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3. Sprachwissenschaft Morphologie

MorphologieWas ist Morphologie ?\Mansoll ofterdasuntersuchen,was vondenMenschenmeistvergessenwird,wo sienichthinsehenundwas so sehralsbekanntangenom-menwird,dasseskein erUntersuchungmehrwertgeachtetwird."(Geo rg ChristophLichtenberg,1742-1799)1 Was ist Morphologie ? Morphologieist vielenWissenschaftszweigeneinTeilgebiet, :1. Biologie2. Geologie3. Sprachwissenschaft DerBegri wurdevonJohannWolfgangvonGoe-the(1749-18 32)alsdieLehrevondenFormen,besondersin derBotanik,eingef uhrt. DerIndogermanistAugustSchleicher(1821-18 68)hatdenBegri in dieSprachwissenschafteingef uhrt(Schleicher1860).

Morphologie Was ist Morphologie? \Man soll ofter das untersuchen, was von den Menschen meist vergessen wird, wo sie nicht hinsehen und was so sehr als bekannt angenom-men wird, dass es keiner Untersuchung mehr wert geachtet wird." (Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799) 1 Was ist Morphologie? Morphologie ist die Lehre von den Formen. Sie ist

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1 MorphologieWas ist Morphologie ?\Mansoll ofterdasuntersuchen,was vondenMenschenmeistvergessenwird,wo sienichthinsehenundwas so sehralsbekanntangenom-menwird,dasseskein erUntersuchungmehrwertgeachtetwird."(Geo rg ChristophLichtenberg,1742-1799)1 Was ist Morphologie ? Morphologieist vielenWissenschaftszweigeneinTeilgebiet, :1. Biologie2. Geologie3. Sprachwissenschaft DerBegri wurdevonJohannWolfgangvonGoe-the(1749-18 32)alsdieLehrevondenFormen,besondersin derBotanik,eingef uhrt. DerIndogermanistAugustSchleicher(1821-18 68)hatdenBegri in dieSprachwissenschafteingef uhrt(Schleicher1860).

2 In derSprachwissenschaftistdieMorphologiedi eLehrevondenFormenderW orter. Es gehtum1. dieRegeln, nachdenenW ortergeformtwerden,2. dieStrukturen, diesichdabei ergeben2 Was ist Morphologie ? EinigeW orterdesDeutschen:(1)Wasser,arm,laut,gib ,Katze,mit,ein(2)Wasserhahn,h orbar, unromantisch(3)Endeendlichunendlichunend lichkeitUnendlichkeiten Beobachtung:1. DieW orterin(2)und(3)sindkomplex;sieenthalten Teile,dieandereW DieW orterin(1)dagegensindeinfach;siek ist Morphologie ? Beispiele:1. Katze6=Ka+ tze,6=Katz+e,6=K + atze2.

3 Wasserhahn= Wasser+ hahn3. unendlich= un+ end+ lich Frage:SindkomplexeW orterimmerausanderenW orternzusammengesetzt,so wieWasserhahn? Antwort: orbaraush or( or mirzu!) und-bar. Aber manw urde-barintuitivnichtalsWort bezeichnenwollen. Einwand:AberbaristdocheinWort ( bar jederVernunft). Antwort: dasbarinbar jederVernunftbedeutetetwas anderesalsdas-barinh orbar. Undintuitivistdasersteeben einselbstst andigesWort, ist Morphologie ? -barist alsokeinWort. JederSatz,derdemSchemaY ist X-barfolgt,tr agtaber in etwa dieBedeutung\MankannY X-en".

4 Frage:Woherwissenwir,dass-bareinesolcheB edeutungtr agt? Antwort:-bartauchtin verschiedenenW orternauf,undes tr agtdabei immerdieselbe Bedeutungbei:(4)Y ist trink-bar!MankannY trinkenY ist l os-bar!MankannY l osenY ist h or-bar!MankannY h orenY ist ess-bar!MankannY essenY ist ertrag-bar!MankannY ertragen Beobachtung:DieS atzederlinken Spalte1. folgendemSchemaY ist X +-bar,2. bedeuten\MankannY X-en"(rechteSpalte),3. DerkonstanteTeildesMusterswirddadurchbe- stimmt,dassderselbe sprachlicheAusdruck(-bar)immervorkommtun ddieselbe Bedeutungbeitr agt.

5 -baristalsoeinPaar auslautlicherGestalt(oderSignal) undeiner xenBedeutung. KomplexeW ortersindalsonichtimmerausein-fachenW orternzusammengesetzt(obwohldasmanchmalz utri t). Diekleinsten(morphologischen)Bausteineko mple-xerW ortersindvielmehrlautlicheGestalten,diem iteinerbestimmtenBedeutunggepaart sind(unddasm ussennichtW ortersein). MorphemesindalsosystematischeKorresponde n-zenauslautlicherGestaltundBedeutung. DieseKorrespondenzist arbitr ar (deSaussure1916):EsistreinerZufall,dassd asKonzept\Baum"imDeutschendurchdielautli cheGestalt/ba m/aus-gedr ucktwird( b /, i /).

