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Volker Gülich Der Klassenraum ist der dritte Pädagoge

40 Praxis Schule 4-2010 Volker G lichDer Klassenraum ist der dritte P dagoge Ein Workshopangebot am Studienseminar FritzlarDer Klassenraum wird in seiner Bedeutung f r das Lernen und die Bildung untersch tzt. Kinder sind Ent-decker, sie wollen lernen und wollen immer besser wer-den, vor allem, wenn die Umgebung sie anspricht und herausfordert. Anhand eines erprobten Workshopange-botes am Studienseminar Fritzlar beschreibt dieser Artikel die Umgestaltung des Klassenraums in eine lernauffordernde Umgebung. Der Klassenraum ist der dritte P dagoge - dies formulierte Loris Malaguzzi, der verstorbene Vor-denker der Reggio-P dagogik in Norditalien. Neben dem Lehrer sieht er die Sch ler als zweiten und den Klassenraum als drit-ten P dagogen. Am Studiense-minar Fritzlar fordert der Work-shop Der Klassenraum ist der dritte P dagoge die angehenden Lehrer auf, ihren Klassenraum gemeinsam mit den Sch lern in eine lernauffordernde Umge-bung zu gestalten.

Praxis Schule 4-2010 41 Gelbtöne 1) Zitronentöne sind, wenn großflächig aufgetragen, ungeeig-net. Sie wirken aufdringlich und lösen aggressive Assoziationen

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1 40 Praxis Schule 4-2010 Volker G lichDer Klassenraum ist der dritte P dagoge Ein Workshopangebot am Studienseminar FritzlarDer Klassenraum wird in seiner Bedeutung f r das Lernen und die Bildung untersch tzt. Kinder sind Ent-decker, sie wollen lernen und wollen immer besser wer-den, vor allem, wenn die Umgebung sie anspricht und herausfordert. Anhand eines erprobten Workshopange-botes am Studienseminar Fritzlar beschreibt dieser Artikel die Umgestaltung des Klassenraums in eine lernauffordernde Umgebung. Der Klassenraum ist der dritte P dagoge - dies formulierte Loris Malaguzzi, der verstorbene Vor-denker der Reggio-P dagogik in Norditalien. Neben dem Lehrer sieht er die Sch ler als zweiten und den Klassenraum als drit-ten P dagogen. Am Studiense-minar Fritzlar fordert der Work-shop Der Klassenraum ist der dritte P dagoge die angehenden Lehrer auf, ihren Klassenraum gemeinsam mit den Sch lern in eine lernauffordernde Umge-bung zu gestalten.

2 Inhalte des WorkshopsDer Workshop besch ftigt sich mit der Fragestellung: Wie k n-nen R ume gestaltet sein, die zum Lernen auffordern? Ein Klas-senraummodell dient hierzu als zu verwendenden Gestal-tungshilfen sind einfach und ko-steng nstig umsetzbar. Hand-werkliche F higkeiten sind hierf r nicht erforderlich. ber die Farb- und Gestal-tungspsychologie wird zun chst verdeutlicht, dass Farben und Formen eine nachhaltige Wir-kung auf uns haben. Sie wecken Emotionen und Assoziationen, welche auf die meisten von uns zutreffen. Lernauffordernde Farben Farbportraits ( ) werden er-stellt, auf denen Farben mit den zugeh rigen Empfindungen und Assoziationen aufgef hrt wer-den. Hinzu kommt die Zuord-nung zu Unterrichtssituationen im Klassenraum , z.

