Transcription of Tierklinik Hofheim
1 Tierklinik Hofheim Klinikleitung: Dr. Kessler Dr. Kosfeld Dr. Tassani-Prell Dr. Bessmann Copyright Tierklinik Hofheim 2005 1 von 6 H mangiosarkom Dr. Martin Kessler Tierklinik Hofheim H mangiosarkom (malignes H mangioendotheliom) des Hundes 1) H mangiosarkom der Milz Das H mangiosarkom ist ein maligner mesenchymaler Tumor, ausgehend von den Blutgef -Endothelzellen. Die h ufigsten Prim rlokalisationen sind Milz, Haut, rechter Herzvorhof und Leber. Von manchen Autoren wird auch die M glichkeit eines prim r multiplen Auftretens diskutiert. Beim Hund kommen H mangiosarkome h ufiger vor als bei anderen Spezies (einschlie lich des Menschen).
2 Sie machen beim Hund etwa 7 % aller b sartigen Neoplasien, bzw. ca. 40% aller abdominalen Tumoren aus. Es besteht eine Rassepr disposition f r den deutschen Sch ferhund (Anteil von bis zu 40 % in insgesamt 20 Studien). In der Regel sind ltere Tiere betroffen. Der Tumor hat aufgrund seiner Neigung zur Metastasierung und Ruptur ein hochmalignes biologisches Verhalten und geh rt zu den b sartigsten Sarkomen des Hundes. Zum Zeitpunkt der Diagnose ist bei bis zu 70 % der Patienten mit makroskopisch sichtbaren Metastasen zu rechnen. Die Metastasierung erfolgt h matogen, sowie nach Ruptur des Tumors durch als Implantationsmetastasen auf den ser sen H uten des Abdomens.
3 Die bevorzugten Metastaseorgane sind Netz, Peritoneum, Leber, Herz und Lunge, es sind jedoch auch Metastasen in zahlreichen anderen Organen beschrieben. Betroffene Hunde sind im Fr hstadium der Erkrankung oft symptomfrei oder zeigen unspezifische Erscheinungen wie Leistungsinsuffizienz, Abdominalschmerz, und Erbrechen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es h ufig zur Tumorruptur mit massivem H moabdomen, was zum hypovol mischen Schock mit Todesfolge f hren kann. Mehr als die H lfte der Tiere werden in diesem Stadium vorgestellt. H mangiosarkome gehen mit einer gro en Bandbreite h matologischer und h mostatischer St rungen einher.
4 Am h ufigsten findet sich eine regenerative oder nicht-regenerative An mie, die verursacht wird durch Blutverlust in die Bauchh hle, intravasale H molyse und Blutgerinnungsst rungen. Charakteristisch sind kernhaltige Erythrozyten (Normoblasten) und morphologische Ver nderungen der Erythrozyten im Blutausstrich, wie z. B. Anisozytose, Poikilozytose, Polychromasie, Akanthozyten und Schistozyten. Bei einem Gro teil der Patienten l t sich auch eine Leukozytose (bis zu Leukozyten / l) feststellen (vielfach mit Neutrophilie, Linksverschiebung, Monozytose und Eosinopenie).
5 In eigenen Untersuchungen traten bei 90 % der Patienten eine An mie und bei 70 % eine Leukozytose auf. Eine Zusammenfassung der Blutbildver nderungen, deren Ursachen und Vorkommensh ufigkeiten findet sich in der folgenden Tabelle. Tierklinik Hofheim Klinikleitung: Dr. Kessler Dr. Kosfeld Dr. Tassani-Prell Dr. Bessmann Copyright Tierklinik Hofheim 2005 2 von 6 Ver nderungen des roten Blutbildes bei Hunden mit H mangiosarkom Ver nderung Ursache Vorkommensh ufigkeit bis zu .. An mie H molyse, Blutverlust, An mie chronischer Erkrankungen 80 % Retikulozyten Anisozytose Polychromasie Poikilozytose regenerative An mie 60 % Schistozyten neoplastische Blutgef e und Fibrinablagerungen f hren zur H molyse (Mikroangiopathie) 80 % Akanthozyten Abnorme Erythrozytenmembran aufgrund St rung im Lipidhaushalt der Leber (?)