6 DieKorrespondenzist nichtnotwendigerweiseeins-zu- :gleichelautlicheGestalt,verschie-deneBe deutung(/vaid /, /taub /, /sait /). :verschiedenelautlicheGestalt,glei-cheBe deutung(Gef ahrte,Genosse,Kumpan). Seitenbemerkung:EchteSynonymeexistierenm Morpheme(stattW orternwieoben)betrachtet,dannexistierene ins-zu-viele-Korrespondenzen(Bedeutung-G estalt)sehrwohl,siehedenBegri derAllomorphie, Beachte:DerBegri \Bedeutung"mussin diesemKontextetwasweitergefasstwerden,da in man-chenF allendemMorphemkeinewirklichinhaltlicheB edeutungzuf allt.

7 Stattdessen:EinMorphemist diekleinstesprachli-cheEinheitmiteinergr ammatischenFunktion. EinesolchegrammatischeFunktionisteinenic ht-phonologischeEigenschaft,diestehenkan nf ur1. inhaltlicheMerkmale(bedeutedetwas)2. formaleMerkmale(markiertetwas, nitiv)(5) MorphemenmeistimakustischenInputauchnich th oren. Morphemesindzuunterscheidenvonderphonolo -gischenEinheitderSilbe:1. AuchSilben k onnenW ZurVerdeutlichungwerdenMorphemgrenzenin dermorphologischenLiteraturoftgraphischo ftdurchSymbolewie\-"oder\+"sichtbar WeitereBeispiele:(6) ,Vogel- ug,Vogel-k a , klein-lich, s , schreib-st, ,er-reichen, , Haus-es, , klein-er, , Sch on-heit, Feig-heit Analogzu-bartauchenauchdielautlichenGest al-tenin (6)in verschiedenenKontextenimmerwiedermitders elben \Bedeutung"auf.

8 Dassuggeriertstark,dassdieSpracheW orterausdiesenGestalten(denMorphemen)\zu sammen-baut", Morphemekombinierensichnichtwillk urlichzuW oglicheKom-binationenausgeschlossen. Ungrammatikalit at einesBeispielswird ublicherwei-se angezeigtdurchPr a gierungmiteinem\*".(7)a.*tisch-lich,*Tis ch-keit,*tisch-barb.*sing-lich,*Sing-kei t,*Sing-esc.*mann-st,*mann-t,*mann-end.* er-tisch,*er-klein,*er-mit Nichtallesistm Ist einWort ausmehrerenMorphemenzusammenge-setzt,dan n ie endieBedeutungenderMorphememeistin dieBedeutungdesGanzenein.

9 (8) dieEigenschaft,Weinzu sein, = dieEigenschaft,nichtsin-ken zu k onnen TeilkettenvonW ortern,diekeineMorphemesind, (sondernbedeu-tungsunterscheidend). DieTrennunginbedeutungstragende(Morphe-m e)undbedeutungsunterscheidende(Phoneme)E inheitenwird(nachMartinet1960)auchdoppel teArtikulationgenannt; DiekonkretephonologischeRealisierung(lau tlicheGestalt) einesMorphemswirdmanchmalMorphgenannt. OftwirdzwischenMorphemundMorphnichtun-te rschieden;mansprichteinfachvonMorphemen. Morphemek onnenverschiedenelautlicheGestaltenhaben undtrotzdemdieselbe (nicht-phonologische)Funktionerf (9) , , , , , Zecke-n DieMorphe(me)-er,-e,-s,-en,-nin(9) DieWahleinesAllomorphsistdurchdenKontext bestimmt,in demdasMorphemauftritt.

10 , Beispiel1 (phonologisch):DieEndungf ur 2. PersonSingular amdeutschenVerbist-est, wenndasVerbaufeinenkoronalenPlosiv(/t/,/ d/)endet,sonst-st:(10) ,zieh-st,schrei-st, ,bad-est Anmerkung:Kontrastewiel ad-stvs.*lad-estzei-gen,dassdieRegelnich talleF (sieheaber (1996)).14 Allomorphie3 Beispiel2;phonologisch(Rum anisch):MaskulineSt amme,dieauf-eenden,dr uckendende nitenArtikel durchdieEndung-leaus,sonstdurchdieEndung ul.(11) ^ nc ap at^anatsturb.^ nc ap atf^anat-ulstur-derfrateBruder Beispiel3; morphologisch:DasPluralallomorphimDeutsc henimKontextvon-heit/-keitist-en, nichtaber in anderenKontexten:(12) ussig-keit-en,*Fl ,*Dumm-heit-e(13) ,* ,* ,*Auto-(e)n15 Allomorphie4 Beispiel4; morphologisch(Ungarisch):Verbst (14)Regul ,Sgl ,Sgl ,Sgl at- lak-ik(l at-, \sehen";lak-, \wohnen";2sgauchlak-s) Beispiel5; phonologisch(Luganda;Uganda) , malmittu, je nachdemob dasnachfolgendeVerbmitVokaloderKonsonant anlautet.


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