Transcription of Technische Trends und Normung - Bosy-online
1 Technische Trends und NormungBHKS- almanach 2007 7 Wie viel Frischluft braucht der Mensch?Neue Vorgaben zu Klima-/L ftungsanlagen in europ ischen Clemens Schickel, Technischer Referent im BHKSVor dem Hintergrund der europ ischen Angleichung der Regeln der Technik auf dem Gebiet der Planung und Auslegung von L ftungsanlagen wird im Folgenden darge-stellt, welche Au enluftraten zur Sicherstellung des hygienisch notwendigen Luftwech-sels bei Nichtwohngeb uden erforderlich sind. Dabei werden Sonderf lle wie beispiels-weise Labor- oder Krankenhausl ftung nicht ber cksichtigt. Ebenfalls nicht betrachtet wird der Luftaustausch durch freie L ftung und Infiltration. Grundlagen zur Auslegung von L ftungs-/Klimaanlagen f r Nichtwohngeb ude nach dem Stand der Technik Im Zuge der Harmonisie-rung der Normen in Europa, wurde durch CEN1 die Norm EN 13779 L ftung von Nicht-wohngeb uden Allgemeine Grundlagen und Anforde-rungen an L ftungs- und Kli-maanlagen herausgegeben.
2 Nach der Ver ffentlichung als Entwurf, dem Ablauf der Ein-spruchsfrist und der berar-beitung durch das Normungs-gremium bei CEN wurde die EN 13779 mit Ausgabedatum Mai 2005 als deutsche Norm DIN EN 13779 eingef hrt. Entsprechend den Vereinba-rungen zwischen DIN2 und CEN musste die VDI-L f-tungsregel DIN 1946 Teil 2 Raumlufttechnische Anla-gen Gesundheitstechnische Anforderungen , welche bis dahin gem Definition f r RLT-Anlagen in Arbeits- und Versammlungsr umen anzu-wenden war, gleichzeitig zu-r ckgezogen werden, da diese weitgehend gleiche Themen wie DIN EN 13779 behandelt. Damit haben sich die Metho-den zur Planung und Ausle-gung dieser L ftungs- und Klimaanlagen in Deutschland wesentlich ver ndert. Es ist nunmehr erforderlich, indivi-duell vertraglich sicherzustel-len, dass alle grundlegenden Planungsvorgaben zwischen Planer und Auftraggeber ge-meinsam getroffen und do-kumentiert werden.
3 Die in langj hriger Praxis bew hrten Vorgaben aus der DIN 1946 Teil 2 d rfen nicht mehr ohne Weiteres angewendet werden, was bei allen Beteiligten zu-n chst f r eine gewisse Unsi-cherheit gesorgt hat. Weiter erschwert wurde die Akzeptanz dieser neuen Regel der Technik durch den Um-stand, dass bereits mit Aus-gabedatum Juli 2005, also nur zwei Monate nach Erscheinen des Wei druckes der DIN EN 13779, eine erste berarbei-tung dieser Norm der ffent-lichkeit zur Stellungnahme vorgelegt wurde. Voraus-sichtlich ersetzt diese Norm die derzeit geltende Ausgabe der DIN EN 13779 ab April 2007. Als wesentliche n-derung zur Ausgabe sind Erg nzungen bez glich der energetischen Effizienz der Klima-/L ftungsanlagen zu nennen, was den Belan-gen der EPBD3 geschuldet ist.
4 Au erdem wurden basierend auf den insgesamt 38 Seiten umfassenden Einspr chen verschiedene Anpassungen nur in dieser Norm finden sich Anforderungen an die Au enluftrate f r Nicht-wohngeb ude. Mit den Nor-mungsvorhaben im Rahmen der Umsetzung der EPBD, welche mit Mandat 343 von der europ ischen Kommissi-on unterst tzt wurden, sind umfangreiche Regelwerke er-arbeitet worden, von denen einige bei der Planung, Aus-legung und Ausf hrung von Klima-/L ftungsanlagen zu ber cksichtigen sind. So wur-de im Juli 2005 der Entwurf der DIN EN 15251 Bewer-tungskriterien f r den Innen-raum einschlie lich Tempe-ratur, Raumluftqualit t, Licht und L rm ver ffentlicht. In dem ebenfalls f r April 2007 erwarteten Wei druck dieser Norm, die dann unter dem Titel Eingangsparameter f r das Raumklima zur Auslegung und Bewertung der Energieef-fizienz von Geb uden Raum-luftqualit t, Temperatur, Licht und Akustik erscheinen wird, sind weitere Festlegungen getroffen.
5 Unter dem Punkt 6 Auslegungskriterien f r die Dimensionierung von Geb u-den, Heizungs- und K hlanla-gen, maschinellen und freien L ftungsanlagen sowie in insgesamt neun informativen Anh ngen sind Angaben ent-halten, die bei der Auslegung von L ftungs-/Klimaanlagen Ber cksichtigung finden sol-len. Weitere neue Europ ische Normen im Zusammenhang mit L ftungs-/KlimaanlagenDie in DIN EN 15242 L f-tung von Geb uden Berech-nungsverfahren zur Bestim-mung der Luftvolumenstr me in Geb uden einschlie lich Infiltration beschriebenen Verfahren zur Berechnung der durch die L ftung ver-ursachten Luftvolumenstr -me in Geb uden enthalten grunds tzliche Rechenregeln, jedoch keine eigenen Vorga-ben zu den Auslegungsgr - en, weshalb diese Norm hier nicht weiter betrachtet werden soll.