6 90 % Normoblasten berschie ende Regeneration der Erythrozyten extramedull re H matopoese funktioneller Hyposplenismus - Hypoxie (?) 70 % Thrombozytopenien und H mostasest rungen im Zusammenhang mit H mangiosarkomen kommen h ufig vor. Sie treten infolge des akuten Blutverlustes bzw. einer Verbrauchskoagulopathie (DIG) auf und manifestiert sich klinisch in einer erh hten Blutungsneigung. Als Ursache f r die tumorassoziierte DIG wird eine Kombination aus Endothelzellsch digungen, H molyse und Tumornekrose mit erh hter Freisetzung von Thromboplastin angesehen.
7 Bei mehr als der H lfte der Patienten mit H mangiosarkomen der Milz l t sich labordiagnostisch eine DIG nachweisen. Die Assoziation von H mangiosarkomen mit Blutgerinnungsst rungen ist so charakteristisch, da bei Hunden der Risikorassen mit Spontanblutungen ein solcher Tumor die wichtigste Differentialdiagnose darstellen sollte. Die Serumparameter sind h ufig unver ndert, als Folge der Resorption von Blutungen kann es jedoch zu Erh hungen des Bilirubins kommen. Als typischer R ntgenbefund beim H mangiosarkom der Milz findet sich eine Umfangsvermehrung im mittleren bis cranialen Abdomen, bzw. bei Tumorruptur eine verminderte Detailerkennbarkeit bedingt durch das H moabdomen.
8 Sonographisch zeigt sich ein Milztumor in Fr hstadium auf einen Teil des Milzgewebes beschr nkt, so da neben dem normalen Parenchym eine deutliche Masse abgegrenzt werden kann. Bei gro en Tumoren ist die Zuordnung der Neoplasie zur Milz nicht immer zweifelsfrei m glich. F r das H mangiosarkom typisch ist eine gemischt echogene Struktur mit deutlicher Kavernenbildung ( mottenfra - hnlich) Tierklinik Hofheim Klinikleitung: Dr. Kessler Dr. Kosfeld Dr. Tassani-Prell Dr. Bessmann Copyright Tierklinik Hofheim 2005 3 von 6 Es lassen sich zwei Formen der Lungenmetastasierung unterscheiden. Bei der ersteren kommt es zur Ausbildung mehr oder weniger gleichm ig ber das Lungenfeld verteilter nodul rer Verschattungen, w hrend es bei der zweiten Form aufgrund miteinander verschwimmender mikronodul rer Herde zu einer interstitiellen Verschattung des Lungenfelds kommt.
9 Daneben kann es aufgrund von Lungenblutungen zu alveol ren oder gemischten Verschattungen kommen. Aufgrund des aggressiven Verhaltens des Tumors ist eine kurative Therapie der Erkrankung in der Regel unm glich, so da die Behandlung auf eine Lebensverl ngerung unter Erhaltung bzw. Wiederherstellung einer guten Lebensqualit t ausgerichtet ist. Bei Patienten mit ausgedehnter Implantationsmetastasierung oder Metastasierung in abdominale Organe ist eine Euthanasie anzuraten. Die Therapie der Wahl ist eine Kombination aus Splenektomie (s. dort) und Chemotherapie, wobei die systemische Behandlung v.
10 A. bei Tieren ohne makroskopisch sichtbare Metastasen zu empfehlen ist. Der Einsatz von Doxorubicin alleine oder in Kombination mit anderen Medikamenten hat bislang die besten Ergebnisse erzielt. Am h ufigsten wird eine Kombination aus Doxorubicin, Vincristin und Cyclophosphamid empfohlen. Immunotherapie und der Einsatz von Angiogenese-hemmenden Substanzen erscheinen sinnvoll, gr ere Studien stehen jedoch noch aus. Vincristin-Doxorubicin-Cyclophosphamid (VDC) Chemotherapie- Protokoll f r H mangiosarkom (Zyklus alle 3 Wochen wiederholen) Medikament Dosis Tag 1 Doxorubicin 30 mg/m KOF i. v. (Hunde >10 kg KM) 1 mg/kg i. v.