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Studienbrief: Krise und Krisenintervention - Version 2010 Dipl. Psych. R. D Amelio, Universit tskliniken des Saarlandes, 66421 Homburg/ Saar email: 1 Krise und Krisenintervention Krise und 1 1. Begriffsbestimmung .. 1 2. 6 Lebensver nderungs- oder 6 Traumatische oder Situative Krise .. 7 3. Gefahren einer 8 4. Grundlagen der psychotherapeutischen Krisenintervention .. 9 5. Literatur .. 18 6. Weiterf hrende Literatur .. 20 1. Begriffsbestimmung Alltagssprachlich ist mit dem Wort Krise eine gef hrliche Entwicklung, Zuspitzung oder Versch rfung, bzw. eine Entscheidungs- oder Ausnahmesituation gemeint, im gesellschaftlichen oder individuellen Kontext (Schnell & Wetzel 1999). Im klassischen Drama bezeichnet dieser Begriff den H hepunkt des (dramatischen) Konfliktes und damit den Gipfel des dramaturgischen Spannungsbogens, auf den unmittelbar der Umschwung der Handlung erfolgt.

anderen Terminologie wird unterscheiden zwischen einer existenziellen Krise, bei der die Reflexion des Lebensentwurfs im Mittelpunkt steht und der umweltbedingten Krise, die durch eine Naturkatastrophe ausgelöst wird (James und Gilland 2001). 2.1 Lebensveränderungs- oder Entwicklungskrise

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  Terminologies, Serik, Krise und krisenintervention, Krisenintervention

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1 Studienbrief: Krise und Krisenintervention - Version 2010 Dipl. Psych. R. D Amelio, Universit tskliniken des Saarlandes, 66421 Homburg/ Saar email: 1 Krise und Krisenintervention Krise und 1 1. Begriffsbestimmung .. 1 2. 6 Lebensver nderungs- oder 6 Traumatische oder Situative Krise .. 7 3. Gefahren einer 8 4. Grundlagen der psychotherapeutischen Krisenintervention .. 9 5. Literatur .. 18 6. Weiterf hrende Literatur .. 20 1. Begriffsbestimmung Alltagssprachlich ist mit dem Wort Krise eine gef hrliche Entwicklung, Zuspitzung oder Versch rfung, bzw. eine Entscheidungs- oder Ausnahmesituation gemeint, im gesellschaftlichen oder individuellen Kontext (Schnell & Wetzel 1999). Im klassischen Drama bezeichnet dieser Begriff den H hepunkt des (dramatischen) Konfliktes und damit den Gipfel des dramaturgischen Spannungsbogens, auf den unmittelbar der Umschwung der Handlung erfolgt.

2 Der altgriechische Begriff crisis bezeichnet einen Wendepunkt zu Gesundheit oder Tod . In der Medizin bezeichnet der Terminus Krise den entscheidenden Moment im Verlauf einer Erkrankung, in dem es zu einer beginnenden Heilung oder zu einer radikalen Verschlechterung im Zustand des Patienten kommt. Der chinesische Begriff f r Krise setzt sich zusammen aus zwei Schriftzeichen, wobei eins dem Doppelzeichen f r Gefahr und das andere dem Doppelzeichen f r Chance entstammt. In vielen Kulturen, Epochen und Kontexten wurde demnach (auch) auf die in der Krise potentiell vorhandenen Ver nderungsenergien hingewiesen. Insofern kann der Begriff Krise auch positiv konnotiert werden, als eine Herausforderung, deren erfolgreiche Bew ltigung mit einem gest rkten Selbstbewusstsein verbunden ist (Burgess & Baldwin 1981) Nach der heutigen Terminologie enthalten die meisten Definitionen von Krise folgende gemeinsamen Punkte (nach Berger & Riecher-R ssler 2004): Diese steht in Zusammenhang mit einem emotional bedeutsamen Ereignis oder mit einer bedeutsamen Ver nderung der Lebensumst nde es handelt sich dabei um einen akuten, zeitlich begrenzten Zustand Studienbrief: Krise und Krisenintervention - Version 2010 Dipl.

