Transcription of Sportphysio - Thieme
1 SportphysioHerausgeberH. BantM. HaasM. LeuschG. Rainer-MitterbauerM. OpheyG. SuppSportphysio fragt nach Experten antwortenPr vention im LeistungstennisLIVE K rperwelten in BewegungSCHWERPUNKTF unctional Training1 2015 Seite 1 48 3. JahrgangTaping Daumen und Finger FOCUSS portphysio 1/15 Foto: TrainingEinf hrung Sportphysio fragt nach .. Experten antworten Was bedeutet funktionelles Training f r Sie?15 Vertiefung Pr vention im Leistungstennis Testen, Analysieren und Korrigieren21 Vertiefung Die Scapula: Drehscheibe der neuromuskul ren Kontrolle der Schulter27 RefresherfragenSportphysio fragt nach .. Experten antwortenWas bedeutet funktionelles Training f r Sie?
2 SPOT ON:Der Begriff des Funktionellen Trainings ist noch nicht eindeutig definiert. Wir haben Experten aus mehreren Bereichen des Sports befragt. Wir wollten wissen, was sie unter einem funktionellen Training verstehen und was es beinhalten muss. Welchen Stellenwert hat es in ihrer Sportart? Welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen athletischem und funktionellem Training gibt es? Und zu guter Letzt, was ist neu am funktionellen Training? Hier lesen Sie die Haas und Geri OCUS EINF HRUNGJan Kirstein, MAS Sportphysiotherapeut (MAS), Leiter einer Physiotherapieschule in Dortmund, Experte im Bereich BewegungsscreeningsAls 2004 ein Amerikaner als Fitnesstrainer ins Team der deutschen Fu ball-National-mannschaft berufen wurde, stie dies zu-n chst auf wenig Gegenliebe, erregte aber viel Aufmerksamkeit.
3 Zehn Jahre sp ter geh rt funktionelles Trai-ning zum Standardrepertoire vieler Trainer und Physiotherapeu-ten. In 47 Prozent aller europ ischen Mannschaften der ersten Fu ball-Liga nutzt man funktionelle Screens, um die Spieler zu untersuchen und daraus passende Trainingsstrategien zu entwi-ckeln [1]. Dabei hat sich aber doch unter anderem gezeigt, dass klassische Trainingsmethoden, wie etwa das Krafttraining auf sta-bilen Untergr nden, viel effektiver sind [3, 6] als beispielsweise Core-Training auf instabilen Untergr nden. Warum wird funk-tionelles Training dann so h ufig eingesetzt? Michael Boyle und Gray Cook, zwei Top-Experten dieses Themas, sagen, dass eine bung per se niemals funktionell oder unfunktionell sein kann.
4 Es kommt immer auf die F higkeiten, Defizite und Ziele des Ath-leten an. Wie sich zeigt, ist gerade das Verringern der Defizite ein perfektes Mittel, verletzungspr ventiv zu arbeiten. :: Etliche Studien zeigen, dass sportartspezifisches Training wie die Sprungschulung Nicht-Kontakt- Verletzungen deutlich reduziert [7]. Und wenn man sich die neuesten Studien zur motorischen Kon-trolle anschaut, scheint genau dies der entscheidende Faktor zu sein, ob man verletzungsanf llig ist oder nicht. Wir Trainer und Sportphysiotherapeuten sollten also Experten dieses Themas sein und unsere Athleten so betreuen, dass sie die optimale Leistung bei m glichst geringem Verletzungsrisiko abrufen k SteverdingSportphysiotherapeut, Athletiktrainer, sterreichisches Fu ballnationalteamGrunds tzlich kann alles, was im Training der Funktion des K rpers entspricht, als funktionelles Training gedeutet werden.
5 Schon ganz fr h in der Trainingswissen-schaft orientierte man die Trainingsme-thodik an den geforderten Bewegungsabl ufen einer Sportart, um Athleten eben genau auf diese Abl ufe und Belastungen vorzu-bereiten. In komplexen Sportarten hat sich aber gezeigt, wie we-nig ein isoliertes Training von Bewegungen oder Muskelgruppen, mit der eigentlichen Leistung auf dem Spielfeld zu tun hat. Resul-tierend aus dieser Erkenntnis, hat sich das funktionelle Training, eben das Training zusammengeh render Funktionsketten/Mus-kelschlingen, angelehnt an die sportlichen Anforderungen entwi-ckelt oder neu Training beinhaltet meiner Meinung nach alle Fa-cetten der sogenannten konditionellen (Ausdauer, Schnelligkeit, Flexibilit t, Kraft) und koordinativen F higkeiten.