3 B.: anregend kreativ sein, in Ruhe arbeiten, entspannen und R ckzug, Auf-merksamkeit einfordern oder f r Schulr ume Farben werden nun in eine perspektivische Raumzeich-nung (Abb. 2) bertragen, um ihre r umliche Wirkung zu erle-ben. Nat rlich muss hier erw hnt werden, dass Gelb nicht gleich Gelb ist. Ein wohl gew hltes Gelb strahlt Heiterkeit und Optimis-mus aus, falsch anger hrt kann es jedoch unertr glich aufdring-lich wirken. DER dritte P DAGOGESchULE: alle SchulformenFAch: f cher bergreifendJAhRGAnG: Sekundarstufe I und IIempfehlunGAbb. 1: um die nutzbarkeit von farben im klassen-raum festzustellen, werden auf farbportraits die zugeh rigen empfin-dungen und Assoziationen aufgef hrt. Zudem k nnen den farben unterrichts-situationen wie anregend, ruhig, entspannt etc.

4 Zugeordnet 2: um die r umliche Wirkung zu erleben, werden farben in eine perspektivische raumzeichnung : Volker G lichPraxis Schule 4-201041 Gelbt ne1) Zitronent ne sind, wenn gro fl chig aufgetragen, ungeeig-net. Sie wirken aufdringlich und l sen aggressive Assoziationen ) Vanille- und Ockert ne eig-nen sich vorz glich f r Klassen-r ume, sie k nnen gro fl chig aufgetragen werden. Sie vermit-teln Heiterkeit, W rme, Optimis-mus, Offenheit, Beweglichkeit und wirken kommunikativ. Somit k nnen diese Farbt ne als lern-auffordernd bezeichnet ne3) Himmelblaue T ne eignen sich f r mittelgro e Fl chen. Diese Fl chen treten optisch in den Hintergrund, wirken raum-vergr ernd und wecken somit bei den Lernenden die Kreativi-t t.

5 Diese Farbt ne vermitteln Harmonie, Zufriedenheit, Ent-spannung, Sicherheit, Vertrauen, Stille, Freundschaft, Freundlich-keit und k nnen mit der Arbeits-situation In Ruhe arbeiten um-schrieben ) Tiefblaue T ne sind unge-eignet, sie wirken energielos und vermitteln K lte und ne5) Rot-Oranget ne eignen sich f r kleine Fl chen im Klassen-raum. Dort vermitteln sie Vita-lit t, Aktivit t, Dynamik, Wille, Kraft, Lebhaftigkeit und Aus-dauer. Sch ler verhalten sich vor dem Hintergrund dieser Farbe sehr selbstbewusst, da Orange-t ne besch tzend auf sie wirken. Sind die Fl chenanteile im Klas-senraum zu gro fl chig gew hlt, wird eine beraktivit t ausge-l ) Werden die Rott ne zu dun-kel gew hlt oder gleiten ins Vi-olett, wirken sie dominant und vermitteln Zorn, Kampf und Die Erkenntnisse aus der Farb-psychologie und der perspekti-vischen Raumdarstellung wer-den im Modellbau umgesetzt.

6 Das Modell stellt einen Klassen-raum im Ma stab 1:20 dar. Sub-jektive Theorien zu den Farbwir-kungen k nnen hier berpr ft werden. Weiterf hrend k nnen im Modell flexible Sitzordnungen dargestellt ElementeOft sind einem Lehrer, der seinen Klassenraum gestalten m chte, Grenzen gesetzt. Die Geb ude-verwaltung l sst in der Regel nur bestimmte Farben zu. Um dem Raum eine bestimmte Farbwir-kung zu geben, muss jedoch nicht unbedingt eine einzelne Wand oder gar der komplette Raum ge-strichen werden. Farbig gestrichene Elemente, welche im Klassenraum bewusst arrangiert werden, erzielen den gew nschten Effekt. Sie k n-nen jederzeit demontiert oder nach einem Wechsel des Klassen-raumes erneut angebracht Bau dieser Elemente wer-den gehobelte Kanth lzer mit einem Querschnitt von 4x6 cm ben tigt.