6 Gleiches gilt f r DIN EN 152414 und DIN EN 152435, die sich mit Berech-nungsverfahren befassen, sowie f r DIN EN 152396 und DIN EN 152407, welche die energetische Inspektion von L ftungs- respektive Klima-anlagen behandeln und eben-falls keine Auslegungspara-meter RegelwerkeDie Anzahl nationaler Re-gelungen f r die h ufigsten Anwendungen aus dem Be-reich der Nichtwohngeb ude (B ror ume und Verkaufs-st tten) ohne Sonderanwen-dungen ist berschaubar. Zu nennen sind DIN 18017-3 L ftung von B dern und To-ilettenr umen ohne Au en-fenster, mit Ventilatoren , VDI 2082 Raumlufttechnische Anlagen f r Verkaufsst tten , diverse Arbeitsst ttenrichtli-nien8 und Verordnungen aus dem Bereich des Baurechtes. Luftaustausch Warum?Die Verschlechterung der Qualit t der Raumluft in ge-schlossenen R umen gegen- ber der Qualit t der Au en-luft hat verschiedene Ursa- 0 BHKS- almanach 2007 chen.
7 Zun chst den Menschen selbst, der durch seine Atmung die chemische Zusammenset-zung der Luft ver ndert sowie W rme- und Feuchtelasten in die Raumluft bertr gt. Hinzu kommen Emissionen der Ein-bauten, Boden- und Wandbe-l ge sowie der Einrichtungs-gegenst nde, die die Raumluft mit Luftschadstoffen beladen. Auch thermische Lasten aus Beleuchtung und Elektroge-r ten wie Computersysteme, Drucker oder Kopierer ver-mindern die Luftqualit t. Die-se Belastungen m ssen erfasst und quantitativ bewertet wer-den. Daraus resultierend sind die erforderlichen Au enluft- und Zuluftvolumenstr me mit dem Ziel zu ermitteln, den hygienischen Anforderungen und der thermischen Behag-lichkeit gleicherma en Rech-nung zu tragen. Vorgaben zum Au enluft-volumenstromDie Frage nach dem hygie-nisch notwendigen Luftwech-sel wird in verschiedenen Re-geln der Technik unterschied-lich bewertet.
8 Nach den VDI L ftungsregeln, hier der DIN 1946 Teil 2 (zwischenzeit-lich zur ckgezogen), wurde je Person im Einzelb ro ein Au enluftvolumenstrom von 40 m /h gefordert. Im Gro -raumb ro erh hte sich dieser Volumenstrom auf 60 m /h f r jede anwesende Person. Nach Arbeitsst ttenrichtli-nie ASR 5, Abschnitt wird, abh ngig von der Art der T -tigkeit, pro Person ein Au en-luftvolumenstrom von 20 bis ber 65 m /h gefordert. In B ror umen, also bei ber-wiegend sitzender T tigkeit, sind f r jede Person im Mittel 30 m /h, +/- 10 m /h, der Aus-legung zugrunde zu legen. Bei Belastung durch Tabakrauch sollen nach ASR 5 10 m /h hinzuaddiert werden. DIN 1946 Teil 2 hingegen empfahl eine Erh hung um 20 m / (h Person) bei Rauchbelas-tung der Raumluft. Die europ ischen Nor-mungsgremien kommen in der DIN EN 13779 zu eigenen Erkenntnissen bez glich der notwendigen Au enluftrate.
9 Diese reicht von 38 m /h im Gro raumb ro bis 45 m /h f r Einzel- oder Gruppen-b ror ume, jeweils auf die Anzahl der anwesenden Per-sonen bezogen. Entgegen der DIN 1946 Teil 2 wird hier in Einzelb ror umen ein h -herer Au enluftbedarf als in Gro raumb ros gefordert. Als besonders belastend wird die Verunreinigung durch Ta-bakrauch angesehen, weshalb in diesem Falle die Au enluft-rate jeweils zu verdoppeln ist. Tabelle 1 vermittelt einen auf die wesentlichen Raumarten beschr nkten berblick ber die Au enluftraten entspre-chend den verschiedenen Re-geln der Technik. Die bereits genannte deut-sche Norm E DIN EN 15251 gibt wiederum eigene, nach Kategorien eingeteilte Au en-luftraten vor. Diese Katego-rien stehen in Abh ngigkeit zur Belegung und dem Grad der Umweltfreundlichkeit der Einrichtungen im Geb u-de und sind vom Nutzer vor Planungsbeginn festzulegen.
10 In der Tabelle sind die Emp-fehlungen entsprechend der mittleren Kategorie f r um-weltfreundliche Geb ude an-gegeben. Sind Raucher anwe-send, werden in B ror umen dem Au enluftstrom je nach gew hlter Kategorie zwischen 11 m /(h Person) (Einzelb -ro, Kategorie C) und 38 m / (h Person) (Gro raumb ro, Kategorie A) zur Festlegung der Au enluftratenPlanung, Bau und Betrieb von l ftungstechnischen An-lagen m ssen grunds tzlich entsprechend den geltenden Regeln der Technik erfolgen. Dass dieses nicht, wie in der Vergangenheit bei Anwen-dung der DIN 1946 Teil 2, ohne weitere Vereinbarungen m g-lich ist, zeigt die unten ste-hende Tabelle 1 eindrucksvoll. Die in Nichtwohngeb uden anzuwendenden Regeln der Technik, europ isch einheit-lich DIN EN 13779 und DIN EN 15251, enthalten f r die Festlegung der Au enluftra-ten Vorgaben in informativen Anh ngen und Empfehlungen f r Standardwerte.