6 Dabei akzentu-ieren Dauer, Bewegungsgeschwindigkeit, -ausf hrung, -amplitu-de und die eingesetzte Methodik eben die Wirkungsweise auf die trainierten Funktionsketten so k nnen Yoga-Einheiten (Flexibi-lit t) genauso funktionell sein wie Animal-Movement-Exercises (Rumpfstabilisation) oder ein modernes Cardio-Strength-Training (HIT). Es geht dabei immer um Ziele und Anforderungen. Im Fu ball, einer Schnellkraftsportart mit Gegnerkontakt, hat das funktionelle Training einen hohen Stellenwert, da ich sehr komplex auf die spezifischen Muskelschlingen eingehen kann und muss sowohl zur Leistungsoptimierung als auch zur INFOSF unktionelles Training der AblaufTrotz der vielen unterschiedlichen Meinungen sind sich die Experten in einem einig diese Schritte bilden den Trainingsprozess.
7 Sportartanalyse und Anforderungsprofil erstellen individuelle Situation erfassen Leistungsdiagnostik mit Soll-Ist-Vergleich, St rken-Schw chen-Profil, Risk-Profiling, Weak-Link-As-sessment sportartspezifische und individuelle Ziele definieren: Leistungsop-timierung, Verletzungsprophylaxe, Return-to-Sport-Reha zielf hrende Trainings bungen und -mittel ausw hlen zielf hrende Trainingsmethoden festlegen, vor allem f r die Berei-che Flexibilit t, Kraft und komplexe Bewegungskoordination umfassenden Trainingsplan mit begleitender Periodisierung erstellen Umsetzung und ErgebniskontrolleSportphysio 1/15 Fotos: Marc Richter (unten); HRUNG F OCUSF unctional Training hat als ein Teil des athletischen Konzeptes einen festen Platz wie etwa auch ein elementares Schnelligkeits-training oder ein dynamisches Sprungkrafttraining.
8 Wir im Natio-nalteam organisieren dies in sogenannten Quality Times, in denen wir verschiedenste Themen f r die Spieler anbieten. :: Functional Training ist nichts Neues. Ich empfinde diesen Trend als eine Renaissance des traditionellen Athletiktrainings, quasi ein Back to the Roots in neuem Outfit und neuem Marketing. PD Dr. Klaus WirthTrainingswissenschaftler, Lehrbeauftragter Institut Sportwissenschaften Goethe Uni-versit t Frankfurt, Experte im Bereich Kraft-trainingSeit einigen Jahren wird der Begriff des funktionellen Trainings beinahe inflati-on r gebraucht. Sowohl im Bereich k r-perlicher Aktivit ten, die dem Erhalt der Gesundheit oder der Fitness dienen sollen, als auch im Leistungs- und Hochleis-tungssport werden in zunehmendem Ma Trainingsinterven-tionen als funktionell bezeichnet, ohne dass eine Begr ndung erfolgt, warum die jeweilige Trainingsma nahme dieses Attri-but verdient.
9 :: H ufig gewinnt man den Eindruck, dass es sich eher um eine Rechtfertigung der eigenen Vorgehensweise als Trainer oder eines Trainingskonzepts handelt. Es gilt zu pr fen, bei welchen Inhalten in Bezug auf das Krafttrai-ning (darauf konzentriert sich hier die Betrachtung) das Attribut funktionell zur Anwendung kommen sollte beziehungsweise darf und wann eher davon ausgegangen werden muss, dass mangelnde Kenntnis ber die Funktionen und Arbeitsweisen unterschiedli-cher Organe, wie zum Beispiel des Zentralnervensystems, zu Fehl-einsch tzungen f hren. Eine kritische Betrachtung muss hierbei sowohl Trainingsmethoden, ganze Trainingskonzepte, die Aus-wahl von Trainings bungen und auch die Art der Ausf hrung die-ser bungen chst f llt auf, dass man f r diesen Begriff keinerlei Defini-tion in der g ngigen Literatur findet.
10 In B chern und Artikeln wird zwar h ufig darauf hingewiesen, dass eine Krafttrainingsma nah-me funktionell sei, allerdings fehlt daf r in der Regel jegliche Be-gr ndung beziehungsweise ein Beleg f r diese Behauptung. Das Wort funktionell bedeutet f r sich betrachtet zun chst nur auf ei-ner Funktion beruhend , eine Funktion betreffend oder auch eine Funktion erf llend . Hieraus resultiert, dass die angesteuerte Funkti-on oder anders ausgedr ckt das Ziel des Krafttrainings determiniert, welche Trainingsmethoden und/oder -inhalte als funktionell anzu-sehen sind. Demzufolge ist es unzul ssig, von einer Krafttrainingsin-tervention per se zu behaupten, sie sei funktionell.