Transcription of Stromunfall - DGUV
1 Stromunfall rztliche Vorstellung notwendig H ufig werden Patienten nach einem Stromunfall station r auf-genommen, weil Sp tfolgen, vor allem kardialer Art, bef rchtet werden. Die vorliegenden Informationen ber m gliche Auswir-kungen des Stromes auf den menschlichen K rper sollen Erst-helfern und behandelnden rzten helfen, die richtige Entschei-dung f r die Erste hilfe und die weitere berwachung des Ver-unfallten zu treffen. Wirkungen des elektrischen Stromes auf den menschlichen K rper Das Ausma der Sch digung ist neben der Stromst rke, der Stromart (Gleich- oder Wechsel-strom) und der Frequenz von weiteren Faktoren abh ngig: vom K rperwiderstand, von der Dauer des Stromflusses, vom Stromweg durch den K rper und von der Gr e der Kontaktfl che. Wechselstrom ist f r das menschliche Herz wegen der h ufigen Polarit tswechsel kritisch, die Gefahr von Herzrhythmusst rungen und Kammerflimmern ist erheblich gr er als bei Gleich-strom.
2 Gleichstrom f hrt beim Ein- und Ausschalten bzw. Ber hren mit zunehmender Strom-st rke zu kurzzeitiger Muskelkontraktion (Zuckung) bis hin zu andauernder Muskelkontraktion (Verkrampfung). Die Wahrscheinlichkeit von Herzrhythmusst rungen und Kammerflimmern nimmt bei Gleichstrom in Abh ngigkeit von Stromst rke und Durchstr mungsdauer zu. Der Wi-derstand von Haut und Muskulatur ist dabei eine wichtige Gr e f r die Reizwirkung des Stro-mes. Bei einer Ber hrungsspannung innerhalb des h uslichen Stromnetzes kann er individuell um ca. 1000 Ohm variieren. Grunds tzlich unterscheidet man zwischen Niederspannungsbereichen (bis V) und Hochspannungsbereichen (ab 1 kV). Im Niederspannungsbereich kommt es h ufig zu Unf llen mit einem kurzen Kontakt zur Span-nungsquelle und kurzen Durchstr mungszeiten (sogenannte Wischer). Durch unwillk rliche Abwehrreaktionen sind dabei Sekund runf lle m glich, ein Sturz von der Leiter.
3 Flie t der Strom durch die Hand, kann durch ein mechanisches Zusammenziehen der Muskulatur die Kon-taktzeit verl ngert werden (Klebenbleiben). Zerrungen, Muskel- und Sehnenabrisse k nnen die Folge sein. Bei kurzem Stromweg durch den Brustbereich (Brust-R cken) sind Atemst rungen sowie lebensbedrohliche Herzrhythmusst rungen m glich. Je schneller ein Herz schl gt (bei k r-perlicher Arbeit), desto empfindlicher reagiert es auf den Stromfluss und desto eher kommt es zu einer St rung der normalen Reizbildung im Herzen mit Rhythmusst rungen bis hin zu Kammer-flimmern und sofortigem Herzstillstand. Hierbei sind sowohl die Stromst rke und Dauer der K r-perdurchstr mung als auch der Zeitpunkt des elektrischen Reizes innerhalb des Erregungsab-laufs am Herzen von entscheidender Bedeutung. Stromwirkungen am Herzen k nnen sich unmit-telbar nach Kontakt mit spannungsf hrenden Teilen einstellen. An den Ein- und Austrittsstellen des elektrischen Stromes sowie durch Einwirkung von St rlichtb gen, die meist gro fl chiger Natur sind, k nnen Verbrennungen der Haut entstehen.