3 Psych. R. D Amelio, Universit tskliniken des Saarlandes, 66421 Homburg/ Saar email: 2 der vom Betroffenen als bedrohlich wahrgenommen wird und der momentan seine Bew ltigungsm glichkeiten berfordert Demnach ist eine Krise ist ein zeitlich befristetes Ereignis, das aus einer akuten berforderung eines gewohnten Verhaltens- und Bew ltigungssystems durch belastende u ere oder innere Ausl ser resultiert (Simmich et al. 1999). Die akute berforderung kann dabei aus einer kurzfristig einwirkenden, heftigen Belastung resultieren, oder das Resultat einer l nger andauernden, kumulativen Belastung sein ( Vulnerabilit tsmodell, s. folgende Abbildung). TinnitusVulnerabilit tsmodell(Hiller & Goebel 1992)Dekompensationsgrenze =Kritische SchwelleKonflikte bei der ArbeitZu pflegende Angeh rigeMangelnde soziale Unterst tzungExternale Kontroll- berzeugungSelbstunsichere Pers nlichkeit Beispielhaft sind hier im Folgenden 2 Definitionen von Krise aufgef hrt: - Krise beschreibt den Verlust des seelischen Gleichgewichts, den ein Mensch versp rt, wenn er mit Ereignissen und Lebensumst nden konfrontiert wird, die er im Augenblick nicht bew ltigen kann, weil sie von der Art und von Ausma her seine durch fr here Erfahrungen erworbenen F higkeiten und erprobten Hilfsmittel zur Erreichung wichtiger Lebensziele oder zur Bew ltigung seiner Lebenssituation berfordern (nach Caplan 1964 und Cullberg 1978, zitiert aus Sonneck 2000, S.)

4 16). Studienbrief: Krise und Krisenintervention - Version 2010 Dipl. Psych. R. D Amelio, Universit tskliniken des Saarlandes, 66421 Homburg/ Saar email: 3 - Krise ist ein Ereignis oder eine Situation, die als untragbare Schwierigkeit wahrgenommen wird und welche die f r die betroffene Person vorhandenen oder im Moment zur Verf gung stehenden Bew ltigungsstrategien berfordert (James & Gilliland 2001). Als prototypischer Ausl ser f r Krisen gelten kritische Lebensereignisse . Das sind erwartete oder unerwartete) Lebensereignisse mit einer besonderen affektiven T nung, die von der Person als Einschnitte, berg nge oder Z suren im Lebenslauf betrachtet werden und erhebliche Anpassungsleistungen erfordern (Filipp 1997). Als Ausl ser kommen bspw. in Frage: lebens- oder existenzbedrohliche Ereignisse (wie etwa Natur- oder technische Katastrophen, mit Feuer, Wasser, Chemie), Gewaltverbrechen ( berfall, Vergewaltigung, Geiselnahme), drohende oder eingetretene Verluste von Angeh rigen (schwere Erkrankungen, Tod, Unf lle), psychosoziale Bedrohungen (Arbeitsplatzverlust, Verlust von Eigentum) und gravierende Bedrohungen des Selbstwertgef hls ( partnerschaftliche Kr nkungen und Konflikte, Statusverlust).

5 Diese kritischen Lebensereignisse k nnen im Rahmen der bisherigen individuellen Problembew ltigungsstrategien nicht gel st werden und f hren beim betroffenen Individuum zu einer erh hten psychischen Labilit t, Suggestibilit t und somatischen Reaktionsbereitschaft bis hin zu manifesten psychopathologischen Symptomen (Reiter & Strotzka 1977). Dementsprechend treten die vielf ltigsten Symptome auf, bspw. erh hte Anspannung, innere Unruhe, Schlaflosigkeit Unsicherheit, Angst Hilflosigkeit, Irritation, und Aggressivit t, Verwirrtheit, Depersonalisations- und Derealisationserlebnisse, wahnhafte Projektionen und Halluzinationen sowie psychosomatische Beschwerden. Auf jeden Fall erlebt sich der Betroffene sp testens von dem Moment an akut in der Krise (und wird sich dementsprechend f hlen, denken und verhalten) wenn seinen problem- bzw.

6 L sungszentrierten und palliativen Coping-Strategien ersch pft sind bzw. nicht mehr greifen. Prinzipiell ist die Krise aus der Sicht des Betroffenen ein Ereignis, das in unterschiedlichem Ausma (nach Filipp 1977): den Selbstwert der Person in Frage stellt ( Selbstwertbedrohung) Studienbrief: Krise und Krisenintervention - Version 2010 Dipl. Psych. R. D Amelio, Universit tskliniken des Saarlandes, 66421 Homburg/ Saar email: 4 zentrale berzeugungen oder grundlegende berzeugungssysteme der Person bedroht ( Selbstkonsistenz-Bedrohung) oder in Frage stellt ( Orientierungsverlsust) mit zentralen Zielen und Anliegen der Person interferiert ( Zielblockade) fr here nicht bew ltigte Ereignisse aktiviert ( Retraumatisierung) Die Auswirkungen von Krisen auf die Befindlichkeit und das Verhalten des Individuums resultieren nach dem transaktionalen Modell von Lazarus (1978) - aus der subjektiven Bewertung des Krisenanlasses und der zur Verf gung stehenden Ressourcen.