7 Nachdem die H lzer zu einem Rahmen zusammen-geschraubt wurden, werden sie mit Stoff bespannt und auf der R ckseite festgetackert. Der Stoff sollte gespannt ber den Rah-men befestigt werden. Auch aus-gediente Bettlaken eignen sich, da der Stoff die Farbe sehr gut Klassenraum angebracht, l sen die farbigen Elemente die gew nschten Assoziationen bei den Sch lern aus. Dar ber hi-naus verbessert das Element die Akustik des Klassenraumes. Krankenkassen benennen als Grund f r ein fr hzeitiges Aus-brennen der Lehrkr fte einen dauerhaft grenzwertigen Schall-pegel in den Klassenr umen. Flie ende, weiche, also schallab-sorbierende Stoffe fehlen in den meist schallharten R umen. Der Luftschall der Stimmen des Leh-rers und der Sch ler wird von Wand zu Wand geworfen und sch digt das Geh r.

8 Abb. 3: nicht alle farben haben im Klassenraum eine positive )3)5)2)4)6)42 Praxis Schule 4-2010hinweise zu den materialienM1 Farbpsychologie I Dieser Arbeitsauftrag richtet sich an die Sch ler. Sie sollen in Einzelarbeit ihre Gef hle und Dinge benennen, die sie mit jeweiligen Farben verbinden. M2 Farbpsychologie II In Gruppenarbeit tauschen sich die Sch ler ber Gemein-samkeiten und bereinstimmungen aus und ordnen Farben jeweiligen Unterrichtssituationen zu. M3 Ablauf Workshop Dieses Lehrermaterial zeigt den Ablauf des Workshops Der dritte P dagoge ist der Klassenraum auf. Zu diesem Beitrag geh -ren folgende Materialien (Copy im Heft):Der dritte P dagogeM 1 Farbpsychologie IM 2 Farbpsychologie IIM 3 Ablauf WorkshopmAteriAlienDER dritte P DAGOGEP raktische Umsetzung Die Erkenntnisse aus der Farb-psychologie, der perspekti-vischen Raumzeichnung und dem Modellbau f hrten zur Um-setzung im Klassenraum der 6a an der Ortenbergschule in Fran- r Bereiche der besonderen Aufmerksamkeit sollten Orange bis Orangerot gew hlt werden.

9 So wurde die Fl che hinter dem Leh-rerpult durch ein orangefarbenes Element hervorgehoben. (Abb. 4) Die Lehrkraft erlangt hierdurch in kurzen frontalen Unterrichts-phasen die gew nschte Aufmerk-samkeit der Sch ler. Diese Farb-fl chen d rfen nicht zu gro gew hlt werden, da sie bei den Sch lern zun chst eine berak-tivit t ausl sen w rden und an-Abb. 4 (links): Durch ein orangefarbenes element hinter dem lehrerpult erlangt der lehrer 5 (rechts): Beruhend auf den erkenntnissen der farbpsychologie, der per-spektivischen raumzeich-nung und dem modellbau ist dieser Klassenraum 6: Der prototyp eines projekt-m end zu einer Erm dung. Bereiche des R ckzugs sind durch Elemente gekennzeichnet, welche Himmelblau und Braun gestrichen sind.

10 Die Sch ler k n-nen hier in Ruhe Klassenraum sollte ganz-heitlich betrachtet werden, Farbe ist lediglich ein Aspekt eines he-rausfordernden Klassenraumes. (Abb. 5) Ausreichende Pr senta-tionsfl chen f r Sch lerarbeiten sollten vorhanden sein. Die Sch -ler haben somit die M glichkeit, sich mit dem Klassenraum und der Schule zu identifizieren. Er-gonomisch verstellbare Sitzm -bel und h henverstellbare Tische sind w nschenswert. Ein Schulm bel im Sinne des dritten P dagogen zeichnet sich durch Hochwertigkeit der Ma-terialien und Dienlichkeit aus, daher zum Schluss ein Blick auf den Prototyp eines Projektm -bels: (Abb. 6) Das M bel ist aus kolo-gischen Materialien gefertigt. Der M belkorpus bietet gen gend Stauraum und ist f r die Sch -ler leicht zug nglich.