Arbeiten mit Kategorien(systemen) dar. Kategorien sind dabei die Auswertungsaspekte, mithilfe derer das Material bearbeitet wird. Sie werden entweder induktiv aus dem Material gewonnen oder deduktiv, , theoretisch begr ndet vorab formuliert und an das Material angelegt. Kategorien sind, hnlich wie Codes in der Grounded Th eory, als Begriff e, Konzepte oder Kurzformeln formuliert.

9 Kategorien k nnen gruppiert oder hierarchisch geordnet werden (Kategoriensystem). Die Zuordnung von Textmaterial zu Kategorien wird in den inhaltsanalytischen Regeln festgelegt. Das Arbeiten mit Kategorien(systemen), so wird im n chsten Abschnitt gezeigt, ist die Voraussetzung f r Quantifi zierungen, und damit f r Mixed-Methods-Ans PilottestungDie Kategorien(systeme) und die darauf bezogenen inhaltsanalytischen Regeln stellen also das zentrale Instrumentarium dar. Sie werden in der Regel f r das jeweilige For-schungsprojekt individuell zusammengestellt bzw. entwickelt. Wenn ein solches Vor-gehen nicht willk rlich erscheinen m chte, so muss es einer Pilottestung unterzogen werden.

10 Dies geschieht im Rahmen der Qualitativen Inhaltsanalyse jeweils in der Stu-die selbst, und zwar in einer R ckkoppelungsschleife zur G tekriterienDie Anwendung inhaltsanalytischer G tekriterien ist ein weiteres Unterscheidungs-merkmal zu anderen Textanalyseans tzen. Wir unterscheiden hier vor allem die Intra-Koder- bereinstimmung (der Inhaltsanalytiker/die Inhaltsanalytikerin beginnt nach Abschluss der Analyse nochmals zumindest teilweise mit der Auswertung von 10 10:35 Philipp Mayring30vorn und vergleicht die Ergebnisse mit dem ersten Durchgang; dies zeigt die Stabi-lit t des Verfahrens) und die Inter-Koder- bereinstimmung (weitere Inhaltsanalyti-ker/innen nehmen, nach Einarbeitung in Kategoriensystem und Regeln, einen Gegen-check zumindest an Materialausschnitten vor; dies ist ein Indikator f r Auswertungs-objektivit t).


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