7 Die Reaktionen des Patienten ist umso mehr gepr gt von dem Gef hl berfordert zu sein, berflutet oder gar verr ckt zu werden, je mehr er eine Situation als existenziell bedrohlich oder als gef hrlich einsch tzt ( primary appraisal), und je niedriger er seine Erfolgsaussichten zum Aushalten oder Bew ltigung dieser Krise ansieht ( secondary appraisal). Insofern nehmen die Ressourcen eines Patienten einen wichtigen Einfluss auf den positiven oder negativen Verlauf einer Krise . Eine Ressourcenbedrohung bzw. einen Verlust von Ressourcen (bspw. die Trennung vom Partner, der immer alles f r einen gemacht hat ), kann dar ber hinaus auch eine Krise ausl sen. In diesem Zusammenhang ist zu erw hnen, dass auch der Urlaub des Therapeuten oder die regul re (!) Beendigung einer psychotherapeutischen Behandlung bei entsprechend vulnerablen Patienten eine Krise ausl sen kann und deshalb vorab thematisiert und bearbeitet werden sollte.

8 Des Weiteren beeinflussen (funktionale) Coping-Strategien die Resistenz der Person gegen ber einwirkenden Stressoren ( Anhebung der kritischen Schwelle , s. Vulnerabilit tsmodell) und stellen deshalb ein sch tzender Faktor gegen ber des Ausbruches von Krisen dar. Ressourcen sind somit ein bedeutsamer Faktor f r eine positive Prognose bei Eintreten und Zuspitzung einer Krise . Der Begriff Krise stellt keine eigene Krankheitseinheit dar. Urspr nglich verstand man darunter einen emotionalen Ausnahmezustand, der bei (zuvor) psychisch unauff lligen Personen durch psychosoziale Belastungen hervorgerufen wird. Studienbrief: Krise und Krisenintervention - Version 2010 Dipl. Psych. R. D Amelio, Universit tskliniken des Saarlandes, 66421 Homburg/ Saar email: 5 Dementsprechend wird eine Krise zum einen laut ICD 10 als akute Belastungsreaktion oder Anpassungsst rung (s.)

9 Folgende Tabelle) kodiert: Akute Belastungsreaktion bei psychisch nicht manifest gest rten Menschen, die im allgemeinen nach Stunden oder Tagen abklingt) Anpassungsst rung nach einschneidenden Lebensereignissen und Ver nderungen ( Emigration, Trennung, Todesfall, Verlust des Arbeitplatzes) Sonstige Reaktionen auf schwere Belastung Reaktionen auf schwere Belastung, nicht n her bezeichnet In Ausnahmef llen kann auch die Klassifikation F (posttraumatische Belastungsreaktion, PTSD) verwndet werden, wenn die Krisenreaktion mit entsprechenden typischen Reaktionen in zeitlicher Latenz von bis zu 6 Monaten auftritt. Aufgrund der verz gerten Manifestation der psychischen St rung im Verh ltnis zum Krisenanlass, entspricht die PTSD streng genommen nicht dem Konzept der Krise ( akute berforderung, zeitlich befristet).

10 In einem erweiterten Sinne wird heutzutage unter dem Begriff der Krise auch die drohende Dekompensation einer manifest oder das Rezidiv einer bestehenden psychischen St rung verstanden. Dabei ist zu beachten, dass Menschen mit vorbestehenden psychischen Erkrankungen eine erh hte Anf lligkeit ( Vulnerabilit t) gegen ber krisenhaften Anl ssen und reduzierte Bew ltigungsstrategien in Krisen aufweisen (Weisman 1989). Diese krankheitsspezifische Krise muss dann entsprechend der Grunderkrankung ( Suizidalit t im Rahmen einer Depression, psychotischer Erregungszustand im Rahmen einer Schizophrenie, starke Erregungs- und Affektzust nde bei Borderline-Pers nlichkeitsst rung) klassifiziert werden. Vors tzliche Selbstbesch digungen im Rahmen suizidaler Krisen werden je nach angewandter Methode mit X60 bis X84 kodiert, w hrend ein fr herer Suizidversuch auf der Z-Skala (Z ) vermerkt wird.


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