4 Strommarken helfen oft, den Stromweg durch den K rper nachzuvollziehen. Stromunfall Seite 2 Im Hochspannungsbereich kann es zu Verletzungen durch direkten Stromdurchfluss im K rper sowie durch St rlichtb gen kommen. Bei Lichtbogenverletzungen entsteht durch hohe Tempera-turen (3000 - 20000 C) ein u erer thermischer Schaden. Der direkte Stromdurchfluss kann zur thermischen Zerst rung der im Durchfluss liegenden Gewebe f hren: Sch digungen am Herzen bis zum Herzstillstand, St rungen des Nervensystems mit Verwirrtheitszust nden und neurologi-schen Ausf llen, Gef sch den und ausgedehnte Muskeldefekte mit Kompartmentsyndrom sind m glich. Als Sp tfolge bei Hochspannungsunf llen wird das Nierenversagen als Folge einer Myoglobinurie oder eines Schockzustandes gef rchtet. In Abh ngigkeit von der Dauer der K rperdurchstr mung und dem Stromweg k nnen nach DIN IEC/TS 60479-1 (VDEV 0140-479-1) folgende Wirkungen beobachtet werden: Vorgehen bei Unf llen mit elektrischem Strom Niederspannung : Entfernen der Sicherung Abschalten des Ger tes Ziehen des Netzsteckers Alternativ: Isolieren des Verunfallten durch einen geeigneten isolierenden Standort Erst dann kommen die blichen Ma nahmen der Ersten hilfe zum Einsatz.
5 Wegen der Gefahr von Herzrhythmusst rungen, ausgel st durch K rperdurchstr mung, ist eine umgehende rztliche Vorstellung notwendig, auch nach einem mutma lichen Wischer. Die Ab-folge von Anamnese, k rperlicher Untersuchung und 12-Kanal-EKG, ggf. mit Rhythmus-Monitoring, kann sich an einem Entscheidungsschema orientieren: rztliches Vorgehen nach Stromunfall im Niederspannungsbereich In Anlehnung an Searle, J. u. a.: Kardiales Monitoring nach Stromunfall Analyse von 268 Patienten an der Charit . Dtsch. rztebl. 2013; 110(50): 847-53. Muskelkontraktionen, Loslassen unm glich, Atembehinderung, Herzrhythmusst rungen, Herzkammerflimmern, Asystolie, Synkope, thermische Wirkung, Lungensch den Wichtig ist bei Stromunf llen der Eigenschutz der Ersthelfer! Stromunfall Seite 3 Indikationen f r eine station re Behandlung mit zus tzlichen diagnostischen Ma nahmen sind insbesondere: Anhaltende Auff lligkeiten im EKG Bewusstseinsverlust nach dem Stromschlag Bestehende Vorerkrankungen des Herzens Zustand nach l ngerem Stromdurchfluss durch Klebenbleiben Subjektive Beschwerden wie Benommenheit, Herzstiche, Herzschmerzen, Atemnot Verletzungen nach Sekund runf llen Verbrennungen durch St rlichtb gen oder Strommarken, die tiefere Gewebssch digung vermuten lassen Schwangerschaft der Verunfallten Hochspannung: Hier muss von den Helfern ein Sicherheitsab-stand von bis zu 20 m eingehalten werden, da sich an der Unfallstelle ein Spannungstrich-ter ausbilden kann, der f r den Helfer zu ei-ner lebensgef hrlichen Schrittspannung f h-ren kann.
6 Es ist grunds tzlich ein Notruf ab-zusetzen, bei dem der Anlagenbetreiber mit zu benachrichtigen ist. Der Bereich muss vom Fachpersonal frei geschaltet und frei gegeben werden, erst dann k nnen Ma nahmen der Ersten hilfe eingeleitet werden. Nach Hochspannungsunf llen ist immer mit thermischen Wirkungen auf den Organismus zu rechnen, die sich oft erst nach einer Latenzzeit bemerkbar machen. Die Letalit t bei Hochspan-nungsunf llen ist ungleich h her als bei Niederspannung. Stand: September 2016 Die letztendliche Entscheidung ber eine station re Behandlung nach einem Stromunfall im Niederspannungsbereich liegt in den H nden des behandelnden Arztes! Deshalb ist der Verunfallte nach einem Stromunfall im Hochspannungsbereich sofort medizinisch zu versorgen. Eine station re Behandlung mit engmaschiger Kontrolle ist wegen der Gefahr von Sp tfolgen unbedingt erforderlich!